Das wär was...

Text zum Thema Allzu Menschliches

von  Mondscheinsonate

Das wär schon was, wenn man Gesagtes als Textbausteine aufsaugen  und so in sein eigenes Leben einbauen könnte und das auch noch glauben würde.

So wie er, der sich sein ganzes Leben erfunden hat. Angeblich weiß er noch alle Betrunkenengeschichten und erzählt diese jedem mit Inbrunst. Das ist gar nicht möglich, aber er glaubt es. Das geht schon 25 Jahre so und nun, nachdem die Geschichten im Jetzt langsam langweilig werden, sprang er einfach zurück und bildet sich ein, dass das Heute, 20 Jahre zurückliegend, eben heute ist. Damit denkt er, vielleicht ist es auch schon der Tremens, dass es so ist. 

Er lebt nur vom Mitleiderhaschen, so bekommt er Aufmerksamkeit, auch vom Ausgrenzen von Minderheiten, Frauen, beeinträchtigten Menschen, da bekommt er Klatscher von seiner Community. Er kann schließlich nichts anderes, hat nichts gelernt. Kein Satz ist richtig geschrieben, macht sich aber lustig über Menschen, die etwas falsch schreiben. Das natürlich, um von sich selbst abzulenken. 

Er hat keine Geschichte, alles ist im Rausch untergegangen, deshalb borgt er sich Sprachfetzen von seinen Bekannten aus, Freunde hat er keine, die Klatscher sind keine, nur Menschen, die mit ihm Saufen und Drogen nehmen, um sie in seine Geschichte einzubauen.

Er hat auch keine eigenen Interessen, macht alles nach, wurde zur Kopie. 

Seine Mutter sagte, dass sie die Geschäfte verkaufen mussten, weil er kein Nachfolger sei, er habe zwei linke Hände. Das stimmt, weil er ein Denker gewesen wäre, man ließ ihn nur nicht denken und steckte ihn in Ausbildungen, die Geschick und Talent benötigt hätten, aber da versagte er kläglich, weil es nicht seiner geistigen Konstitution entsprach, ein Gymnasium wäre besser gewesen, dort hätte er denken müssen, aber man ließ ihn nicht. Erkannte es nicht und jetzt dreht er Stöcke, ja, Stöcke im Kreis herum, denn er ist zum Hündchen mutiert, so will es die Angebetete, die vor lauter Saufen nicht mehr die Stange hochkommt, nun am Boden Stöcke dreht, um von ihrer Unfähigkeit das Leben zu meistern, ablenkt. Er macht es nach, er dreht Stöcke mit seinen zwei Linken und hechelt dabei, damit sie ihm das Köpfchen streichelt. Sie braucht nur Bewunderung und jemanden, den sie beobachten kann, denn sie will, dass man sie bewundert und wehe, wenn nicht, das beobachtet sie Tag und Nacht, dann wird mit bösen Schweigen reagiert, aber geht es um das sie bewundern, dann goutiert sie mit Likes. Ein Lebenswerk verkauft, weil er lieber Stöcke dreht und sich tätscheln lässt. 


Es ist doch beneidenswert, sich ein verpatztes Leben zurecht schneidern mit Textbausteinen von Fremden. Glauben, das sei alles wirklich passiert. Sich permanent im Mitleid suhlen statt sein eigenes Leben wirklich zu gestalten. Äußerst praktisch. Oder feig, wie man es sehen will.



Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 AchterZwerg (07.06.22, 08:58)
Ehrlich gesagt: Ich finde das nicht besonders schlimm.
Mal abgesehen davon, dass sich wohl die allermeisten Menschen ihr Lebebswerk zurechtschönen; für mich gilt: Hauptsache die Story ist gut! Wahr oder unwahr interessiert mich bei solchen Rückblicken weniger.
Und sind es nicht  immer die Minderbegabten, die sich über die Schwächen anderer lustig machen?
Und sind es nicht immer die Moralisten, die sich wiederum über deren Schwächen echauffieren?

Lass se einfach.  <3

 Mondscheinsonate meinte dazu am 07.06.22 um 20:17:
Schreiben kann man ja alles. Das ist das Schöne.
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram