Panne

Kurzgedicht zum Thema Beobachtungen

von  minimum

mitten auf dem Bürgersteig
kniet ein dicklicher junger Mann
hinter seinem Citybike:


derb am Reifen gepackt
bäumt sich das Rad
immer wieder auf


aber mit blähenden Nüstern
zwingt es der junge Mann
immer wieder nieder


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Kommentare zu diesem Text


 niemand (06.06.22, 17:59)
Den Begriff "Stahlross" = Fahrrad humorvoll ins Gedicht gesetzt  ;)
Obwohl genauer betrachtet geht es mehr um ein "Rennpferd" = Ebike
denke ich. LG niemand  :P

 minimum meinte dazu am 06.06.22 um 19:55:
Ob E-Bike oder Citybike - das Liebesspiel zwischen Mensch & Maschine ist eine nie endende Geschichte voller Hindernisse und Abgründe :) Danke dir!

 claire.delalune antwortete darauf am 18.06.22 um 13:26:
derb am Reifen gepackt
bäumt sich das Rad
immer wieder auf
aber mit blähenden Nüstern
zwingt es der junge Mann
immer wieder nieder





Ist dir die Wiederholung hier wichtig? Soll sie latent wirken? Sonst könnte ich mir, wenn dir das "immer wieder" an beiden Stellen wichtig ist, eine Umstellung - die dann allerdings zur Betonung führt - vorstellen: 


derb am Reifen gepackt
bäumt sich das Rad
immer wieder auf

aber mit blähenden Nüstern
zwingt es der junge Mann nieder
immer wieder 




(wobei bei dieser Umstellung ein unschöner, weil allein vorkommender, Reim entsteht, wie ich gerade feststelle)

eine andere Möglichkeit: 


derb am Reifen gepackt
bäumt sich das Rad auf
immer wieder 

aber mit blähenden Nüstern
zwingt es der junge Mann 
immer wieder nieder




durch den Abstand im Reim kann so der Eindruck entstehen, dass er Absicht ist


oder noch eine Möglichkeit


derb am Reifen gepackt
bäumt sich das Rad
auf

aber mit blähenden Nüstern
zwingt es der junge Mann 
immer wieder nieder




aber das erscheint mir, gegenüber den anderen Varianten, nun fast langweilig


Bin gespannt, was du zu meinen Gedanken sagst. Und ich finde es spannend, zu wie vielen Varianten und Gedankenspielen mich dein Text eingeladen hat. 
Sowas mag ich. Sehr.. :) 


 minimum schrieb daraufhin am 18.06.22 um 19:26:
Wow - dass mein magerer Text zum Auslöser so umfangreicher kritischer Reflektionen wird, verblüfft mich. (Bzw. überrascht mich freudig :) ) Herzlichen Dank dafür!

Den Parallelismus "immer wieder auf - immer wieder nieder" habe ich allerdings bewusst gesetzt - für mich drückt er das Gegen- und Miteinander von Mensch & Rad im Prozess der Verschmelzung zur (höheren? oder bloß mechanischen?) Einheit aus. (Ob diese Ausdrucksabsicht vom Text erfolgreich umgesetzt wird oder nicht, wäre natürlich schon wieder eine andere Frage.)

Von deinen Varianten sticht mir spontan die dritte, die ich ganz und gar nicht "langweilig" finde, besonders ins Auge. So formuliert, bleiben Rad & Mensch Gegenspieler, verstrickt in einen heillosen Zweikampf, den plumpe Gewalt höchstens beenden, aber nicht befrieden kann ... (Ich überlege gerade, ob das dann noch der Text wäre, den ich "eigentlich" geschrieben habe. Wenn die Antwort "nein" lautete, wäre das kein Schaden - im Gegenteil: Dann hätte deine kritische Lektüre einen alten Text in einen neuen verwandelt. Und das ist, glaube ich, für Autor und Leser gleichermaßen eine Bereicherung :) Nochmals: Herzlichen Dank!)

 claire.delalune äußerte darauf am 23.06.22 um 13:53:
Danke! Für die Auseinandersetzung mit meinen Anmerkungen und dass du offen bist, einen Text von verschiedenen Seiten, auch kritisch, zu betrachten. Das ist hier auf kv selten. :) 


Danke auch für den Hinweis, dass du "immer wieder" bewusst gesetzt hast. Das war mir in der Tat nicht soo kräftig ins Auge gefallen zuvor. Ergibt natürlich Sinn!

Und auch danke, dass du dich von den verschiedenen Varianten (die Textformation war chaotisch, ich hab das nicht gleichmäßig hingekriegt im vorigen Kommentar) sogar inspirieren ließest. 

Bereichernd, ja. So ist im besten Fall der Austausch zu und über Lyrik. Danke dafür!
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