Schlaflose Nacht

Tagebuch zum Thema Allzu Menschliches

von  Mondscheinsonate

Das Schöne am Altern ist doch, dass man sich nicht mehr beweisen muss und eigentlich kann einem der Großteil den Buckel runterrutschen. 

Jetzt suche ich mir meine Kreise genau aus und versuche mich nicht anzupassen. Als junges Ding war es "Ach, so wichtig..." was die Anderen denken, das ist mir jetzt so egal. 

Jedes Alter hat seine Vorzüge, wahrlich, ich möchte keine 20 mehr sein.

Thema beendet.


Eine schlaflose Nacht, mein Geburtstag nervt mich. Plötzlich kennen einen alle Menschen und man bekommt von überall her Glückwünsche, nein, ihr seid nicht gemeint, der Großteil schreibt doch schon seit 15 Jahren mit mir und ich mit ihnen, nein, ich meine irgendwelche Leute und dann muss ich in der Früh einen Kuchen backen, die Verwandten kommen, bringen Geschenke und man muss glücklich tun, dabei habe ich das stärkste Prüfungsmonat und bin gar nicht glücklich und noch dazu prämenstruell, ich hab keinen Genierer, es ist so.


Vielleicht liegt das Unglück zu tief, ich schleppe es seit Jahrzehnten mit. Jeder Scheiß-Geburtstag war eine Katastrophe als Kind und ich konnte nie Freunde einladen, die Mutter war immer besoffen, die soff sich derart an, dass sie halb im Koma lag und wenn sie erwachte, dann ging sie fort und karrte dann wildfremde Menschen an, Erwachsene, die mit mir besoffen am Tisch saßen und herumlallten. Konsequenz des Nichteinladens war, dass auch ich nie eingeladen wurde. So war das damals eben. 

Mein Highlight war aber der 18.Geburtstag, da stellte mir meine Mutter eine Oetker-Backmischung auf den Tisch, sozusagen zum Selbermachen. Meinen Sekt soff sie vorher alleine aus und es stand nur noch die leere Flasche am Tisch, rechts neben der Backmischung. 

Zum 20.Geburtstag rief sie Oma an, machte einen Termin für mich aus, ich musste den Tag mit ihr verbringen und sie dann fragen, ob sie der Mama Geld geben kann. Meinen 1000er, damals noch Schilling, kassierte sie auch ein, meinte, ich muss jetzt Miete bezahlen.

Aber, einen 21.Geburtstag gab es mit ihr nicht mehr und auch keine weiteren, diese toxische Person sah ich nie wieder. 

Ja, ich hatte dann einen wunderbaren Partner, der meinen Geburtstag stets krampfhaft schön machen wollte und mich mit Geschenken überhäufte. Ich konnte mich niemals freuen. Ich konnte mich nie freuen, weder in Thailand, noch auf den Malediven, nie. Die Traurigkeit war immer drinnen.

Wisst ihr, wann ich mich jetzt freue? Wenn ich eine Prüfung oder Klausur geschafft habe, weil jeder Schritt ist ein Schritt raus aus der Kindheitsgosse. 

Ein Schwachsinn, aber ich hab ständig das Gefühl, je mehr ich lerne, desto mehr wasche ich mir den Vergangenheitsdreck runter. 

Happy birthday, Mädl - Ich bin müde.


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Kommentare zu diesem Text


 Dieter_Rotmund (09.06.22, 08:33)
BTW:
das stärkste Prüfungsmonat -> den stärksten Prüfungsmonat

Nach Ordnungszahlen macht man gewöhnlich ein Leerzeichen: 18. Geburtstag, nicht 18.Geburtstag.

Kommentar geändert am 09.06.2022 um 08:35 Uhr

 IsoldeEhrlich meinte dazu am 09.06.22 um 10:16:
@ Dieter_Rotmund:
Das Monat -  vielleicht auch mal über den deutschen Tellerrand nach Österreich schauen.

@Mondscheinsonate:
Trotzdem alles Gute zum Geburtstag!

LG, Isolde

 Dieter_Rotmund antwortete darauf am 09.06.22 um 10:26:
Nein. 
Duden: Monat, der / Substantiv, maskulinum
(der Duden ist auch für Österreich maßgeblich)

...aber wir wollen das mal bei MSS als künstlerische Freiheit durchgehen lassen!  :P

 IsoldeEhrlich schrieb daraufhin am 09.06.22 um 10:33:
Nein, das ist keine künstlerische Freiheit, sondern

 https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichisches_Deutsch

 Mondscheinsonate äußerte darauf am 09.06.22 um 11:20:
Jetzt hat er seinen Willen bekommen, Genre Tagebuch und er hört nicht auf. Isolde, für ihn gibt es keine österreichische Sprache. Diskussion zwecklos.
Danke!

Antwort geändert am 09.06.2022 um 11:20 Uhr

 Mondscheinsonate ergänzte dazu am 09.06.22 um 12:50:
@Dieter: Es gibt auch Das österreichische Wörterbuch, hier steht: Monat, der (umgspr. auch das). Natürlich hast du in Hochsprache recht, wenngleich ich, persönlich, meine Texte nicht unbedingt zur reinen Hochsprache zähle und somit ist es legitim.

Antwort geändert am 09.06.2022 um 12:51 Uhr

 Dieter_Rotmund meinte dazu am 10.06.22 um 13:40:
Ähnlich dem heiligen Sessel, in dem der Papst Paradeiser isst, am dem höchsten Position des Katholizismus?  :D

 Mondscheinsonate meinte dazu am 10.06.22 um 15:09:
So ähnlich. Im Übrigen, es gab schon mal eine Zeit, wo nur EINE SPRACHE und EIN VOLK das Wahre war. Erinnert mich verdammt daran.

Antwort geändert am 10.06.2022 um 15:11 Uhr
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