Plagiate

Essay zum Thema Betrug

von  Regina

Ghostwriter verhindern, dass Studenten schon vor Beginn der Berufsausübung dem Burnout zum Opfer fallen, indem sie die Master-Thesis, die Diplomarbeit oder andere Schriften für den Prüfungskandidaten schreiben. Allerdings sollte ein Ghostwriter genügend Einfallsreichtum besitzen, eine bereits vorhandene Examensarbeit so umzuformulieren, dass Plagiat am Ende nicht nachgewiesen werden kann. Umstellungen der Satzteile, der Haupt- und Nebensätze sowie das Verwenden von Synonyma bieten sich in diesem Fall an.

Vom Prinzip her steht das Plagiat auf der Stufe der Fälschung. Es ist die Erschleichung eines akademischen Titels oder eines anderen Berufsabschlusses. Der nicht auf ehrlichem Wege erworbene Abschluss führt dazu, in einem Beruf arbeiten zu können, aber später auch zu müssen, für den der Betroffene sich nicht ausreichend qualifiziert hat.

Bei Politikern sieht das etwas anders aus. Da kommt eine Person ja sowieso nicht aufgrund eines Studiums in ein Parlament. Aber wenn sich ein Abgeordneter unbeliebt macht, eilt die Gegnerschaft herbei und ergötzt sich daran, Plagiate nachzuweisen, so dass es zu Aberkennungen von Titeln kommt. Außer an Ansehen büßt der Politiker dadurch nichts ein. Das Heer der Voyeure jedoch kann sich an Enthüllung und Blamage weiden.

Nicht allein moralisch ist von einer solchen Art von Unterschleif aber in jedem Fall abzuraten. Der Betrug bringt nämlich den Lebensweg des Kandidaten durcheinander. Wer einen Abschluss nicht geschafft hätte, hätte sich nach einer anderen Tätigkeit umsehen müssen. Da soll es doch eine Reihe Hochgebildeter geben, die schließlich als Fahrradmechaniker glücklich geworden sind. Der Plagiator aber arbeitet in einem Beruf, der ihm normalerweise zumindest vorerst verschlossen geblieben wäre. Weil er seinen Schicksalsweg ablehnt, stehen die Chancen hoch, dass er sich in eine Depression katapultiert und mit der erschlichenen Qualifikation im Job keine Erfüllung findet. Auch wenn andere von der Manipulation nichts bemerken, so weiß der Kandidat im Grunde seines Herzens ja doch, dass er unehrlich gehandelt hat. Die Verdrängung des Wissens um die eigene Kriminalität verursacht schließlich innerliche Blockade und das Gefühl, am falschen Platz zu stehen.

Sich einem Misserfolg zu stellen, braucht Mut, ist aber zum eigenen Wohl dem Betrug vorzuziehen, der das Leben in der Folge schwieriger gestalten wird als es sein müsste, zumal Ghostwriter oft unintelligenterweise zum wortwörtlichen Abschreiben greifen und den perfekt geplanten Coup auf diese Weise eventuell vereiteln. Nur in Österreich, wo die feinen Damen mit den Titeln ihrer Männer angesprochen werden, geht die Promotion auf dem Standesamt ganz ohne schriftliche Facharbeiten durch. „Küss die Hand, Frau Professor.“



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Kommentare zu diesem Text


 Mondscheinsonate (24.06.22, 22:48)
Meine Mobberin war das Nebenberuflich. 400 Euro BA und 800- 1500 Euro für MA. Ich könnte kotzen. Meine Oma war die Frau Doktor, ihre Freundin die Frau Hofrat und die Mutter vom Fendrich nur die Fendrich. Auch ein Titel.

 Regina meinte dazu am 25.06.22 um 05:11:
Siehe Rainhard Fendrichs Song "Was wär, wenn wir die feinen Damen nicht mehr hätten, wo wär der Glanz auf allen Bällen und Banketten?..........promoviert haben sie auf dem Standesamt". An dieses humorvolle Lied aus der Kategorie Austropop dachte ich, als ich den letzten Satz schrieb. Wird Fendrich mich jetzt wegen Plagiat verklagen?

 EkkehartMittelberg antwortete darauf am 25.06.22 um 13:02:
Hallo Regina, ich fürchte, dass deine guten Argumente künftige Plagiatoren nicht verunsichern werden, denn sie glauben von sich, dass es immer die Anderen seien, die reinfallen, sie selbst seien dafür zu schlau.

LG
Ekki

 Regina schrieb daraufhin am 25.06.22 um 13:07:
Aber einige sind sogar zu doof zum Umformulieren beim Abschreiben, sonst könnte ja keiner erwischt werden. Danke Gina

 EkkehartMittelberg äußerte darauf am 25.06.22 um 17:18:
Dem kann und will ich nicht widersprechen.

 Agnete (25.06.22, 13:51)
Plagiatoren gibt es auch bei Lyrik und in Foren und das nicht zu knapp. Sauerei, aber die welt besteht nun mal zum Großteil aus Fake. LG von Agnete

 Regina ergänzte dazu am 25.06.22 um 16:27:
O weh, hoffentlich nicht hier.

 Graeculus (25.06.22, 18:26)
Eitelkeit. Kommerziell bedeutsamer ist der - etwas weiter gefaßte - Diebstahl geistigen Eigentums, dem die Volksrepublik China einen erheblichen Teil ihres wirtschaftlichen Aufstiegs verdankt, d.h. die Ignorierung des Patent- und Warenschutzrechts.

Kommentar geändert am 25.06.2022 um 18:27 Uhr

 Regina meinte dazu am 25.06.22 um 19:01:
Ich glaube dir das, aber ich wollte hier keine juristisch-wirtschaftswissenschaftliche Facharbeit schreiben, sondern es ging mir um die persönlichen Folgen, die eintreten, wenn bei Examen geschummelt wird.

 Graeculus meinte dazu am 25.06.22 um 22:49:
In den meisten Fällen passiert wohl gar nichts, denn die Dunkelziffer dürfte sehr hoch sein. Vor allem medizinische Dissertationen genießen einen zweifelhaften Ruf. Aber da die allermeisten Mediziner keine Personen von öffentlichem Interesse sind - wie Giffey, Guttenberg oder Schawan -, macht sich niemand mit der Aufdeckung große Mühe.



An meiner Uni und meinem Seminar gab es allerdings vor ca. 25 Jahren einmal den spannenden Fall einer renommierten Professorin, kurz vor der Emeritierung stehend, in deren Dissertation eine Kollegin und Intimfeindin zahlreiche Plagiate aufgedeckt und öffentlich gemacht hat.

Da nun diese Dissertation die Grundlage für die gesamte weitere Karriere war, hätte deren Aberkennung den Verlust aller weiteren Ansprüche, inkl. Altersversorgung, bedeutet. Die Professorin, bis dahin noch gefeiert, hätte zum Sozialfall werden können. An der Tatsache des Plagiats gab es keinen Zweifel.

Die Uni, an der sie beschäftigt war (Köln), hat den Fall wie eine heiße Kartoffel an die Uni weitergereicht, an der die Promotion einst stattgefunden hatte (Bonn). Die Uni Bonn war alles andere als begeistert.

Letztlich hat ein Gericht (!) eine salomonische (?) Entscheidung getroffen: Ja, es war ein Plagiat, aber nach so langer Zeit sollte keine so harte Konsequenz daraus gezogen werden.

Die "freundliche Kollegin" war ab da irgendwie durchsichtig, d.h. sie wurde nicht mehr wahrgenommen. Es war ein staunenswerter Haß von Frau zu Frau.

Ist das persönlich genug?

Antwort geändert am 25.06.2022 um 22:51 Uhr

 Regina meinte dazu am 27.06.22 um 17:48:
Deine Anekdote ist interessant, mit "persönlich" habe ich aber auch psychische folgen inbegriffen.

 Graeculus meinte dazu am 27.06.22 um 17:57:
Die Denunzierte ist untergetaucht, mit der Denunziantin, die weiterhin in Köln gelehrt hat, hatte ich noch zu tun - sie lavierte am Rande des Wahnsinns bzw. der Besessenheit; aber sie hatte recht: die renommierte Kollegin hatte in ihrer Dissertation plagiiert.

Es gibt einen Film zu diesem Thema, lange vor Guttenberg & Co.: "Einer von uns beiden" vom frühen Wolfgang Petersen, nach dem gleichnamigen Roman von -ky (ein Alias des Berliner Soziologie-Professors Borowsky).
Klaus Schwarzkopf spielt einen angesehenen Soziologie-Professor, der seine ganze Karriere auf einer Dissertation mit Plagiaten aufgebaut hat, der noch ganz junge Jürgen Prochnow einen Studenten, der den Professor damit erpreßt. Ein dramatischer Zweikampf ist die Folge.
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