Vor dem Sturm

Text

von  corso

 

Das Flüstern der Felder in der flimmernden Luft

hat keine Eile denn ihre Botschaft ist eine ewige

und die Silben ihrer Wahrheit dehnen sich aus

wie der Zeitlupenflug eines Schleichvogels

 

Liegt dieser Mann im Graben des Ackerrands

um reglos zu lauschen oder ist er schon tot

von einem tuckernden Traktor gerammt

beim erfolglosen Versuch Stillstand zu erschaffen

 

Welches Gerücht kriecht nun über die Furchen

und wer sind die Gläubigen die ihm folgen

diese schwirrende Prozession durch Mehltau gehemmt

verzweifelt an der Langsamkeit ihrer Hast

 

Die verschwimmende Landschaft hält den Atem an

und zieht sich stumm in sich selbst zurück

während die Hitze in ihr steigt und lähmt

eine Fliege erstarrt auf der Stirn des Mannes


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Kommentare zu diesem Text


 Solvy (03.07.22, 10:31)
Ein beeindruckendes Bild, dass mich auch etwas erstarren ließ. Auf wen wird das Gerücht wohl als erstes treffen und wie entwickelt es sich weiter? Sicher ist nur, dass der tote Mann dort liegt - sozusagen im eigenen Stillstand erstarrt.

Liebe Grüße
Solvy
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