Schläge

Text zum Thema Aggression

von  Mondscheinsonate

Meine Mutter wusste nichts mit ihrer Langeweile im Kopf anzufangen und um die zu verdrängen, trank sie immer mehr und mehr. Anfangs war sie noch Quartalssäuferin, jedoch das wandelte sich, sie wurde zur Spiegeltrinkerin. Als ich klein war, kannte ich den Ausdruck "Saufen" oder "Alkoholismus" noch nicht, ich sagte: "Die Mama ist schon wieder komisch."

Wenn sie komisch wurde, dann verzog ich mich in mein Zimmer und spielte mit den Barbiepuppen. Heute kann ich an keiner der Puppen vorbeigehen, ohne ein mulmiges Gefühl in der Magengrube zu haben. Meine Nichte bekommt nie eine von mir, das schaffe ich nicht. 


Wenn ich auf die Toilette musste, dann lallte sie mich an und wenn ich nicht gleich antwortete, wartete sie vor der Türe zur Toilette, bis ich herauskam, dann schlug sie mit der Hundeleine zu, der Karabiner war extra vorne, damit das gebürstete Metall Schmerzen verursachte, mitten auf den Kopf, manchmal hörte sie gar nicht mehr auf, bis sie nicht mehr konnte. Zwischen meinem vierten und sechsten Lebensjahr war ich dreimal eine Platzwunde im Spital nähen lassen. "Das Kind ist so ungeschickt!"

Die Kinderärzte glaubten es. Ich schwieg.


So donnerten die Schläge stets herab, es kam immer darauf an, in welchem Zimmer ich mich gerade befand, danach wurde nach verschiedensten Gegenständen gegriffen. Die Mutter machte sich nicht die Hände dreckig. Ihre Nägel waren ihr sowieso heilig. 


Meine Mutter hatte nur den Alkohol, sonst gar nichts, ihre Kinder waren ihr nur eine Last. Das zeigte sie bei jeder Gelegenheit. Als ich älter wurde, sah sie mich nur als Konkurrenz. Bei jeder Bekanntschaft musste ich vorher fragen, ob dieser nicht mit ihr geschlafen hatte. Wenn sie stockbesoffen war, verlangte sie sogar Geld für Sex, ich sah es am Tisch liegen. Manchmal stellte sie mir einen Kübel ins Zimmer für die Notdurft, da durfte ich es nicht verlassen. 


Jedesmal, wenn jemand das exzessive Saufen verherrlicht, möchte ich der Person eine reinhauen, das sitzt tief. Auch möchte ich denen eine reinhauen, die das als "Hihi-Haha" abtun, zumeist sind es sinnlose Gören, die nicht erwachsen werden können, so richtige Kotzbrocken, die Alkoholiker noch in ihrem Saufen unterstützen, damit diese nicht davonlaufen. Der Schmerz sitzt tief.




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Kommentare zu diesem Text


 Teolein (16.07.22, 10:25)
Hallo,
bedrückend, dein Text.
Ob da heute noch Ärzte auch so oberflächlich mit umgehen....ich glaube eher nicht. Zu deinem letzten Kapitel...
Ja, man ballt die Fäuste, aber der Alkoholkonsum hat seinen festen Platz in dieser Gesellschaft. Da hat man einen schweren Stand.
LG
Teo

 Mondscheinsonate meinte dazu am 18.07.22 um 19:19:
Damals waren wirklich andere Zeiten...

 franky (16.07.22, 10:31)
Hi liebe Mondscheinsonate
 
Kann das ganz gut nachfühlen, habe meine Exfrau wegen dem Saufen verlassen.
 
Liebe Grüße nach Wien von Franky

 Mondscheinsonate antwortete darauf am 18.07.22 um 19:20:
Furchtbar!

 mr.d (17.08.22, 20:30)
Puuuh. das sitzt..... es regt zum Nachdenken an, was alles schief läuft.
Du beschreibst es treffend...

 Mondscheinsonate schrieb daraufhin am 17.08.22 um 20:36:
Beschreiben kann nur der, der es spürte. Thx.
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