Spontanes Schreiben

Text

von  Mondscheinsonate

Schreibe spontan eine Geschichte - Nein, ich bin müde, verschone mich! - Lass mich ausreden, also, schreibe spontan eine Geschichte. Das Thema lautet: Was fällt dir ein, wenn du auf den Bücherstapel neben dir siehst? - Na gut.


Der schmale Pfad durchs Hinterland. Richard Flanagan

Tausendundeine Nacht Das Buch der Liebe - übrigens, eine Neuübersetzung, sehr teuer, aber wertvoll.

Sisters in Law von Linda Hirshman

und Der andere Mann von Katja Kulin.

Warte, für deinen Spaß muss ich mich aber an den Esstisch setzen, im Liegen schreiben ist unbequem.

Was ist Sisters in Law? - Ein Buch über die Freundschaft zwischen Sandra Day O' Connor und Ruth Bader Ginsburg - Republican and Democrat, Christian and Jew, ... genug, da liegt dahinter noch etwas, Bolanos 2666, oh, da könnte man schon etwas machen, interessanterweise, ich muss aufstehen, warte, ...

Mir fiel sofort diese extreme Hitze wieder ein, unerträglich, diese speicherte sich in der hölzernen Brücke mitten in der künstlich verschönerten, malerischen Landschaft und prallte uns entgegen. Hätte ich nichts gewusst, rein gar nichts, wäre ich entzückt gewesen, aber ich wusste alles, noch dazu stand ich eine halbe Stunde vorher auf dem Friedhof, der liebevollst gepflegt wurde, Grabsteinplatte an Grabsteinplatte, kaum jemand älter als 20, mich schauderte es.

- Mich gerade auch.

Ja, mich wieder. Die berühmte Brücke am River Kwai - Pfeif jetzt nicht das Lied! Zu spät! Der Film war großartig.

Ja, der Friedhof grauenhaft. Makaber genug, dass auf Kosten der Toten nun eine Touristenaktion entstanden ist. 70 km mit dem Zug um drei Euro. 

- Bist du mit dem Zug gefahren?

- Nein, ich konnte das nicht.

- Über welches Buch reflektierst du mit deiner Empfindung?

- Der schmale Pfad durchs Hinterland.

- Ist es gut?

- Ich komm schwer hinein, es ist nicht mein Stil, aber es geht um den Bau dieser Bahnstrecke und einen Narzissten, der erzählt, total unsymphatisch, aber, vermutlich ist er durch das Alles so geworden, ich werde sehen.

Ich sah O' Connel, O' Donnel, O' irgendwas, alles nur noch Staub im Blut, das versickerte. Ich stand auf dem Holz und die Tränen liefen mir die Wangen herab, mich berührt Krieg zutiefst. Mario reichte mir ein Taschentuch.

- Ihr hättet nicht auf den verdammten Friedhof fahren sollen!

- Wollten wir gar nicht, aber unser Fahrer hielt dort an, stieg aus, lehnte sich an den Mercedes des Hotels, von dem aus wir ihn buchten, und rauchte sich Eine an. Wir stiegen aus und waren ratlos, wir wussten nicht einmal wo wir waren. 

- Ernsthaft?

- Ja!

- Du, die immer alle Reiseführer verschlingt?

- Natürlich kannte ich das Grauen, aber auf das reale Grauen, den Friedhof, war ich nicht gefasst.

Nun, wir gingen die Mauer entlang und in den Torbogen hinein, eine Flut aus Scham, weil ich aus touristischer Absicht hier war, während halbe Kinder dort lagen und Trauer überkam mich. 

- Lass das! Das ist grauenhaft. 

Ab da schwiegen wir und fanden erst auf der anderen Seite der Brücke wieder unsere Sprache. Man kann das Malerische nicht genießen, wenn es blutgetränkt ist.

- Ja, aber nichts ist frei von Schuld. Denke an den Dom zu St. Stephan, die Pyramiden, die Liste ist unendlich. 

- Schon, das ist wahr, aber das war eine direkte Konfrontation.

- Die Geschichte ist nicht schön, die dir einfiel.

- Was hast du erwartet? Oder hätte ich von Frauenmorden in Mexiko erzählen sollen? - Nicht!

Und das Recht interessiert kaum jemanden, schon gar nicht emanzipatorisches. - Stimmt.

- Obwohl, das sollte interessieren. 

- Finde ich auch.

- Ich spende übrigens seit 10 Jahren an den Friedhof, jedes Jahr zur selben Zeit, das waren Kinder! 

Die Brücke am Kwai. 



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