Letztes Abenteuer im September

Kurzgedicht zum Thema Beobachtungen

von  minimum

unter Bäumen
im Sand des Fußpfads verstreutes Laub
auf einer Seite wie Schlangenhaut
tief gelbbraun gefleckt
auf der anderen nahezu weiß


die meisten Blätter
mit der hellen Seite nach oben


bereit
für ein geisterhaftes Leuchten
in den kurzen Momenten
in denen sich die Spätsommersonne
noch einmal erinnert


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Kommentare zu diesem Text


 niemand (27.09.22, 14:45)
Beim Lesen dachte ich jetzt weniger an den Herbst, wie an den Zwiespalt der Menschen. Die Unschuld markierend [helle Seite nach oben] wird das falsche/heimtückische seines Wesens gerne versteckt
[im Gedicht die gefleckte Schlangenhaut]. Man gibt sich edel und unschuldig, die besten Absichten nach außen gekehrt, kann jedoch das Negative nicht ablegen. Wie war das mit der weißen Weste und dem Glauben an eine solche?    

LG niemand

 minimum meinte dazu am 28.09.22 um 11:12:
Der Text als Blick auf eine moralische Landschaft ... das verblüfft mich, denn mehr als eine einfache Alltagsbeobachtung hatte ich nicht im Sinn. Aber wahrscheinlich hat, wie so oft, das geschriebene Wort am Ende deutlich mehr zu sagen als der Autor :) Vielen Dank für deinen Denkanstoß!

 AchterZwerg (28.09.22, 07:02)
Hallo minimum,
Irene hat bereits eine schlüssige Interpretation geliefert. <3 
Ich selber denke an die abgefüllten, müden Besucher eines Clubs,
die sich zum letzten Mal unter Scheinwerfern winden.

Wie auch immer:
ein sehr schönes Gedicht

 minimum antwortete darauf am 28.09.22 um 11:29:
Volltrunkenes Laub, träge und lasziv zuckend im Strahl eines kosmischen Scheinwerfers - das ist eine Vision des beginnenden Herbsts, mit der ich mich gerne anfreunde :D 

Danke für das Kompliment!

 Jarina (11.11.22, 15:57)
Toll, da hast Du ja viel an eigenem Neuen reingepackt: Im Sand des Fußpfads verstreutes Laub, die meisten mit heller Seite nach oben, geisterhaftes Leuchten in den Momenten der Spätsommersonnenerinnerung. Erquickend!

Staunend und liebe Grüße

Jarina
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