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Text zum Thema Abrechnung

von  Mondscheinsonate

Ja, Graec hat schon recht, wichtig ist es, die Zukunft zu gestalten, doch die Vergangenheit prägte uns und ich denke, wäre alles anders verlaufen, würde ich jetzt nicht so an Bildung hängen, sie als MEIN Allerheilmittel betrachten, das sie keines grundsätzlich ist, können wir diskutieren, ich meine allerdings nein. Unsere Politiker sind auch keine Ungebildeten, trotzdem geht oft nichts weiter. Gut, ich lebe sowieso gerade auf dem Planet der Affen, wer es verfolgt, weiß es. 

Ich habe gerade nur Zukunft, Graec, arbeite nur an ihr, das nennt man Humankapital. Mein Plan geht langsam, aber stetig auf, siehst eh, auch ohne R. habe ich das Umweltrecht durchgezogen, mich allerdings vermutlich unbewusst wegen R. dafür entschieden, aber hilflos war ich nicht, so fand ich eine neue Mentorin, Prof.in W., die unermüdlich kämpft, eine Publikation nach der anderen herausgibt. Ich halte mich stets an gebildete Menschen mit Werten, die mir zusagen.

Und ja, R. entpuppte sich auch nur als gekränkter Mann, der eine Zurückweisung nicht ertrug, aber vorher zeigte er mir, wie Mut funktioniert. 

Ja, es ist schon so, dass wir die Vergangenheit loslassen müssen, doch schöne Dinge bewahren sollten, hegen und pflegen. 

Einmal sah ich eine ältere Dame, die stetig und im Dauertakt Fotos von sich als junges Mädchen zeigte. Ich bekam Mitleid, weil sie ihren letzten Lebensabschnitt nicht genießen konnte und wollte. Ja, ich war auch ein schönes Fräulein, aber dumm, da habe ich meinen Kopf jetzt schon lieber und pfeif auf die ersten Falten, die mit 46 zwangsläufig erscheinen.

Ich könnte auch pathetisch meinen, der Herr, der mich ein Leben lang beobachtet hat, das weiß ich, weil es hie und da zu sehen war, starb, als seine Mission erfüllt war, als meine Umweltrechtnote eingetragen war, alles amtlich war oder es war nur ein Zufall. Vermutlich, ich glaube nicht an sowas, wenngleich es sich seltsam zusammentrifft. 

Grün habe ich trotzdem ganz selten gewählt, keine Ahnung, vielleicht war mir das zu einseitig. 

Ja, Vorbilder braucht man, jetzt habe ich ein aktuelles und diesmal eine Frau, das tut mir gut und sie ist auf Distanz. Vielleicht, lieber Graec, versuche ich einfach mich zu ergründen, habe mein Ich noch nicht gefunden, noch nicht ganz, versuche Zusammenhänge zu verstehen, das gelingt manchmal ganz gut. Ich hatte als junges Mädchen, zwischen 10 und 13 nur mich, setzte mich in den Kleiderschrank, da fühlte ich mich sicher, wenn die Mutter wieder irgendwelche fremden Menschen bei sich hatte. Danach den Robin, der kam erst als ich 13 wurde und dann den R. und dann erst konnte ich flüchten. Naiv war ich, schob irgendwelche Begierden weg, schon erzählt, beidseitig und ich bin jetzt 100% sicher, zwei Dinge, wäre ich geblieben, wäre ich zugrunde gegangen, 1. wegen der Mutter und 2. wegen ihm. Denn irgendwann, vermutlich bald, wäre der Versuch einer Vergewaltigung nicht passiert, hätte ich es freiwillig getan, es wäre passiert, definitiv und dann wäre ich verfallen gewesen. Das weiß ich jetzt sicher, jedesmal, wenn ich seine Stimme höre, will ich die Stimme spüren und das, lieber Graec, gibt mir zu denken, ich weiß, was "jemanden verfallen" bedeutet und du hast es gelesen, es war pures Unglück.

Manchmal denke ich sogar, dass meine 16 Jahre mit M. ein billiger Versuch waren, R. wieder zurückzuhaben, er war neun Jahre älter, sie ähnelten sich sehr. Und, dass mein ganzes Leben nur auf diesen Gemeindebau hinauslief, ich es nie verkraftet habe zu gehen, weil so viel unaufgearbeitet blieb. Aber, nichts, desto trotz arbeite ich an meiner Zukunft und wahrscheinlich war ich längst verfallen, sonst wäre ich jetzt nicht so ein Häuflein Elend. 

Ich blicke in die Zukunft, egal, was kommt, halte nicht fest an der Vergangenheit, versuche sie nur zu verstehen. 


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Kommentare zu diesem Text


 Augustus (20.11.22, 22:37)
Weltraumrecht ist noch geiler und wird zukünftig relevanter, insbesondere aus dem Blickwinkel der privaten Unternehmen, die die Weltraumressourcen abschöpfen wollen. Luxemburg hat bereits ein Gesetz erlassen, das den Unternehmen mit Sitz in Luxemburg über eine Lizenz erlaubt Bergbau im Weltraum unter den luxemburgischen Flagge zu betreiben. USA hat ein vergleichbares Gesetz erlassen. Jedoch widersprechen die nationalen Gesetzte der einzelnen Staaten dem Weltraumvertrag, der besagt, dass der Weltraum und die Rohstoffe der Allgemeinheit gehören, weswegen die beiden Nationalstaaten (Lux und USA) völkerwidrig handeln. Luxemburg bietet mittlerweile einen „Space Master“ an. 
Spannend.

Kommentar geändert am 20.11.2022 um 22:38 Uhr

 Mondscheinsonate meinte dazu am 21.11.22 um 06:26:
Public International Law ist bald :)

 Graeculus (20.11.22, 22:54)
Deine Art, mit einer bedrückenden Kindheit (die ich so nicht hatte) umzugehen, verfolge ich nun schon seit etlichen Jahren. Beeindruckt hat mich daran immer die kompromißlos ehrliche (auch Dir selbst gegenüber ehrliche) Art, Dich damit auseinanderzusetzen. Da bleibt fast nichts ungesagt, wird nichts verschwiegen.
Das ist natürlich auch eine gute Art, Literatur einzusetzen.
Und es stimmt, daß Du ohne diese Vergangenheit nicht die geworden wärest, die Du heute bist: Du beziehst Deine Werte aus Deinem Kampf gegen das, woher Du kommst.

Nur kommt dabei dermaßen viel Leid mit hoch, daß ich manchmal Dir zurufen möchte: Nimm es, nimm es als das, was es war ... und lasse es einmal hinter Dir! Du bist dabei, es zu überwinden.
Im Bild: Kunst und Kultur sind Sumpfblüten, aber sie wachsen über das Niveau des Sumpfes hinaus. Erst das macht sie schön.

Und ich wiederhole: Ich sage nicht, daß ich selbst in dieser Hinsicht ein glänzendes Vorbild wäre. Mir fällt es nur ein wenig leichter, weil meine Vergangenheit nicht gar so schrecklich ist.
Übrigens stamme ich aus einem völlig bildungsfernen Elternhaus; aber das ist eine andere Geschichte.

 Mondscheinsonate antwortete darauf am 21.11.22 um 06:31:
Man muss nicht sich oder andere entblößen, während man solche Dinge einfließen lässt. Das ist dann echte Literatur. Dir traue ich zu, das schreiben zu können.
Ich weiß eh...Ich weiß.
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