Verfügung

Text zum Thema Denken und Handeln

von  Mondscheinsonate

Grundsätzlich habe ich selbst bereits ein Familiengrab, zu dem ich kam, wie die Jungfrau zum Kinde, denn eigentlich bezahlte nach dem Tod meiner Großmutter die Kusine die Beerdigung, nein, sie fragte uns nicht, sie riss alles an sich, sollte so sein, schließlich riss sie sich nicht nur den Großvater unter den Nagel, sondern auch das ganze Geld, was aber eine andere Geschichte ist und ein leidiges Thema. Auf jeden Fall, fünfzehn Jahre, nachdem 2002 mein Großvater verstarb, entdeckte meine Schwester, die regelmäßig zum Grab fuhr, das in Gloggnitz liegt, ein Schild neben dem Grab "Heimgefallen".

Das bedeutet, dass das Grab aufgelöst werden sollte. 

Sie rief mich tränenüberströmt an, verzweifelt, fragte, was wir machen könnten?

Obwohl ich in meinem Leben oft hilflos war und Verantwortung gerne abgebe, reagiere ich in manchen Fällen kühler im Kopf als meine Schwester, die immer nach Lösungen sucht und mutig ist, vorallem selbstständig. 

Ich rief im Gemeindeamt an und erklärte den Sachverhalt. Die nette Dame meinte, nach zwei erfolglosen Zustellversuchen, ein Einschreiben mit der Bitte um 1300 Euro für die nächsten Jahre, wird das Grab nun aufgelöst.

Ich rief meine Kusine an, die meinte, dass sie nicht mehr zahlen wolle, das Grab interessiere sie nicht mehr. Schön, sagte ich, du schmeißt die auf den Müll, die dir den ganzen Reichtum erst ermöglicht haben, du bist das Allerletzte. Ja, das waren auch meine letzten Worte an diese Frau.

So rief ich wieder im Gemeindeamt an und fragte: "Welche Voraussetzungen gibt es für eine Übernahme meiner Großeltern?"

Sie sagte: "Sie müssen r.k. sein, also römisch-katholisch."

Das ist ein Friedhof der Kirche. Ich sagte: "Ja, bin ich."

Nun, meine Schwester schon lange nicht mehr, aber mir legte der sterbende Großvater die Hand auf meine und bat mich, in dem Verein zu bleiben. Ich versprach es und zahle 154 Euro im Jahr Mitgliedsbeitrag, ähm, Steuer. 

Nun, so läuft das Grab auf meinen Namen, wenngleich wir beide es bezahlt haben und es ist wirklich teuer, das darf man behaupten und ich fahre niemals hin, ich will nicht, der Ort, das kleine Städtlein, ist für mich mit so viel Leben, Glück und schönen Erinnerungen verbunden, jetzt ist nichts mehr da, nicht einmal mehr das Haus gehört uns, außer Tod, das will ich nicht, ertrage ich nicht, ich drücke mich. Meine Schwester braucht das, aber die war als Kind nicht so oft dort wie ich, hatte auch keine Erlebnisse, keine Freunde, lief nicht durch den Wald wie ich, spielte nicht "Räuber und Gendarm", sie braucht nur das Grab und das habe ich ihr gegeben. 

Nein, ich habe verfügt, dass ich auf den teuren Döblinger Friedhof komme, zu Franz Werfel, Heimito von Doderer, Alma Mahler- Werfel, Thomas Niclaas Bernhard, selbst Peter Alexander und Helmuth Lohner, denn das sind meine Lebensmenschen, mit denen wuchs ich auf, liebte ich, grub mich in sie ein und Anmerkung: den Peter Alexander sowie Lohner sah ich immer mit der Omi, dort will ich sein, liegen auf einem der schönsten Plätze Wiens. 


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Kommentare zu diesem Text


 Taina (03.12.22, 20:55)
Ja das Grab ist manchmal ein leidiges Thema. 
Wie hast du das gemacht mit der Verfügung, hast du für dich ein Grab im vorraus gekauft?

 Mondscheinsonate meinte dazu am 03.12.22 um 21:11:
Nein, das wird erst geregelt, wenn ich verstorben bin, das macht meine Sterbeversicherung. (Wiener Verein) Aber, ich habe angegeben, wo ich begraben werden will.

 Taina antwortete darauf am 04.12.22 um 00:15:
Finde ich gut, dass es so einen Verein gibt 🤗🌞
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