Gefährlicher Sandkasten

Text zum Thema Lebensbetrachtung

von  Reliwette

                

Teilen zwei Kinder den Sandkastenplatz mit Förmchen und Schippen unter sich auf, kommt es weniger zu Streitereien, als wenn ein drittes Kind hinzukommt. Dabei verbünden sich oft zwei gegen einen Dritten. Im Verlauf der Auseinandersetzung werden zunächst die Sandkuchen der anderen Partei zerstört, anschließend werden Schippen, Siebe und Eimer als Wurfgeschosse verwendet, bis eines der Kinder heulend zur Mutter läuft oder den großen Bruder um Beistand bittet.

Doch wer ist der dritte Sandkastenspieler? Es ist die Europäische Union, die sich als Förmchengestalter von der Ukraine ausgedacht wurde. Der große Bruder in Form der NATO – das hat nicht geklappt.

Diese Situation ist auch im Verhalten vieler Erwachsener zu beobachten. Momentan finden wir eine ähnliche Situation vor der eigenen Haustür. Die Rede ist vom Krieg in der Ukraine. Der Sandplatz ist viel größer, aber es spielen zwei Parteien darin, zanken um das Vorrecht, das Territorium für sich zu beanspruchen: Die Ukrainer als Volk mit eigenem Staatsgebiet auf der einen Seite und die Russen auf der anderen Seite.

Das ukrainische Volk erlebte soeben einen blutigen Umsturz. Der amtierende russenfreundliche Präsident wurde gewaltsam seines Amtes enthoben, und Neuwahlen wurden installiert. Leider hatte man seitens der Rebellen die Bewohner der Ostgebiete nicht auf der Rechnung. Eine Art Konterrevolution  mit Unterstützung der russischen Regierung, zunächst Milizen, beanspruchte und besetzte Teile der Ostgebiete (Donbas).

Der neue Präsident der Ukraine, Selenskyj, seine Hintermänner und Genossen riefen alsbald nach der NATO, wollten in die EU und riefen die westlichen Staaten als Bündnispartner in die Startlöcher.

Währenddessen hielt der russische Machthaber, Putin, eine ausgedehnte Rede mit dem Inhalt, dass die Ukrainer eigentlich Russen seien, die zu befreien wären. Unverhohlen forderte der ukrainische Außenminister Waffenlieferungen aus Europa und zwar in einer unverschämt aggressiven Weise, so dass er abgesetzt werden musste.

Was nie hätte passieren dürfen ist eingetreten. Putin glaubt, dass er sich inzwischen im Kampf mit der NATO befindet. Ich frage mich: Wie können sich westliche Staaten dermaßen in einen Konflikt hineinziehen lassen, den nicht nur die Russen zu verantworten haben, sondern die Ukrainer selbst?

Der begrenzte Waffengang mit herkömmlichen Waffen wie Haubitzen, Schützenpanzern, Sturmgewehren und Panzerfäusten war für die russische Armee nicht zu gewinnen. Deshalb setzten sie Raketenwerfer ein und Drohnen, die sie aus dem Iran bezogen mit der Absicht, die Infrastruktur der Ukraine zu zerstören. Es blieb aber nicht dabei, sondern es wurden Wohngebäude in Schutt und Asche gelegt, Zivilpersonen getötet.

Nun behauptet Putin, davon habe er keine Kenntnis gehabt. Fakt ist aber, dass er als oberster Befehlshaber der russischen Streitkräfte dafür verantwortlich ist, was seine Generäle anstellen: Das ukrainische Volk soll zermürbt werden.

Selbst der ukrainische ehemalige Box-Weltmeister, der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, scheint vom Krieg genug zu haben, denn er sehnt sich in die Zeit von 2017 zurück, als Kiew noch kein Trümmerfeld war. Wenn man westlichen Medien glauben darf, hat er sich mit Selenskyj bereits angelegt.

Vor allem: was sollen schwere Kampfpanzer gegen Raketenbeschuss ausrichten? Die Militärs müssten doch wissen, dass Panzer oben am schwächsten armiert sind. Im Tschetschenienkrieg sind die neuesten Kampfpanzer der russischen Streitkämpfe durch Raketen zerstört worden, die von oben in die Panzer einschlugen.

Jetzt fordert die ukrainische Regierung von der BRD Kriegsschiffe und Kampfjets zu ihrer Unterstützung an. Geht’s noch? Scheinbar fehlen bereits einige Latten am Zaun - oder?

Bundeskanzler Scholz scheint gute Berater zu haben, so dass er sich gegen die Lieferung von Leopard-Panzern der Gattung II an die Ukraine sträubt. Aber wie lange kann er das hinauszögern?

Mittlerweile sprechen sich 65 Prozent der Deutschen gegen eine Belieferung dieses Kriegsgerätes an die Ukraine aus.

Ein russischer Abfangjäger hatte eine mehrstrahlige Bundeswehrmaschine über der Ostsee aufgebracht, zum Glück nicht beschossen. Das hätte den Bündnisfall der NATO ausgelöst.

Die Sandplätzchen aus dem eingangs beschriebenen Sandkasten haben ein explosives Format eingenommen.

Und wer sind die drei Kinder, die im „Sandkasten“ spielen? Die Europäische Staatengemeinschaft, Russland und die Ukraine. Russland sucht derzeit nach Verbündeten. Putin muss sie seinem Volk verkaufen, vor allem jenen Gestrigen, die noch immer von den Zeiten der großen Sowjetunion träumen.

Groß sein, mächtig sein, in der Welt eine wichtige Rolle spielen. In meinen Augen ist das ein infantiles Verhalten, das in der Vergangenheit große Völker zerbrochen hat.

Man muss schon skrupellos sein, um in diesem Reigen mitspielen zu wollen.

Es hat in der Auseinandersetzung Russlands mit der Ukraine schon viel zu viele Tote gegeben – und nicht nur Soldaten/Innen. Hört auf den alten Kunstmeister: Geht zu Euren Frauen und Kindern! Geht nach Hause. Hört nicht auf jene, die Euch in den Tod schicken. Die Euch in den Tod schicken, sind durch dicke Wände geschützt!



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Kommentare zu diesem Text


 lugarex (22.01.23, 08:18)
Hört auf den alten Kunstmeister: Geht zu Euren Frauen und Kindern! Geht nach Hause. Hört nicht auf jene, die Euch in den Tod schicken. Die Euch in den Tod schicken, sind durch dicke Wände geschützt!
Bravo!

Super analysiert und kommentiert. Endlich vernünftige Rede!.

Hoffnungsvoller Gruss Luga

 Reliwette meinte dazu am 22.01.23 um 10:37:
Ja lugarex, die Meinungen sind gespalten. Ich freue mich natürlich, wenn ich auf Personen stoße, die meine Meinung teilen. Auf Facebook ist der Kommentar gesperrt worden, vermutlich, weil er als Aufforderung zum Desertieren aufgefasst wurde. Die Wahrheit tut weh und wird in die Hoffnungsinstanz verdrängt. Dabei brennt der Scheiterhaufen  bereits, auf dem wir uns befinden.
Lieber Gruß! Hartmut

 Regina (06.01.25, 23:13)
Ein mahnender Text voller Vernunft, mittlerweile zwei Jahre alt, der noch immer aktuell ist.
Gruß zum Dreikönigstag
von Gina

Jetzt kommt ja Trump mit der Möglichkeit zu einem Ende dieses Krieges. Aber ich muss dir sagen, die heutige Lage mit der AfD, dem Bundestag, diesem Elon Musk, den Syrern, die hofftl. keinen Dschihad aus Ärger beginnen, weil es jetzt heißt "Refugee, goodbye" und ein Arzt, der in den Weihnachtsmarkt fährt, das verunsichert mich alles zur Zeit auch wieder. Haben wir überhaupt die richtigen Informationen, um uns ein Bild zu machen?

Kommentar geändert am 07.01.2025 um 00:08 Uhr

 Reliwette antwortete darauf am 08.01.25 um 21:15:
Trump ist unberechenbar. Jetzt wil er Grönland haben, notfalls mit Waffengewalt (wenn der Bericht stimmt). Er will 5 Prozent des Gesamt einkommens jährlich der Nato-Staaten. Das Beste ist, wir gründen eine europäische Nato, das Bedrohungsmoment ist ausreichend als Abschreckung (England und Frankreich haben Atomwaffen. Die Enfländer hat er auch schon schockiert: Sie sollen  auf Windkraftanlagen verzichten. Der Mann gehört in die Psychiatrie. Danke, Regina! Schau bitte in meinen Blog auf reliwette.de, aber nur, wenn Du gut drauf bist, es sind schockierende Einschätzungen der Weltlage. Bleib gesund! Der alte Kunstmeister

 Regina schrieb daraufhin am 08.01.25 um 21:18:
O weh.

 Saira (20.02.26, 08:44)
Lieber Hartmut,

dein Text hat etwas, das mich still werden lässt. Dieses Bild vom Sandkasten – es wirkt zunächst schlicht, fast harmlos, und gerade darin liegt seine Kraft. Es zeigt, wie schnell Besitzansprüche, Bündnisse und Verletzungen in ein Muster fallen, das wir aus frühester Kindheit kennen. Zwei gegen einen. Der Ruf nach dem „großen Bruder“. Das ist klug beobachtet.

Und doch spüre ich beim Lesen auch, wie sehr die Wirklichkeit inzwischen über jedes Bild hinausgewachsen ist. Der Sand ist kein Sand mehr, sondern Erde, in der Menschen begraben liegen. 

Städte, Familien, Biografien – nichts daran ist spielerisch. Vielleicht macht gerade das deine Metapher so schmerzhaft: Sie entlarvt das Infantile im Machtgehabe, während die Folgen tödlich ernst sind.
Was mich besonders berührt, ist dein Schluss. Dieses „Geht nach Hause“ ist kein politischer Satz, sondern ein menschlicher. Ein Vater- oder Großvaterwort. Ein Seufzer gegen das Sterben. Ich glaube, darin liegt die eigentliche Mitte deines Textes – nicht in der Schuldfrage, nicht in militärischen Erwägungen, sondern in der Weigerung, das Töten als normal hinzunehmen.

Natürlich kann man über einzelne Einschätzungen streiten. Die Geschichte dieses Krieges ist komplex, verwoben, voller Perspektiven, die einander widersprechen. Aber dein Text will ja nicht endgültig erklären – er will mahnen. Und Mahnungen dürfen unbequem sein.

Heute, Jahre später, ist nichts gelöst. Vielleicht sind wir alle müder geworden, vielleicht auch ratloser. Und genau deshalb tut es gut, wenn jemand noch einmal innehalten lässt und fragt: Was tun wir hier eigentlich? Wer zahlt den Preis? Und wer sitzt hinter dicken Wänden?

Ich lese deinen Text nicht als Anklage, sondern als Ruf nach Besonnenheit. Und Besonnenheit können wir gerade jetzt gut gebrauchen.

Herzliche Grüße
Sigi
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