Loisl mischt sich ein

Gedicht zum Thema Streit

von  Muckelchen

 

Noch gestern fühlte Loisl sich malad,

er schniefte, hustete und war sehr staad.

Die Gundi kocht ihm heut Holundertee –

„Ja, so a oider Weiberkram, jetzt geh!“

 

Die Gundi schleicht pikiert zur Stubn naus,

und auch der Loisl hält’s bald nicht mehr aus.

Mit Schal und Mütze schnell zur Kugleralm,

dort geht’s wie früher zu, nur ohne Qualm.

 

Da tobt das Leben, fliegt manch harsches Wort,

wo blüht man auf, wenn nicht an diesem Ort?

Sofort ist Loisl ins Gespräch verstrickt,

man hört, wie hier die Rentnerseele tickt.

 

Nach einer Halben (oder auch zwei, drei),

kommt’s irgendwann beinah zur Keilerei,

denn zwei der Stammtischbrüder streiten laut,

bis Loisl resolut dazwischenhaut.

 

„Ihr bleeden Hund, seid's ihr denn narrisch worn?“

Dem Loisl schwillt der Kamm vor lauter Zorn.

Worum es bei dem Streit mal wieder ging?

Die Chance, den Grund zu finden, ist gering.

 

Der Loisl wirkt beim Heimgehn arg lädiert,

er ahnt, wie seine Gundi reagiert.

Kein Schnapserl für die Seele, nein, nur Tee.

Dafür war's Wirtshaus eine Schnapsidee!



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Kommentare zu diesem Text


 Rosalinde (26.10.23, 21:42)
Liebes Muckelchen, wie habe ich auf den Loisl gewartet! Da isser nun!
Ein Wirtshaus in Bayern. In Bayern war ich leider in keinem Wirtshaus, allerdings in Österreich. Kaum ein Unterschied festzustellen. Dort gibt es aber ein Ritual: Der reichste Bauer darf im Wirtshaus den Hut aufhaben, die Höhe der Hüte richtet sich nach dem Reichtum der Bauern. Und so abwärts mit der Höhe der Hüte. Ein armer Bauer war nicht dabei. Ich glaube, der dürfte keinen Hut aufhaben. Sofern er überhaupt von den anderen akzeptiert werden würde und schweigend am Tisch mitsitzen dürfte. Ob, diese Frage konnte mir niemand beantworten. 

Ein wunderschönes Gedicht, wie aus dem Hut gezaubert. Woher kannst du so schön bayern? Toll!

Liebe Grüße, Rosalinde

 Muckelchen meinte dazu am 26.10.23 um 22:07:
Danke, Rosalinde, freut mich, dass der Loisl hier immer noch wenigstens einen Fan hat!

Ja, woher kann ich so schön „bayern“? Weil ich meine besten Jahre in München verbracht habe und auch danach oft nach Bayern in Urlaub fuhr. Trotzdem ist Bayerisch natürlich ewig eine Fremdsprache für mich, die ich nie perfekt beherrschen werde, aber mehr liebe als das Plattdeutsche meiner Kindheit.

Liebe Grüße, Muckelchen


P.S. Die Hutfrage kann ich dir leider nicht beantworten, aber hier gibt es sicher kompetente echte Bayern ...
Daniel (50) antwortete darauf am 26.10.23 um 22:56:
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 Muckelchen schrieb daraufhin am 27.10.23 um 08:16:
Danke, Daniel, des gfreit mi aba narrisch!
 
Liebe Grüße, Muckelchen
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