100 Mark

Text

von  Verlo

Trinkgeld pro Tag bekommt sie, sagte sie.


Bei zwanzig Arbeitstagen sind das 2.000 Mark. Dazu 400 Mark Lohn.


Dazu zuerst meine 600 Mark Gehalt, später meine über 1.000 Mark Lohn.


Zusammen hatten sie, Julia und ich im Monat 3.400 Mark.


Miete kostete 35 Mark. Strom 25 Mark. Kohlen zum Heizen ... keine Ahnung. 


Auto hatten wir nur ein altes, mit dem wir nicht viel gefahren sind.


Telefon hatten wir nicht. Internet gab es noch nicht.


Kleidung für sie und Julia kamen aus dem Westen. Seite, Zahncreme, Kosmetik, ... kamen aus dem Westen.


Eigentliche haben wir nur Lebensmittel eingekauft, und die waren billig. 


Trotzdem war hin und wieder, wenn ich Julia nach der Arbeit vom Kindergarten abgeholt hatte und Abendbrot machen wollte, der Kühlschrank leer. Die Rettung: auf dem Kühlschrank lag ein Zettel mit lieben Worten und zwanzig Mark. 


Allerdings lagen nicht immer ein Zettel und Geld auf dem Kühlschrank. 


Dann bin ich hoch zur Nachbarin – deren Tochter so alt ist wie Julia – und habe mir fünf oder zehn Mark geborgt.


Die Nachbarin hat in einer Buchhandlung gearbeitet und nicht viel verdient, hatte aber immer Geld.


Stellt sich die Frage: Was hat Julias Mutter mit all dem Geld gemacht?


Wurde sie von der Stasi erpreßt? Nein. Erzählt hat sie es mir jedenfalls nicht.


Wurde sie von einem Kunden erpreßt, dem sie zu viel Trinkgeld abgenommen hatte? Gut möglich. Der hat vielleicht mit einer Anzeige gedroht und sie erpreßt. Erzählt hat sie es mir aber nicht.


Sie hätte nie für die Stasi Sex mit Männern gehabt, sagte sie einmal unvermittelt. Sie hat nie für die Stasi gearbeitet, bekräftigte sie. 


So wie sie, ohne daß wir jemals darüber gesprochen haben, versicherte, nie mit der Stasi etwas zu tun gehabt zu haben, glaubte ich ihr nicht.


Zumal Lügen und Betrügen zu ihrem Geschäft gehörte.


Ihr Trinkgeld setzte sich nämlich zusammen aus: 


– Trinkgeld, das Gäste ihr geben, wenn sie mit der Bewirtung zufrieden waren,

– Trinkgeld, das männliche Gäste in fröhlicher Runde grölend in die Mitte des Tisches warfen, wenn ihr aus Versehen ein Knopf der Bluse aufsprang und ihre mächtige Oberweite sich der Freiheit erfreute, 

– Getränke, die abgerechnet, aber nicht gebracht wurden,

– Getränke, die ihr spendiert wurden, sie aber nur so tat, als wenn sie sie trank (niemand hat an jemals an ihrem Glas gekostet),

– Getränke, die nicht das waren, für was sie berechnet wurden, sondern billiger,

– Geld, das durch Rechenfehler erwirtschaftet wurde,

– Geld, das durch falschen Geldwechsel erwirtschaftet wurde,

– Geld, das durch Waren, die nicht über die Bücher lief, erwirtschaftet wurde, 

– ...


Vielleicht ist die Lösung, wo all das Geld geblieben ist, einfach: sie hat nicht jeden Arbeitstag 100 Mark Trinkgeld erwirtschaftet.


Und auch sie hat hin und wieder zu ihren Ungunsten Geld gewechselt. 


Wenn zu wenig Gäste waren, hat sie mehr Geld verbraucht als verdient.


Sie hat mit Geld gerechnet, von dem sie glaubte, es zu verdienen, dann aber nicht verdient. Ist mit guter Laune mit dem Taxi nach Hause, hat ordentlich Trinkgeld gegeben, aber das Geld eigentlich nicht gehabt.


Damals hatte ich solche Gedanken allerdings nicht. Ich habe so viel zu tun gehabt, daß ich nicht wirklich denken konnte. Nicht selten bin ich neben Julia eingeschlafen, wenn sie beim Spielen ein Nickerchen gemacht hat.


Damals hab ich einfach akzeptiert, daß kein Geld mehr da ist. 


Sie scheint mich dermaßen in Abhängigkeit von ihr gebracht zu haben, daß ich ... nicht mehr ich war?


Gleichzeitig hat sie aber für Ordnung in meiner Seele gesorgt.


Vermutlich hat sich mich wie einen Abhängigen durch die Dosis gesteuert.


Wie bin ich überhaupt in die Sache geraten? Ich wollte sie nicht. Sie war stadtbekannt und verrufen.


Ein Freund, der hinter der Theke stand und den Laden schmiß, aber einen Vertrag als Aushilfskellner hatte und später durch den Chef extrem abgezockt wurde, fragte mich, ob ich nicht eine junge Frau nach Schwedt fahren könnte, sie braucht einige Unterschriften von ihrem Ex, der dort im Knast sitzt, sie sei nett und würde für die Unkosten aufkommen.


Damals hatte ich noch einen Wolga GAZ-24, den ich gebraucht für 10.000 Mark gekauft hatte, einen russischer PKW, den in der DDR Behörden und Betriebe hatten und der als Taxi fuhr.


Als wir dann fuhren, hatte ich den Wolga bereits verkauft und hab mir ein Auto von einem Freund geliehen, um mein Versprechen einzuhalten. War so blöd, wie es sich anhört. Die Frau hätte ja mit dem Zug fahren können. 


Aber irgendwie ... 


Dann ist sie bei mir eingezogen, weil sie in der Wohnung von dem Asi nicht mehr wohnen wollte, jetzt, da sie schwanger war, und ihre kleine Kammer im Holländer-Viertel eine Mädchenkammer über einer Kneipe war, in der die Bedienung früher (?) nächtigte und Freier bediente.


Sie war im dritten Monat schwanger, als ich sie kennenlernte. Man hat noch nichts gesehen.


Ich hab damals als Ingenieur im Büro gearbeitet, war erst vor einige Monate von der Armee entlassen worden und nach fünf Jahren wieder Zivilist. 


Sie war nett zu mir. Ich war nett zu ihr und dem Ungeborenen. 


Frühzeitig hat sie nicht mehr gearbeitet, weil ihr immer schlecht war. Da hat sie ihr Bauchspeicheldrüsen-Arzt krankgeschrieben. Sie hatte chronisch Probleme mit der Bauchspeicheldrüse. 


Als sie dann im Westen war, hat sie sich untersuchen lassen. Der Arzt: Ihre Bauchspeicheldrüse ist gesund. Ihr Kommentar: na ja, was will man Ost-Ärzten erwarten. 


Ja, so war sie. So wird sie heute noch sein. Große Klappe und nichts dahinter, aber immer damit durchgekommen.


Na ja, im Westen nicht. Da hat man ihr die Zähne gezogen.


Ich merke, teilweise bin ich verbittert: im Grunde genommen hat sie meine Hilfsbreitschaft rücksichtslos ausgenutzt.


Ohne mich hätte sie die Wohnung nicht bekommen. Offiziell war sie mit einem Kind allein. Dementsprechend hätte sie Wohnraum bekommen.


Aber bei der Verwaltung hat sie mich als ihren Partner vorgestellt. Ich mußte da extra mit hin und mich besichtigen lassen. Gleichzeitig hat sie mich aber nicht im Mietvertrag eintragen lassen.


Oder sie hat mit mir Schaulaufen gemacht: die Geschäftsstraße hoch und runter und allen erzählen: das ist mein Neuer.


Später hat sie Julia erzählt, ich war nur ein Freund, der hin und wieder mal zu Besuch war. 


Das allein ist eine dermaßen Frechheit, daß ich keine Worte dafür finde.


Daß Beziehungen nicht ewig halten, ist ja nichts Neues. Aber warum muß man dermaßen lügen?


Was ist so schlimm daran, zu sagen: es hat eben nur kurze Zeit funktioniert? 


#


Ich erinnere eben: ich bin mit dem räuberischen Erpresser und Julia in Berlin unterwegs gewesen. Es war nach dem Fall der Mauer. Ich saß auf dem Beifahrersitz, Julia stand zwischen den Sitzen des 123er Mercedes Diesel Automatik, sah mich, der ich schräg sah, um sie sehen zu können, an und reichte mir ein Bonbon mit den Worten: "Hier Papa". Der Fahrer, ihr aktueller und offizieller Papa und Noch-Ehemann von Julias Mutter, sagte, danke, mein Schatz, und nahm das Bonbon. Julia nahm ein anderes und sage: "Hier Andreas, hast du auch eins." Julia und ich haben uns in die Augen gesehen und verstanden, wie wir uns immer verstanden haben, der neue Papa hat nichts mitbekommen. 


Julia war damals sechs, vielleicht sieben alt und kannte mich noch als das, was ich für sie gewesen bin: der Papa, der schon mit ihr spielte, als sie noch im Bauch ihrer Mutter war, der damals schon Julia zu ihr sagte, während ihre Mutter einwarf, was ist, wenn es ein Junge wird?, nein, es wird ein Mädchen, stimmt's, Julia?, und Julia trat mit einem Fuß gegen den Bauch der Mutter. 


Dann hat die Gehirnwäsche also später stattgefunden. Vermutlich als sich der Ehemann nach Mallorca absetzen mußte, wird Julia ihre Mutter gesagt haben: jetzt kann ja Papa wieder einziehen.


Da wird die Mutter losgelegt haben, so wie sie mich Jahre später am Telefon angefahren hat: nur weil du dir etwas wünscht, muß es nicht wahr sein, du warst nie Julias Papa, du warst ein Freund, der hin und wieder ... 


#


Als Julia und ihre Mutter noch in der DDR lebten, sollte ich einmal von Samstagabend bis Sonntagvormittag auf Julia aufpassen, damit die Mutter ausgehen konnte. Julia war vier oder fünf Jahre alt. Ich habe sie in unserer alten Wohnung abgeholt, wir sind die paar Querstraßen zu meiner Wohnung gegangen. 


Julia hat nichts gesagt, schien sehr traurig. Ich hatte noch nie zuvor so ein trauriges Mädchen gesehen.


Sie wirkte nicht wie ein Kind. Ein Kind kann gar nicht so traurig sein. 


Als wir über den Kirchenplatz gingen, fragte ich sie: Erinnerst du dich, daß ich einmal dein Papa war?


Ja, sagte sie, und faßte meine Hand. Wir gingen dann Hand in Hand, ohne ein Wort zu sagen, zu meiner Wohnung.


Es war schon spät, sie ging in die Küche, wo auch Waschbecken mit Spiegel und Dusche waren, und machte sich fertig zur Nachtruhe. Als ich in die Küche kam, um etwas zu trinken, stand sie auf einem Stuhl, den sich vors Waschbecken gestellt hatte und sagte, Andreas geh bitte raus, und ich bin raus gegangen.


Garantiert hat ihre Mutter sie genau instruiert und am nächsten Tag abgefragt. Die Mutter hat mich schon einmal wegen Kindesmißbrauches angezeigt. Ob ich diese Geschichte jemals erzählen kann. Vor allen Dingen, wie die Mutter es eingefädelt hat, daß sie Anzeige erstatten konnte. Zum Glück hatten die Kriminalisten Sachverstand, sonst wäre ich verloren gewesen. Das allein, wie die Mutter ihre Tochter benutzt hat, um Beweise für eine Anzeige zu fabrizieren, wiegt so schwer, daß ich die Frau ... 


Wir lagen dann in meinem großen Bett, ja, in demselben, in dem einige Jahre später eine Frau an mir zum Mann wurde, und spielten Karten.


Auf einmal sagte Julia: Andreas, sieht mich nicht so an.


Was hatte ich getan? Ich sagte, tut mir leid, Julia, ich freue mich nur so sehr, weil ich gedacht habe, ich sehe dich nie wieder.


Julia hat nichts geantwortet. 


Ich wußte nicht, was ich sagen sollte, habe nach einiger Zeit das Licht ausgemacht, und Julia und ich sind bald eingeschlafen.


Am nächsten Morgen ... ich glaube, ihre Mutter hat sie abgeholt, kann mich jedenfalls nicht erinnern, daß wir noch im Park oder so. 


Was war passiert, daß sich Julia durch meinen Blick bedroht fühlte? 


Hat der Ehemann an ihr gefummelt und dieses Grinsen gehabt, wie ich es von meinem Stiefvater kenne?


Vom Typ her könnte er so einer sein: er ist auch ein Möchtegern und Feigling, der seinen Frust über die Ehefrau an Schwächeren abreagiert ... 


Auch wenn ich mein Geld abgegeben habe, wenn sie es übertrieben hat, hat sie eine entsprechende Antwort bekommen, nachdem sie gestanden hat, daß sie bis jetzt jeden Mann dazu bekommen hat, sie zu schlagen, ich sollte mich mir keine Vorwürfe machen, ab und zu braucht sie das einfach, dann fühlt sie sich wieder besser.


Gut. Ich bin konditioniert, Frauenwünsche zu erfüllen ...


Wobei sie sich nicht gewünscht hat, halb tot geschlagen zu werden, sondern ... einmal ist sie mit weitem T-Shirt freischwingende Glocken und weiten kurzer Sporthose bekleidet, die sie hätte auch ausziehen können, ohne mehr zu entblößen, immer wieder vor mir hin und her, aber wenn ich sie gegriffen habe, sagte sie, nein, ich liebe dich nicht, du darfst das nicht. Da hab ich sie aufs Bett geworfen, und während sie getrampelt hat, ihr aller Heiligstes mit ihrem Pantoffel versohlt. Das hatte sie noch nie erlebt und war schwer beeindruckt. Sie sagte: das wird jetzt aber eine ganze Weile reichen.


Einmal hab ich sie gegriffen und zum Fenster getragen und gesagt, wenn du nicht aufhörst, schmeiße ich dich aus dem Fenster, ohne es zu öffnen. Das hat sie mir noch Jahrzehnte später vorgeworfen. Sie hätte solche Angst um ihr Leben gehabt. 


Vielleicht war, ist das die einzige Art, daß sie Gefühle hat. So wie Ritzer, die nichts fühlen, außer wenn sie sich Schenkel oder Schamlippen mit einer Rasierklinge ritzen und zusehen, wie ihr Blut läuft ...


Als ich noch Papa sein durfte, hat Julia nie zu mir gesagt, ich solle sie nicht so angucken. Sie hatte auch kein Problem damit, nackt in der Wohnung umherzuspringen oder mit mir in der Badewanne zu liegen.


Kinder spüren, wenn etwas geschieht, was nicht gut ist. Und reagieren sofort. Die Täter unterbinden das, indem sie umdeuten, aufwerten. 


Ich habe die Mutter und die Tochter geliebt. Aber die Mutter, wie man eine Frau liebt, und Julia, wie man eine Tochter liebt. 


Da kann man auch nichts aus Versehen verwechseln. Wenn das geschieht, ist es immer mit Absicht.


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Sie hatte also die Wohnung. Die mußte allerdings umgebaut werden. Eine große Spüle mit Badewanne sollte in die Küche. In allen Zimmer neue Fenster, neue Öfen. Speisekammer weg, WC größer.


Wer hat die meiste Arbeit gemacht? Der Trottel, der davon ausgegangen ist, daß wir gemeinsam dort einziehen. Immerhin war ich in der ganzen Stadt als der Neue bekannt.


Die Wohnung wurde einzugsfertig, bevor Julia zur Welt gekommen ist.


Die Mutter stand abends noch in der Stube auf der Leiter mit Wehen, um Gardinen aufzuhängen. Ich sagte, willst du nicht langsam in Krankenhaus? Nein, der Abstand zwischen den Wehen ist noch lang genug. Wenn ich das jetzt nicht mache, macht es niemand.


Vorher waren wir noch mit dem Auto unterwegs, um einen gebrauchten Kinderwagen zu holen. Da hat sie sich schon laufend vor Schmerz gekrümmt. Fahr weiter, das ziehen wir jetzt durch.


Irgendwann sagte sie, immer noch auf der Leiter – ich hielt sie fest, damit sie bei einer Wehen nicht fällt: ich glaube, jetzt sollte ich ins Krankenhaus.


Eine oder zwei Stunden später ist Julia gesund und munter auf die Welt gekommen.


Ich war nicht dabei. Sie sagte: du bist nicht der Vater, du hast kein Recht dabei zu sein.


Sie wollte mich vermutlich demütigen, mich zeigen, was ich in ihren Augen bin. Aber ich war froh, nicht bei der Entbindung dabei sein zu müssen. 


Sie ist dann auch aufgerissen und mußte genäht werden. Das ist genau das, was man als Mann sehen will.


Julia ist schon als schönes Mädchen auf die Welt gekommen. Kein bißchen zerknautscht. Das will man ja auch nicht sehen, ein zerknautschtes Kind, ist vielleicht abgeschreckt, fühlt, das Kleine sei ein Monster.


Ich bin am nächsten Tag vormittags von der Arbeit ins Krankenhaus gefahren. Und konnte nicht glauben, daß ihr Bauch nicht mehr da war.


Sie lachte: Julia liegt dort drüben und schläft.


Wie klein diese Babys sind. Man traut gar nicht, sie anzufassen.


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Wir lebten einige Monate wie eine ganz normale Familie. Irgendwann sagte Dagmar, ich halte das nicht mehr aus, ich muß wieder arbeiten gehen. 


Sie organisiere eine private Pflegemutter (400 Mark im Monat) und ging zwei Tage je zwölf Stunden arbeiten, hatte dann zwei Tage frei.


Sie hatte noch Milch, pumpte aber ab. Sie hatte so viel Milch, daß sie welche in die Aue geben konnte für andere Babys. 


Ja, damals war sie anders. Vermutlich die Hormone. Denn als sie keine Milch mehr hatte und Julia aus dem Gröbsten raus war, wollte sie mich aus der Wohnung haben.


Ich bin dann aber geblieben und das Thema war einige Zeit erledigt. Ich habe mich immer gefragt, warum. Die einzige Möglichkeit: ich habe gesagt, wenn du mich rausschmeißt, gehe ich zur Verwaltung und sage, daß du nur als neuen Partner vorgegeben hast, um die große Wohnung zu bekommen.


Das hat ihr eingeleuchtet. Eben noch sagen, das ist mein neuer Partner, und kurze Zeit später, wenn man eigentlich noch verliebt sein sollte, ihn aus der Wohnung zu schmeißen, ist zu auffällig.


Also hat sich einige Monate gewartet und dann erneut ausgeholt.


Leider war es in der DDR mit Wohnungen nicht so einfach ... Das hat aber nicht mir ihr zu tun. Auch nichts mit mir. Ich wollte sogar beliebige Arbeit annehmen, um eine Betriebswohnung zu bekommen.


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So, ich hab mich wieder abgeregt. 


Der offizielle Trennungsgrund war: mit einem Mann, der nicht mit mir schlafen kann, kann ich nicht zusammenleben.


Ihre Mutter, schon einige Jahre Rentnerin: mein Mann und ich sind schon Jahrzehnte verheiratet, aber wenn er nicht mehr mit mir schlafen kann, lasse ich mich scheiden.


Er war beim Führer Offizier. Solche Männer machen nie schlapp. 


Wobei ich nicht schlappgemacht habe, sondern den Teufel in den Augen hatte.


... gleich, gleich, gleich – jemand ohrfeigt mich hart links und rechts, immer wieder, allmählich sehe und höre ich: sie ohrfeigt mich und brüllt: Du hast den Teufel in den Augen! Du hast den Teufel in den Augen!, zeigt zum quer neben dem Bett hängenden Spiegel: Sieh selbst!


Ich sehe in den Spiegel. – Ich sehe keinen Teufel, sage ich.


Jetzt ist er auch weg.


Na, sehr schön. Ich bin also vom Teufel besessen. 


Das erklärt selbstverständlich alles.


Bis heute und in die Zukunft.




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