Die Tasche

Skizze

von  blauefrau

Auf der Calle Garibaldi kaufte sie sich die große, leuchtend türkisfarbene Tasche.

Es musste türkis sein, das war so schön grell. Die Tasche war geräumig, ein schmaler Ordner passte hinein, ein kleiner Kulturbeutel und ihr Portemonnaie. Sie konnte auch die Blätter und Fetzen, die sie beschrieb, hineinwerfen, das freute sie. Von außen sah man nichts: das Chaos, das sie so liebte, würde hinter diesem stark leuchtenden Türkis verborgen sein.

Die Verkäuferin warb damit, dass die Tasche herabgesetzt war: 40 Euro billiger, überlegen Sie mal!, und sie zeigte ihr auch gleich drei weitere Exemplare dieser Tasche, nur in anderen Farben. Sie merkte, dass ihre Blicke auf der maulbeerfarbenen Tasche hafteten, und beeilte sich zu sagen: Die passt natürlich auch zu schwarz und blau, so wie die türkisene. Wenn sie die auch noch nehmen würde, hätte sie in weiteres Mal 40 Euro gespart. Ihr fiel auf, dass sie dann aber auch 160 Euro ausgegeben hätte. Sie blieb bei der türkisfarbenen Tasche für 80 Euro.

Im Hotel warf sie alle Sachen, die in ihrem Rucksack waren, auf ihr Bett. Notdürftig steckte sie ein paar wichtige Sachen, z.B. ihren Kugelschreiber, in die drei Seitentaschen. Den Rest warf sie in die Taschenmitte.

Der Künstler, der vor Jahren benutzte, noch mit allen Gegenständen gefüllte Taschen von Frauen aufkaufte, würde sich noch wundern, wenn er ihre Tasche öffnete. In der Mitte brodelte es.


Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Zur Zeit online: