Zur künftigen Vergangenheit widerwärtigen gegenwärtigen Autowahns

Text

von  Walter


"Autos - Paradebeispiel und Inbegriff jeder Fehlentwicklung. Nur weil jeder Säftli sein Gesäß  möglichst fix vom Fleck gehievt haben will!" (Ulrich Holbein)

 

 "Ein Sinnbild entarteter Naturbetrachtung ist die Kilometerjagd des Automobils." (Walter Rathenau)

 

"Gibt es ein Leben nach dem Auto?" (Manfred Hinrich)

 

 Das Automobil überlebt sich bereits selbst. Seine Besitzer wissen es nur noch nicht, dass sie schon seit geraumer Zeit in untoten Leichen als Gespenster durch die Gegend rasen. Das verflossene 20. war das Jahrhundert der PKWs, und ihre heutigen Fahrer spuken noch immer im 20. herum und finden nicht die Kurve heraus. Alle Autofahrer sind inzwischen Geisterfahrer, die den welt-erfahren Autofreien für einen Geisterfahrer halten. No Exit to 21.cy.

 

Wenn jeder Haushalt der Welt mindestens einen einzigen eigenen PKW besäße, ließen allein die nötigen Verkehrswege nicht mehr genügend Ackerland übrig für die Ernährung der Menschheit, wurde errechnet, und jede Person hat ja bisher ein unverbrüchliches Recht auf so viele Automobile, wie sie sich finanziell leisten kann. Das allein sagt schon alles gegen den globalisierten Individualverkehr per Skandaldiesel, Benziner oder Superbatterie der Zukunft.

 

Das aktuelle Mediengequatsche und Polit-Hickhack um „Grenzwerte für Stickoxyde“ und „Feinstaubbelastung in Innenstädten“ geht schon an den Fundamentalprämissen vorbei.

 

Auch Umwelt-Elektromobile sind da nur fragwürdige Ausweichmanöver. Sie haben für Herstellung und Dauerbetrieb einen haushohen CO2-Grad, Energieverbrauch und Rohstoffverschleiß, der die globalen Vorräte bedroht, falls jeder Erdbewohner mindestens ein einziges E-Mobil fahren möchte (und in Demokratien fahren dürfen muss). Oder soll gespeicherte Wind- und Solarenergie auch noch alle E-Autos speisen müssen?

 

Kurz : Die Zukunft wenigstens des PKW und des Individualverkehrs ist sein Verbot − falls künstliche Verteuerung nicht nur die vielen Armen treffen soll. Beschränkung des Automobils auf öffentliche Massenverkehrsmittel wie Bus und Bahn wäre zwingend notwendig, wenn die „Klimaziele“ erreichbar bleiben sollen. (Mit wenigen eventuell vertretbaren und gesetzlich geregelten PKW-Ausnahmen für Notärzte, Polizisten, gewerblichen Lieferverkehr etc.)

 

Aber solche restriktiven Maßnahmen dürften noch auf lange Sicht wohl kaum parlamentarische Mehrheiten finden und Politiker, die dafür ihre Karrieren riskieren.

 

Höher als technische Barrieren scheinen psychologische Hürden für solchen Paradigmenwandel der etablierten Volksgewohnheitsrechte. Der PKW ist ein so privatpotentes Selbstverwirklichungsinstrument, psychosoziales Stützkorsett, rollendes Wutventil, legalisiertes Suizidmittel und demokratisiertes Statussymbol geworden, dass es denkbar schwerfallen wird, ihn dem Volk wieder wegzunehmen, ohne eine soziale Massenrevolution zu riskieren, die z.B. für den Sozialismus nie zu erreichen war. Straßenpersonalverkehrsrecht ist kollektiver Grundkonsens seit einem ganzen Jahrhundert. Selbst Diktaturen garantieren lieber das Individualrecht auf PKW als die Menschenrechte.

 

Sobald die fortgeschrittenen Hochindustrienationen sich aus dem Auto herausschleichen, drängt der große bislang benachteiligte Rest der Welt erst herein. Bisher blieben Klimabelastung und Rohstoffraubbau durch Autos allein deshalb noch gerade erträglich, weil nur der kleinere und entwickeltere Teil der Erde jedem seiner Bürgerhaushalte den eigenen PKW garantieren konnte.

 

Die infantil(isierend)e und pubertäre Beziehung der Konsumenten zum eigenen Auto behindert und verhindert den generalisierten Massenausbau öffentlicher Verkehrsmittel. Wer einmal in seinem geliebten Blech-Uterus gefangen saß und sich dort als König fühlte, ist für rationalere Argumente fast schon unzugänglich. Und wenn ihm durch künstliche Intelligenz eine automatisierte Automobilität droht, fürchtet der Auto-Autist endgültig um seine vermeintliche Autonomie im Privatpanzer. Statt zu Fuß zu gehen, sabotieren die verfetteten PKW-Krüppel in ihrem Massenstau die ureigenen Vorzüge des Autos noch durch nervenaufreibenden Stop’n-Go-Verkehr.

 

Automobile sind Panzer : Defensive Stahlrüstungen und aggressive Angriffswaffen zugleich im täglichen Selbstbehauptungskampf, haben aber dem sesshaften Bürger nie zur genialen Beweglichkeit des weltgeschichtlich überholten Wandernomaden verholfen, sondern das rasende Auf-der-Stelle-Treten der Stau-Moderne beschleunigt. Der moderne Motortourist ist die Karikatur des von Gott biblisch favorisierten Paradiesnomaden.

Die durch die Welt fahren, erfahren nichts.

 

Auto : Bleib im Uterus and see the world nevertheless?

 

Die fahrenden Stink-Krach-Mordwerkzeuge werden immer lebensgefährlicher und lächerlicher. Die Auto-Mensch-Einheit war die erste massentaugliche Roboter-Mensch-Symbiose, meint der Autor, der nie eins dieser überflüssigen Dreckschleudern und Schrottanwärter besaß. Jeder Autofahrer nimmt ja tagtäglich einen Mord an Mitmenschen billigend in Kauf, oder ist das etwa nur eine Karikatur ?

 

Die Zukunft des PKW-für-jeden ist eher seine Selbstabschaffung als das halbherzige E-Mobil oder provisorische "Hybridauto", welches diese Wegrationalisierung nur etwas verzögert, aus Rücksicht auf die automobile Drogensuchtentwöhnung der motorisierten Psychosoziopathen. Die vielbeschworene e-mobile Wunderwaffe wäre nur so etwas wie die Methadon-Substitutionstherapie für hochgradig Autoabhängige, eine psychotherapeutische Übergangslösung und ein industrielles Moratorium, mehr aber auch nicht. Muss drohender Arbeitsplatzverlust von Vielen das Auto dann retten?

 

In der Freizeit scheint das heilige Auto sogar zumeist wichtiger noch als für den Beruf, und der vermeintliche Gebrauchswert ist da nur vorgeschoben. Unverzichtbarer ist der eigene PKW als Psycho-Prothese für Präpotenzzombies.

 

Die private Ökobilanz der Berufsumweltser sieht meist eher heuchlerisch aus. Sie selber fahren oft BMW oder Porsche und düsen professionalisiert um den Erdball, um „globale Klimaziele“ zu promoten (oder zu promotorisieren). Da plötzlich soll dann nicht mehr jedermann vor seiner eigenen Garage kehren, sondern erst einmal die ganze Welt resozialisiert werden, ehe die Top-Engagierten mal selber...

Dieser Witz bringt immerhin zum Lachen.

 

Kurz : Die Zukunft des Autos ist seine Vergänglichkeit und Vergangenheit −

allerdings hartnäckig ökotechnologisch-fortschrittlich hinausgeschoben.

Der beste "Schadstofffilter" der Welt behandelt den PKW selbst als Schadstoff.

 

 



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Kommentare zu diesem Text


 Didi.Costaire (29.11.25, 11:25)
Moin Walter,

da ist einiges dran. In unseren Städten ist es heute schon fast so beengt wie zwischen deinen Textzeilen. 

Beste Grüße, 
Dirk
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