KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Freitag, 09. August 2019, 21:29
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Welcome to the Pleasure Dome

679. Kolumne


Auf meiner immerwährenden Suche nach Kunst mitten im Alltag schaue ich mir das neu erbaute Superkaufhaus in der Hauptstadt an. Dieses Kaufhaus, denke ich, erinnert mich an Himmel und Hölle. Wir fahren auf Rolltreppen in die Oberwelt, laufen in die Galerien der Kuppel und schauen in den Trichter der Unterwelt auf die Lebensmittelabteilung: Olymp und Hades. Alles aus Glas!
Alles ist durchschaubar, sagt Echo.
Das sollen wir glauben, sage ich.
Oben und unten, sagt Echo, stehen hier zueinander wie Überbau und Basis.
Vielleicht, sage ich, aber austauschbar.
Die Innenwelt der Warenwelt als Kulissenzauber, sagt Echo. Welch ein Theater!
Austauschbar ist hier alles, sage ich, Bühne und Zuschauerwelt sind ein und dasselbe. Wer kauft wen? Das Kapital inszeniert sich selbst, und wir spielen mit. Aber das ist alles keine Kunst.
Seltsam, sagt Echo. Heute sehen die Museen nicht mehr wie Museen aus, die Warenhäuser nicht mehr wie Warenhäuser, die Kirchen nicht mehr wie Kirchen.
Heute, sage ich, sehen die Museen wie Warenhäuser aus und die Warenhäuser wie Theater und die Theater wie Kirchen.
Und die Kirchen?, fragt Echo.
Tja, sage ich, das kannst du dir aussuchen.

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Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


 LotharAtzert (30.08.19)
Be welcome.

 DanceWith1Life (30.08.19)
Ich suche einen geeigneten Hintergrund für einen Gedankenaustausch, der hier wäre geradezu optimal, wenn du gestattest.

 DanceWith1Life meinte dazu am 30.08.19:
Briefe Robespierre an Ghandi 1 September 2019

Sehr Geschätzter Mohandas

Ich weiss es mag Ihnen widersinnig erscheinen, doch unsere Anliegen sind sich so ähnlich, dass ich nicht anders kann, als dies mit Ihnen zu besprechen. Zumal mir Ihre Erfolge die ertragreicheren, lebensnaheren und konsequenteren im Sinne der Idee scheinen, als ich dies bei meinen Anstrengungen sehen kann.
Wir beide wissen nur zu gut, was für eine aberwitzige Darstellungstaktik die politische Bühne im Laufe der Jahrhunderte entwickelt und weiterentwickelt hat. Wir beide wissen, wie sehr die Idee der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit durch die verschiedenen Taktiken verformt, auf Interessen ( meist finanzieller Natur) abgestimmt (was für ein Wort) und manchmal sogar gnadenlos verfälscht wurde.
Ich winde mich heute noch in Albträumen, wenn mir klar wird, dass Gerechtigkeit durch Blutrünstigkeit, und alles was von unserer glorreichen Revolution geblieben ist:
Eine Redewendung, vielleicht sogar mehrere
und die Gewohnheit für jeden politischen Fehler einen Sündenbock zu suchen und ihn seines Amtes zu entheben.
Das Räderwerk der Manipulation schuf ungeahnte, aberwitzige Interpretationen eines Grundgedankens, der nichts anderes im Sinn hatte, als allen Menschen ein würdevolles Leben zu ermöglichen.
Wie war dies möglich und wie kann dies in Zukunft verhindert werden. Dieser Gedanke beschäftigt mich mehr denn je, gerade heutzutage, da es keinerlei Instinkt für die Wahrheit mehr zu geben scheint, zumindest in der Rethorik und Polemik der Redner, die von überallher ihren Größenwahn zu nähren suchen.
Vielleicht haben Sie ja eine Antwort gefunden, geschätzter Mohandas. Ich hoffe, es geht Ihnen gut, und die Widerlichkeit des Mordes ihrer Person hat sie nicht verbittert.
Es ist kein Trost, ganz im Gegenteil, dass nach Ihnen noch andere aus dem Weg geräumt wurden. Und seltsamer Weise immer die. deren Interesse auf Grösseres, Menschenwürdigeres gerichtet war.
Unkraut hingegen erfreut sich noch immer strotzigster Langlebigkeit.
Es scheint fast, als hätten wir den Garten verkehrt angelegt und jedes gesunde Pflänzchen muss hier um sein Überleben kämpfen.
Sie ahnen nicht, mit welch irrwitzigen Methoden die moderne Wissenschaft dieses Problem zu lösen versuchte.

 Bergmann antwortete darauf am 30.08.19:
Lieber Lebenstänzer,
ich verstehe nicht alles, was Sie schreiben.
- Wieso nennen Sie mich Mohandas (Gandhi)?
- Wer hat mich umgebracht?
- Wer sind Sie? Und was wollen Sie mir eigentlich sagen?
(Und was ist mit dem neuen Robespierre gemeint?)

 DanceWith1Life schrieb daraufhin am 30.08.19:
Geschätzter Bergmann,
die Idee war ein leider nicht stattgefundener Briefwechsel zwischen zwei Anwälten( beide wollten die Welt verändern, beide waren sozusagen "errfolgreich") , als Bühnenkulisse wählte ich deinen Text "Welcome to the Pleasure Dome"
den ich dafür einfach großartig fand (auch weil das die zeitgemäße Kulisse ist), meiner Meinung nach treffend dargestellt, thats all.

Antwort geändert am 30.08.2019 um 23:20 Uhr
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