KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Montag, 06. Juli 2020, 20:43
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BRIEFE AN HERRN ANDRÉ ÜBER DIE LITERATUR 18

725. Kolumne

12.2.2005
Lieber Fabian André,
ich habe gestern einen neuen Text geschrieben, fast im Rausch, und ich musste nichts verbessern heute. Der Text wurde - ohne dass ich dabei an die TEXTUR 10 gedacht hätte, zu einer Hommage an Fabian Bares, den ich für einen der bedeutendsten Orgelspieler und Komponisten geistlicher Musik halte. Fabian Bares ist der Organist an St. Fabian in Köln, das ist die Kunst-Station des Pater Mennekes, der viele Künstler von Rang förderte, als sie noch unbekannt(er) waren. Chillida und Beuys gehören dazu. Bares war früher Organist in Sinzig, wo der damalige Pfarrer ihn aus dem Amt vertrieb, weil sich Bares weigerte, Viola-Musik zu spielen. Fabian Bares ist ein großer Künstler, der auch schreibt. Aber bedeutend ist er als Musiker. Der jetzt 68-Jährige komponierte bisher über 2500 Werke und ist ein Meister der Improvisation. Jetzt fiel er in Köln auf mit der improvisierten Orgelmusik zu Stummfilmen: Metropolis (Fritz Wegener), Faust (Murnau), Der Golem (Paul Wegener). WENN es so ist, dass die E10 noch nicht überfüllt ist, dann können Sie meinen allerneuesten Text haben. Anbei noch ein paar Verse, die Fabian Bares für mich schrieb, von denen ich einige Verse in meinem Text verwendete. Und ein Foto aus dem Internet. Und nun freue ich mich schon auf den 6. März. Ich habe die Einladungskarten verschickt, vielleicht kommt ja wenigstens ein Teil meiner süddeutschen Verwandten.
Mittwoch Abend traf ich mich mit Bares in Sinzig und wir sprachen 2 Stunden über den Text "Ich und ich". Ich änderte einiges, kürzte und ergänzte. Ich anonymisierte den Text, er ist nun härter, konsequenter, eisiger, aber in sich geschlossener, vor allem wird jetzt das Künstlertum Bares klarer: Verblutung. Der Text, der ganze Fall ist mir nun sehr ans Herz gewachsen, zumal ich in Sachen Kunst, Leben, Weltanschauung und Künstlerexistenz große Übereinstimmung mit Bares habe. Anbei die endgültige Fassung. Herzlichst: Ihr Damonte

28.2.2005
Lieber Damonte,
herzlichen Dank für letzte Fassung von Terres. Das Pech nur, dass ich die Version davor, also die 2., schon weggegeben habe, und Frau Brunner ist da recht komisch... Ich habe nun beide Versionen verglichen, und wir werden halt die Korrekturen in den schon umbrochenen Text einbringen. Damit kann sie eher leben. Natürlich ist ein Text nie fertig, natürlich muss man immer mit letzten Korr. rechnen. Aber bedenken Sie für die Zukunft: ich lass hier nach Möglichkeit nichts liegen (sonst pack ich's nicht mehr). Also gehen die Texte nach einer ersten Korrektur von mir an Frau Brunner weiter. so ist der Deal. Natürlich können Sie mir immer Texte zur Ansicht an die Hand geben - und darüber freu ich mich! Der Sonntag rückt nun immer näher, fast schon zum Greifen nah. Wir hatten und haben ja das Pech mit einem verschleppten Winter. Insofern bekommen wir nicht ganz so viele Anmeldungen. Leider, d'hommage! Aber es reicht, dass wir uns mit Anstand aus der Affäre ziehen werden. Das berühmte blaue Auge, aber nur das eine, mit dem man ja immer leben kann und muss in diesen Zeiten, die sich wirtschaftlich verengen. Seien Sie guten Muts. Ihnen wünsch ich beste Laune für Ihren Auftritt! Herzlichst Ihr Fabian André

Lieber Fabian André,
ich danke Ihnen für Ihren Gleichmut im Angesicht meiner Textfassungen. Im Falle Fabian Bares' ging es nicht anders. Dafür ist der Text dann zugleich sehr authentisch und voll autorisiert - und trotzdem ganz mein Werk; mir gefällt die durch Bares' Gegenlesen entstandene Verdichtung. Zum Glück sind die Änderungen gering, machen jedenfalls keinen erneuten Umbruch erforderlich. Der Text ist mir sehr ans Herz gewachsen - Bares schlug ja Verschorfung als Titel vor, als er den Zyklus-Titel hörte. Kann denn ein Zyklus so sein: SCHORF: Schorf / Verschorfung / Halsbruch / ... ? Kürzlich durfte ich das Haus von Fabian Bares betreten, es sieht darin fast so aus, als litte Bares am Messie-Syndrom. Auf jedem Tisch, auf jedem Stuhl und jeder Kommode liegen Berge von Papier, und die Originalentwürfe seiner Kompositionen liegen - teils zentimeterdick - auf dem Fußboden. Aber er ist kein Messie, sondern hat den Überblick, weiß immer was läuft. Schozach - ich hoffe wenigstens auf Sonne. Eine Wein-Lesung bei Schnee ist eigentümlich. Immerhin gibt es auch Eiswein. Meine Leselaune wird bestimmt gut sein. Vor wenigen Leuten habe ich schon gelesen. Nicht schlimm. Ich sehe meinen Vater, ich sehe Sie, das ist gut. Leider haben meine Brüder abgesagt, es ist ihnen zu früh und zu kalt (d'hommage). Mit Arthur bin ich vorher in Karlsruhe, wo wir auch zum Sonntag übernachten - und nach der Lesung sehen wir uns noch ein Museum in der Nähe an, ich komm jetzt nicht drauf, wie der Ort heißt eventuell fahren wir noch nach Stuttgart um dort das neu eröffnete Museum anzusehen. Die Reise lohnt sich in jedem Fall. Ihnen alles Gute!
Ihr Damonte

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Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


 Dieter_Rotmund (24.07.20)
Langweilig!

Was tut sich bei der schönen Polin...?



Allen Kolumnenlesern ein schönes Wochenende wünscht

Dieter

 Bergmann meinte dazu am 27.07.20:
Die schöne Polin ... soll ich mich weiter an sie heranmachen? Soll es so eine Geschichte werden wie DIE VENUS IM PELZ oder wie beim Hochstapler KRULL? Ich neige dazu, eine subtile Parodie auf Madame Houpflé zu schreiben mit masochistischen Einsprengseln.

Allen Thomas-Mann- und Ulrich-Bergmann-Lesern wünsche ich einen schönen Sommer!

Uli

 Dieter_Rotmund antwortete darauf am 28.07.20:
Nö, Sacher-Masoch und Mann sind sehr old school, denk' dir doch eine moderne, zeitgemäße Fortsetzung aus!
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