KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Sonntag, 20. Januar 2008, 11:57
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Durchgezogene Grüße - II. Lyrik (15)

Eine Diskussion mit Lucy E. Dation über Jovan Jovanovic

Es geht um die Lyrik von Jovan Jovanovic. Der kleine Schlagabtausch zwischen mir und Lucy entzündete sich an dem nachstehenden Text. Die Leser können den Wechselgesang der beiden Kommentatoren als eine andere Form der Interpretation verstehen. Aber nun medias in res:


ja hats schon länger gedauert bis i mir flügeln.. UND JETZ ENDLICH FLIEG I ! ..ja falls nötig is

ja seit schon lange zeit flieg i sehr oft
auch wenn i auf meine flügeln
irgendwie vergesse

..ABER WAS SOLL MAN MACHEN!
JA WENN SOLCHEN ZEITEN

..JA IMMER FÜR FLUG BEREIT! SONST WIRD MAN SELBER ARSCHLOCH ODER SPIESSER ODER NUR ALS LEICHE

..JA SUPER! JA JETZ GEHEN WIR WEITER!

mit flügeln fliegt man besser
..und mit werbungsslogan ja usf



Kommentare und Diskussionen zu diesem Text 19.01.2008

Bergmann
: Das ist wieder ein wunderbares realmetaphorisches Selbstgespräch.

Lucy.E.Dation: Bitte, Bergmann, lass mich nicht dumm sterben: Zeige mir die Metaphern auf, erläutere sie mir und versuche wenigstens, mir das in deinen Augen "Wunderbare" daran nahe zu bringen. Ansonsten ist das nämlich nur eine nichtssagende Ergebenheitsadresse á la "Gern gelesen, gefällt mir, kann ich nachfühlen". Wunderbar, ehrlich. Hast du es eigentlich schon empfohlen?
Ich sehe darin nichts, als die radebrechende Mitteilung, dass das lyrIch sich von Arschlöchern umzingelt fühlt und lieber die Fliege machen will, als selbst ein Arschloch zu werden. Wirklich sehr beeindruckend und so gar nicht weinerlich und selbstgerecht. Deine Urteile, lieber Bergmann, sind mir - bei allem Respekt - doch eher suspekt, deine Arroganz in nichts anderem als Überheblichkeit begründet.
Erkläre ich jeden Haufen zur Kunst, erscheinen meine eigenen Ausscheidungen um so glänzender. Das Einzige, was ich fürchten muss, ist Könnerschaft, also diskreditiere ich die schnell zur zwangsneurotischen Spießerschaft und habe dann ja auch die Mediokren und die Nichtskönner auf meiner Seite. So wird man aber lediglich zur Hure der Anspruchslosigkeit und außerdem ist das eine Generation zu alt. Nichts für ungut, wir leben in zwei Welten, es sei denn, ich erkennte nicht, dass ihr beiden hier lediglich die ganz große Verarsche durchzieht. Aber selbst wenn, dann ist die Nummer nicht witzig genug.

Bergmann: Ach, Lucius, nicht jedes Gedicht muss diese tiefe Tiefe haben.
Lies zu jovan.j bitte meine Kolumne "Mein Titel bin i" (Lyrik 8; 9.3.2007) und   Thesen zu Augsburg , Jovan nannte sich früher augsburg.de
Der Hinweis auf Generationenunterschiede (typisch für deine und jüngere Generationen, die in solchen Etikettierungen oft genug hängenbleiben) ist irrelevant. An Modernität lässt es ja gerade deine Altersklasse auf KV fehlen, zumal viele Identität zu erhaschen trachten, indem sie sich über Zeitmodisches definieren.

Lucy.E.Dation: Ich stelle also fest, lieber Bergmann, dass du auf meine Fragen und Bitten nicht eingehst. ich will keine alten Kolumnen lesen, ich wollte deine Einschätzung belegt haben, dass es sich hier um ein "wunderbares realmetaphorisches Selbstgespräch" handelt.
Mein oder dein Alter tut nichts zur Sache, auch junge Menschen können sich die hoffnungslos veralteten Maxime der Moderne zu eigen machen. Und falls "meine Altersklasse" es tatsächlich an Modernität fehlen ließe, wäre das kein schlechtes Zeichen, denn kontemporär ist sie schon lange nicht mehr, die Moderne, mindestens seit einer Generation nicht mehr.
Sicher, es ist nicht progressiv, zeitmodisch zu sein. Idealerweise wäre man seiner Zeit voraus. Wer ihr aber hinterher hinkt, der hat diesen Anspruch eben noch deutlicher verfehlt, als die, die gerade mal Anschluss haben. Aber lass uns nicht theoretisieren. Deiner Meinung nach habe ich hier ja nicht den Durchblick, daher lass mich doch bitte an deiner Weisheit teilhaben: Erkläre dich!
Skeptische Grüße
Lucy

Bergmann: Ich bin nicht weise, Lucy.
Mir gefallen solche Texte von Jovan, die man als Leser selber sozusagen konstituieren muss. Eigentlich gilt das für jedes Gedicht ohnehin.
Auch die Angst vor der Verspießung ist ja ironisches Spiel.
Jovan baut eine Atmosphäre auf, die mich zum (erkennenden) Lachen bringt. Jovan zitiert Alltagssprache, zitiert auch deine Generation, die oft deshalb so lächerlich wirkt, weil sie so gern verspießert und sich dann fragt: Oh, bin ich jetzt tatsäch-? Und dann alles tut, um der längst inhalierten Verspießerung wieder zu entgehen: Man trennt sich, man hat schon mit Ende 20 zwei MidlifeKrisen hinter sich, man studiert BWL bis zum Kotzen und bringt nichts zustande außer einer widerlichen Proskynese im Dienst des Kapitalismus, den man ja als Droge für den eigenen Hedonismus der allerbilligsten Art braucht. Viele wirken wie loriotische Abziehbildchen von grotesker Anpassung an alles und jede Idiotie unserer Zeit. Postmodernismus ist nur die Dufterinnerung an die heutige Mentalität, sich selbst anzubieten wie Wühlware im Kinderschlussverkauf.
Demgegenüber wirken Jovans Gedichte wie in unsere Zeit übersetzte franziskanische Gesänge.

Lucy.E.Dation: Hallo Bergmann, dir gefallen Gedichte, die du selbst verfassen musst? Warum überrascht mich das jetzt nicht? Ist nicht alles, was nach Scharlatanerie stinkt, idealerweise mit "ironischem Spiel" bemäntelt, um die Haut zu retten? Obwohl, zum Lachen bringt Jovan mich auch, nur eben nicht, weil es witzig wäre, sondern eben lächerlich. Alltagssprache? Nach welcher Dosis? Noch einmal: Meine Generation? Spießertum? Unterwürfige Diener des Kapitalismus nur um die eigene Lust zu stillen? Anpassung an alles und jede Idiotie unsrerer Zeit, vielleicht also auch "Huren der Anspruchslosigkeit", so wie ich dich schmähte? Und dem steht nun Jovan gegenüber, der Idiot als Vorsänger und die postmodernistischen Nutten antworten im Refrain?
Chapeau, Bergmann, mit Worten hast du fein geklingelt, nur leider sagen sie mir nichts. Und das ist es für mich, ein wahres Nichts, das eben jeder Halbgebildete locker zu Alles stilisieren kann, solange man nur willens ist, das Publikum zum Künstler zu machen, also jene allseits befahrbaren Grabbeltischfotzen aus den 1-Euro-Läden, die zwar von Kerouac noch nie etwas gehört haben, aber von seiner verbilligten Volksausgabe besungen werden. Ich möchte dir daher zurufen: Beat it, Bergmann, also rein generationsmäßig, u no.
Durchgezogene Grüße
Lucy

Bergmann: Fein geantwortet, Lucius, das will ich dir lassen! So eine Schreibe gefällt mir, da ist Seele drin, da wird mal Engagement spürbar, da wächst du weit heraus aus allen Generationen. Mir gefällt dein Schlusswort.
Und nun lies trotzdem noch meine beiden Texte über Jovan Jovanovic, der ein kleiner Scharlatan nur im Sinne einer Prise Salz ist, so wie die allermeisten Künstler sich würzen. Er schreibt mal richtig gute Texte, mal weniger gute, oft kopiert er sich auch unvorteilhaft selbst. Ich ermuntere dich, Ducy Lotion: Versuche, Jovan - und überhaupt belletristische Literatur - mit meinen Augen zu lesen, dann verstehst du mehr und du lebst ganz bestimmt auch besser, weil dir die Welt, gesehen durch meine Augen, besser gefällt. Aber auch dann, wenn du das nicht tust, weil du nicht willst oder nicht kannst, Lucy the Hype: Hdgdl! cu

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Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


 Elén (25.01.08)
Nun ja, mich persönlich interessiert(e) mehr Lucy's Persönlichkeitssrtuktur, sein doch etwas komplizierter Charakter, als sein Gefasel über Literratur. Zugegeben. - Selbst hier macht mir meine Arbeit noch Spass.

lg

 Theseusel (25.01.08)
ER LIES ME
FLIES FROM RED BULL
PLEASE ... dont drink and drive...

Wer am Boden liegt wird halt von der Werbung schnell abgeschossen!;)
Ich verstehe auch nicht, wie das funktionieren soll...die Red-Bull- Flügel werden meist mit (T)ALK verschnitten...
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