KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Donnerstag, 02. Juli 2009, 12:12
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LIRUM LARUM

153. Kolumne

Rede für Klaus Sebastian, Aula des St. Michael-Gymnasiums Bad Münstereifel,
1.7.2009, zur Verabschiedung in den Ruhestand

verfasst im Bus von Berlin nach Münstereifel

Lirum Larum Löffelstiel…,
sagte Fontane, als er sein Spätwerk hinter sich hatte. Du hast dein Spätwerk noch vor dir, hinter dir liegt eine Zeit, die ich ich zu einem Großteil mitverfolgen konnte: Dein Hauptwerk wird man es wohl nennen müssen, deine Arbeit in der Schule, die oft auch außerhalb der Schule stattfand:

Als ich dich kennen lernte, warst du (wie immer!) voller Pläne, voller Ideen, und die Projekte liefen gleichzeitig auf mehreren Schienen, manche über viele, viele Jahre, wenn ich an die Literaturzirkel denke, die du mit den Eltern deiner Schüler gegründet und so lange geleitet hast, bis sie auch ohne dich sein konnten. Jetzt willst du diesen Faden wieder aufnehmen, sagtest du, das Netzwerk ist ja noch da.

Ich erinnere mich an deine vielen Theater-Produktionen. Herausheben will ich ANDORRA und MURDA im Theaterkeller, DER KLEINE PRINZ bei AKT-EUR. Aber am meisten beeindruckte mich ein unaufgeführtes Stück: Goethes WERTHER. Du hast diesen Roman zu einem Stück gemacht, dessen Szenen in den Straßen Münstereifels spielen, eine Stationen-Inszenierung für ein ganzes Ensemble mit einer Reihe stilisierender oder verfremdender Effekte, die den Subjektivismus Werthers spiegeln und zur Erkenntnis hin brechen.

Lirum Larum Löffelstiel…

Vielleicht noch wichtiger als der Blick auf die schulischen Sachen in ihrer kreativen Entfaltung ist es, an deine kollegiale und freundschaftliche Hilfe zu erinnern. Du hast vielen geholfen, in einer Zeit des technischen Umbruchs mit dem Computer umzugehen; hast Bücherkataloge erstellt, und ich glaube, keiner weiß, was du alles so im einzelnen bewirkt hast.

Ich werde dir nie vergessen, wie du mir deine Solidarität bewiesen hast, als mich ein Elternpflegschaftsvorsitzender, vor meiner Zeit am St. Michael aus dem Schuldienst entfernen wollte - da hast du mir einen sehr herzlichen Brief geschrieben, mich getröstet und zu dir nach Hummerzheim eingeladen. So haben wir uns kennengelernt noch vor dem Beginn unserer Münstereifeler Zeit. Und das tut mir bis heute gut!

Und ich glaube, ich bin nicht der einzige, dem du mit deiner Herzlichkeit viel gabst.

Lirum Larum Löffelstiel…
War’s nur ein Spiel, das nun vorbei?

Es war ein Spiel und doch kein Spiel,
war mehr als Norm und Einerlei.

Lirum Larum Löffelstiel…
ist nicht vorbei, ist noch im Spiel,
bleibt dir erhalten - das ist viel!




Ulrich Bergmann

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