KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Montag, 07. November 2011, 10:54
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Allà! - Hommage an Otto Eberhardt

278. Kolumne

Allà!

Anmerkungen zu Otto Eberhardt,
Holzschneider (Schüler HAP Grieshabers) und Aquarellmaler in Schwetzingen

1. Woran ich immer wieder scheitere: An Ottos Güte. Ich lernte ihn kennen, indem ich ihm aus dem Weg zu gehen versuchte. Aber daraus wurde nichts. Er akzeptierte meine Schwächen, so dass ich ihn lieben und schätzen lernen musste (musste).

2. Was mir immer mal Kopfzerbrechen bereitet: Ottos phönizische Verbalismen und Formuleme. Vor allem in Briefen.

3. Was mich ungläubig macht: Ottos tiefe Gläubigkeit. Er ist ein Petrus in der Brandung der modischen Flachgewässer unserer Zeit.

4. Was ich für ein Wunder halte: Ottos Weine, deren richtiger Genuss in tiefer Party-Nacht zu immer größerer Spiritualität verhilft, das ist geistige Nüchternheit ohne Kopfweh am Morgen… Fazit: In einem wirklich trockenen Wein ertrinkt kein Geist.

5. Worüber ich mich immer wundern muss: Ottos Konservatismus, mit dem er bei unerreichbarer Kontinuität, Intensität und Konsequenz geradezu avantgardistisch zu werden droht, wenn er sich noch lange überlebt.

6. Was ich bewundere: Ottos Faustreden, die er mit lockerer Hand aus den Ärmeln schüttelt.

7. Was mich begeistert: Ottos Größenwahn als Theatermacher – Faust I, Faust II, Faust III (s. o. Faustreden) und als Partygestalter von der Einladung bis zu den „Vermeldungen“ und Highlights der abendlichen Events: Russische Nächte, Bauchtanz, Arien, Kabarett, Gedichte, Elogen und … Ottologismen.

8. Was ihn unnachahmlich werden lässt: Ottos Klavierspiel mit geöffneter Faust I und Faust II (sic) nebst Duplikation der Hände. Und immer Gigantomegakomponisten: Liszt und Überliszt…

9. Was mir wie Schatten aus uralter Zeit vorkommt: Ottos innenarchitektonische Permanenzinvestitur: Zimmer mit Namen und vielen alten Möbeln und Bildern an den Wänden: My home is my castle.

10. Was mir immer schmeckt: Der Schwartze Rettich aus dem Schillergarten, der auch nach dem langen Postweg ins Rheinland mit hochprozentiger Schärfe ankommt. Eine Scheibe Schwartzer Rettich ist für mich eine Otto-Oblate, zelebriert in einer Ottonischen Gedenkmesse.

11. Was mich auch wundert: Das Wunder der zweiten Feigen-Ernte am Portal. Sankt Otto!

12. Was unnachahmlich scheint: Ottos gelebter Philemon-und-Baucis-Kult: Seit dreitausend Jahren ungebrochene mediterrane Speisenfolge, wie in Ovids Metamorphosen beschrieben. Welcome!

13. Was ich manchmal denke: Otto ist Homer. Mindestens ein Neffe von Franz Liszt. Jedenfalls: Otto ist Otto. Und mehr bedarfs nicht.

Ulrich Bergmann

Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


 Dieter_Rotmund (09.12.11)
Phönizische Verbalismen? Ein Glücklicher darf sich nennen, wer solche Freunde hat. Von den meinen glitten in den letzten Monaten und Jahren viel ab in bleiern-belanglose EhepaarmitKind-Existenzen und verwahrlosen dort, physisch wie psychisch...

 Bergmann (10.12.11)
Leider ist mein Freund Otto Eberhardt schon 81. Aber in so mancher Hinsicht ist er jünger als viele der jüngeren Aufreger-Macher hier auf kv. Es gibt nicht nur öde Ehesumpfgebieter, sondern auch langweilige Singles in der Sparte Sozial-Hypochonder oder Verbal-Hysteriker...

 loslosch (10.12.11)
... Sozial-Hypochonder oder Verbal-Hysteriker...

lo als übersetzer: der erstere hört sein herz überall schlagen, der letztere ist in skurrile ausdrücke verliebt. weißewasmein?

wobei du nochmal ausgesprochen schwein hattest, uli ...
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