KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Dienstag, 17. Juli 2012, 16:02
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Gedehnte Erweckungen

312. Kolumne

Es gibt kaum etwas Schöneres als auf dem Rad zu sitzen und die Welt so von oben herab zu betrachten. Und in der Eisdiele zu sitzen. Ars und Arsch contemplativa. Tja. Das geht jetzt als pensionarius, aber jung bin ich nun auch nicht mehr, was nützen mir da die Blicke der Frauen jenseits der 50 und die verirrten Augen jüngerer Frauen, die sich da versehen, wenn sie mich erschauen. Da gibts kein Erweckungsereignis. Aber andererseits fühl ich mich ja wohl in meinem Alter. Wenn nur nicht der obere Trichter der Sanduhr schon so flach rieselte, da hagelt der Zeitsand nicht mehr, da donnert kein Gewitter mehr. Aber die Ruhe vor dem letzten Sturm, den man im Auge des Todes verbringt, dauert noch lange an – und vielleicht streift mich der Sonnenwind in den Begegnungen mit so manchen interessanten Menschen, oder der Rausch von Bier und Wein und der Liebe ... und die Faszination der Kultur.
In Wildbad erlebte ich wieder zwei Opern bei den Rossini-Festspielen, die zum Wunderbarsten gehören, was ich in dieser Richtung kenne. Großartige, mit einfachsten Mitteln inszenierte, engagiert gesungene Belcanto-Opern! Nur das Publikum ist zu alt! Die Opern sind halt teuer ... 49 Euro für einen guten Platz ... Und weil derlei Musik die Ohren junger Leute erst erreicht, wenn sie so um die 40 sind. Dann auf einmal kommt sogar Richard Wagner in den Blick, dann wird, um es in der Sprache der BWL-Charmelosigkeit zu sagen, ‚der Fokus auf E-Musik gelegt’. Allerdings kostet ein Stehplatz beim Bob-Dylan-Konzert in Bonn noch mehr als die Oper: 65 Euro ... Am 4. Juli fuhr ich nach einer Sitzung des Schriftstellerverbands in der Stadt mit dem Rad zum Rhein, ich sagte noch den alten Damen und Herren: Bob Dylan singt in der Rheinaue. Aber die winkten ab: „Dieser Krächzer, da versteht man doch kein Wort – geh du nur hin, wir heben noch ein Bierchen am Kaiserplatz, Bob Dylan, das ist doch vorbei.“ Ja ja, sie haben ja ein wenig Recht, stimmt schon, Bob Dylan ist retro für sie, den haben sie hinter sich, der ist jetzt Stoff für Sentiment und Schmuse-Reminiszenz, und der Literaturnobelpreis, nein, so gut isser auch nich, und doch ... Ich fahr also da hin. Und kriege am Rhein in der schönsten Stimmung, ohne Eintritt zahlen zu müssen, 30 Meter neben der Tribüne, ohne Dylan wegen der Absperrungswände sehen zu können, die letzte halbe Stunde des Konzerts mit. Dylan klang gut, aber die laute Band liegt mir nicht. Viele rockige Titel. Ein Song, war’s der letzte oder vorletzte, gefiel mir sehr gut, in der Art einer Ballade wie in dem Album „TIME OUT OF MIND“. Leider sang er, wie ich im Bonner General-Anzeiger am nächsten Tag las, weder „Love Sick“ noch „Hurricane“, und auch nicht „Highlands“, sondern „Tangled Up in Blue“; auch gut, auch gut. Endlich einmal Bob Dylan live! Innen 5000 Konzertbesucher und 500 außen, das ist schon was.

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Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


 loslosch (03.08.12)
locker, flockig. ich hab schon geguckt, wer das geschrieben hat. kein gastkolumnist.

säär gutt.

 Dieter_Rotmund (03.08.12)
Der Text ist nicht von Bergmann? Nun, loben möchte ich ihn (den Text) trotzdem. Gerne gelesen.

 loslosch (03.08.12)
hey! KEIN gastkolumnist.
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