KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Montag, 18. August 2014, 15:24
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Satyagraha

424. Kolumne


Diese intelligente Art von gestrecktem, zur Oper maximierten Minimalismus gefällt mir sehr. Ich hatte vor Jahren eine vierstündige Theaterfassung von Marcel Prousts AUF DER SUCHE NACH DER VERLORENEN ZEIT, inszeniert von einem polnischen Regisseur zwei Mal angesehen, die Musik verstärkte die oft so geistreich nichtssagenden Dialoge in wunderbarer Weise (oder machten die Konversationen erträglich, veredelten sie und erhoben die Worte, die Syntax endgültig in den Rang der Musik). Ich sah auch Philip Glass’ Oper UNTERGANG DES HAUSES USHER, auch ein gelungenes Werk. EINSTEIN ON THE BEACH werde ich im Januar in Amsterdam kennenlernen.
Film und Musik von KOYAANISQAATSI muss ich kennenlernen, vielleicht auch die zwei anderen Filme der Tetralogie. Neulich erlebte ich Glass’ 8. Sinfonie (seine bisher vorletzte) in der Bonner Beethovenhalle, ein ziemlich kurzes Werk.

Philip Glass’ Bhagavadgita-Oper „Satyagraha“, die ich 2004 in der grandiosen Inszenierung des Rumänen Purcarete erlebte, wird tatsächlich in Sanskrit gesungen! Eine unglaubliche Arbeit für die Sänger, zumal auch die musikalische Partitur wegen der vielen Wiederholungen mit nur ganz geringen Änderungen sehr schwer auswendig zu lernen ist. Die Inszenierung Purcaretes gehört zum Gelungensten, das ich je auf einer Opernbühne sah.
Zur Gattungsbezeichnung meine ich: „Liturgische Oper“ ist ein guter Begriff. Da das Stück einen sakralen Text mit einer modernen ‚Legende’ verschränkt, kann man es auch Oratorium nennen. Die vita Ghandis und die Bezüge zu Tolstoi (I. Akt), Tagore (II. Akt) und Martin Luther King (III. Akt) kommen noch hinzu, so dass das Werk ziemlich komplex angelegt ist und keinesfalls als Musical bezeichnet werden darf - aus ähnlichen Gründen würde ich auch Bernsteins „West Side Story“ eher der Oper zurechnen. Trotz der politischen Bezüge wirkt jedoch „Satyagraha“ zu jeder Zeit archetypisch oder wie ein ins Jetzt gestellter Mythos, und es ist nicht notwendig, die historischen Bezüge während des Sehens und Hörens andauernd zu suchen, zu erkennen und zu reflektieren.

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