KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Montag, 13. Oktober 2014, 10:14
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Goetheanum

426. Kolumne


Rudolf Steiners Gesamtausgabe in der Buchhandlung des Goetheanums zu Dornach füllt fast drei Regale; das ist im Parterre der „Freien Hochschule für Geisteswissenschaften“. Steiner, gebürtiger Österreicher, müssen die vielen Berge auf den Kopf gefallen sein, man kann aufschlagen was man will, man liest nur unklar geschwurbelte Philosopheleien. Eine weitere Buchhandlung neben dem Goetheanum schreibt auf eine Schiefertafel täglich einen neuen Spruch. Wir lesen bei untergehender Sonne:

„Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltenall führen möchte.“
GA 25

Ja, das ist toll. Die Hochzeitsnacht mit dem Universum. Im Geistigen baden oder wie Novalis’ Heinrich von Ofterdingen, der die blaue Blume sah und in die Grotte eindrang, wo er in der Flut aufgelöster Mädchen schwamm, und das alles dann noch in christlichen Mysterienspielen überhöht – ja, das ist’s, was die fein gekleideten Damen in ihren langen Röcken, die die Fußknöchel umspielen, denken und fühlen, wenn sie den Betonschädel auf dem Hügel umschreiten, mit Blick auf den Tempel der Philosophen und das Kraftwerk, einer Sphinx ähnlich – oder noch plausibler –, einem steil in den Himmel ragenden Gemächt: Das ist der Schornstein; der Rauch teilt sich nach Steiners Ansicht in einen physischen und einen ätherischen Teil auf; der physische wird durch den Schlot repräsentiert, der ätherische durch seine seitlich entweichenden Verästelungen (die Adern des geschwollenen Geistkörpers ...?).

Die Computer werden in vielleicht zehn Jahren organische software haben. Sodass mit den DNS-Spiralen mehrtausendfach schneller und besser gerechnet werden kann als mit den derzeitigen Computern. Wenn das Steiner erlebt hätte, er hätte einen neuen Begriff seiner Mystik und des Geistes überhaupt modellieren müssen. Aber ein kreativer Mensch war er, die Abmilderung des rechten Winkels in der Architektur des Tempels gefällt mir sehr. Die Harmoniesucht weniger. Eurhythmie und Waldorf – sind für manche Menschen sicherlich gute Anreize, die längst nicht jeder braucht. Bei allem Guten, das die seriöse Esoterik Steiners bietet, hat mich der Druck, alles mit allem zu verbinden, immer befremdet. Ich suche das Verbindende, wenn es sich bietet oder von allein aufdrängt. Meine analytischen Neigungen will ich nicht eindämmen. Natürlich kann man auch sagen: Jede Synthese braucht analytische Vorarbeit. Andererseits will ich mit einer Analyse nicht zwingend zur Synthese.

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Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


 Regina (10.10.14)
Eine sehr kurze Zusammenfassung von Eindrücken in Dornach und Gedanken zu Steiners Werk. Sein umständlicher Schreibstil, seine Projekte, seine Ziele und die Frage, ob das alles heute noch relevant ist. Nicht entziehen wollte und konnte ich mich bei Steiner in den Siebzigern der Idee von der Reinkarnation, die er mir nahebrachte, ohne mich abhängig zu machen, während meine Zeitgenossen völlig ausgetickt auf Osho und andere Gurus abfuhren.

 loslosch (10.10.14)
"Die Computer werden in vielleicht zehn Jahren software in organischer hardware haben ..."

was genau ist gemeint, uli?

 Bergmann (13.10.14)
Bitte siehe Korrektur. Pardon.
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