KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Mittwoch, 11. Mai 2016, 18:44
(bisher 789x aufgerufen)

Hellenthal

509. Kolumne


Immer wieder und immer mehr sehe ich die Eifel als unüberbietbare Unerträglichkeit, vor allem wenn ich hier übernachte, im Nichts. Ich fragte den katholischen Pfarrer, wieso Hellenthal Hellenthal heißt. „Nicht Hölle“, sagte er, „nicht hell.“ Ich denke: Genau das ist meine Höllenvorstellung, dieser Weder-Noch-Superlativ von Langeweile. Hier gibt’s keine Helena - geradezu absurd. Was bleibt? Birne Hélène im Gasthof neben einem Tisch lärmender alter Weiber. Und die Natur? Hier regnet es, während woanders die Sonne scheint. Die Wiesen sind grün, die Berge haben Täler, es gibt Wald, dort ist ein See, da ein Café, im Winter fällt Schnee. Kalt. Alles kalt. Und nass und trüb. Hier musste die Langsamkeit nicht entdeckt werden. Das pure Verstreichen der Zeit bietet hier die größte Spannung.


[Erinnerung an einen Kurzurlaub in tiefster Abgeschiedenheit]

Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


 loslosch (13.05.16)
anno domini? das KAG in meckenheim machte regelmäßig schulfahrten dorthin für eine woche. meine söhne waren nicht enthusiasmiert.

 FRP (13.05.16)
Mein Vater hat sich Anfang November 1945 aus dem Kriegsgefangenenlager Munster nach Vlatten in der Eifel entlassen lassen - aus Angst vor den Russen wollter er lieber zu seinem Bruder, der dort schon vor dem Krieg eine Frau gefunden hatte, als heim zu Muttern nach Leipzig. Auf den Weg dahin wurde er in Köln böse bestohlen, als er Zigaretten besorgen wollte. In Vlatten konnte man rein gar nix kaufen, da gibt es nicht einmal einen Dorfkonsum, sagte er uns später zu seiner Verteidigung, als wir ihm vorhielten, dass es seine Schuld wäre, dass wir Kinder keine Bundesbürger sein durften, sondern brave Russen-Imitate. Es muß ihm, dem Großstädter und Buchbinder, so provinziell und unerträglich in jeder Hinsicht geworden sein, dass er gegen jede Vernunft die Zonengrenze überquerte. "Sie könne doch net zu de Russ’ ..." - doch, konnte er. Weihnachten war er dann bei Muttern, und sein Bild von "Westdeutschland" war für immer gezeichnet - dank der Eifel musste ich in der "Zone" aufwachsen.
Graeculus (69)
(13.05.16)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 Bergmann (13.05.16)
Ich singe demnächst ein Loblied auf die Eifel. (Hellenthal ist tiefste Provinz. Aber Münstereifel ist dann schon eine ganz andere Welt, dort war ich 22 Jahre lang Lehrer an einem wunderbaren Gymnasium und fühlte mich sehr wohl.)
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram