KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Sonntag, 07. Mai 2017, 11:44
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Hermetischer Zirkel

564. Kolumne


Ähnlichkeiten mit Lebenden oder Toten oder lebenden Toten sind zufällig, rein zufällig, absichtlich zufällig, zufällig absichtlich, rein absichtlich und nichts als die reine Absicht.



Hast du heute schon an Schlange gedacht?, frage ich Arthur.
Ja, sagt er, ich wollte ihr vorhin eine Postkarte schreiben, aber ich kam nicht dazu. Ich habe die Karte schon gekauft: Ich als Hermes.
Aha, sage ich, du warst also wieder auf deiner Museumsinsel.
Wo sonst?
Und was hättest du ihr geschrieben, frage ich, wenn du ihr geschrieben hättest?

Liebe Schlange,
mein Bild (bitte wenden!) fliegt meinen Gedanken zu dir voraus, wie du siehst, als Bote meiner Liebe, die ich dir wieder stehle. Bis bald! Dein
Hermes

Und warum hast du nicht geschrieben?
Ich konnte einfach keine Statue auslassen, sagt Arthur, kein Bild, kein Mosaik.
Und zurück auf dem Festland, beim Espresso - ?
Da war ich erschöpft, und die Kunst, die ich sah, raubte mir alle meine Worte, sagt Arthur. Sowieso schreibe ich, wie gesagt, die schönsten Karten in Gedanken.
Ausrede!, sage ich.
Im übrigen, sagt Arthur, die Karte wäre doch gar nicht angekommen.
Das stimmt, sage ich, der Himmel hat kein Postamt.
Die Hölle, sagt Arthur, auch nicht.

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Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag

Graeculus (69)
(09.06.17)
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 Isaban (09.06.17)
Und, Arthur, glaubst du, du bist schon in der Hölle oder meinst du, du bist auf dem Weg dorthin?

Die Hölle zu leben ist schmerzlich und man weiß nie, ob man zu guter Letzt wirklich im Himmel ankommt, ganz gleich, wie schwierig der Weg war.


Je nach Tagesform schwanke ich bei diesem Text zwischen den Rückmeldungen "sehr berührend" und "oh, wie scheinheilig!". Aber genauso ist es wohl, wenn man weiterleben muss oder darf, während unser Liebstes schon vorgehen musste.

Liebe Grüße

Sabine

 Bergmann (09.06.17)
Arthur ist ein liebenswürdiger und träumerischer Narziss mit Humanitätsflausen im Kopf etc. Er hat die Schwächen vieler Menschen unserer Zeit, die auch in den Alltagsproblemen ihre tragischen Gefühle kreieren und ihre Umgebung damit traktieren. Ob sie alle das tägliche Misslingen ihres Lebens so genießen können wie Arthur, bezweifle ich.
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