Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Donnerstag, 25. September 2014, 10:48
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Clint Eastwood: EIN FREMDER OHNE NAMEN. Teil 2

von  Dieter_Rotmund


Gastkolumne von  HundertTexteEinsamkeit

Zuvor  Clint Eastwood: EIN FREMDER OHNE NAMEN. Teil 1

Frauen und Dynamit

Es versteht sich von selbst, dass dieser Abschaum (einigermaßen passend, weil Clint die Sache im Rasiersaloon erledigt) in die nächsten Minuten nicht überlebt. Drei Schüsse mit einem unter der Rasierschürze versteckten Revolver reichen aus. Volltreffer. Einer der Schmutzgestalten endet mit Kopfschuss, ein weiterer fliegt durch das Friseur-Fenster und der letzte Provokateur wird unter Rasierwasser begraben. Clint verlässt lässig die Wirkungsstätte und dabei werden wichtige Gestalten des Filmes gezeigt: Eine Bande von Geschäftsleuten, also die Stadtelite mitsamt des Sheriffs, das einfache Mitläufer-Volk, das Särge herstellt und eine unbekannte Frau in einem zarten Sommerkleid huscht durch das Bild. Clints Blicke und die der rosa Frau begegnen sich. Sie gehen aufeinander zu. Er mit heraushängendem Zigarillo, die Dame mit Sonnenhut und weit ausgeschnittenem Dekolletee. Absichtlich rempelt sie den Namenlosen an. Um sich im nächsten Augenblick zu beschweren:

Passen Sie doch auf wo sie hintreten, Sie haben mein Kleid ruiniert.

Clint: Das hätte Sie einfacher haben können, wenn sie mich kennenlernen wollen.

Die Dame: Wenn sie nicht so verkommen wären, würde ich sie glatt für einen Komiker halten!

Es folgt noch weiteres Geplänkel.

Sie sind Abfall. Ein besoffener Landstreicher, der die Manieren eines Ziegenbocks hat!

Die rote Frau schlägt Clint die Zigarre aus dem Gesicht. Der Hero darauf:

Ich bring Dir gleich Manieren bei!

Er klemmt sich die Dame unter den Arm wie einen alten Teppich und schleift sie in den Heuschober in wenigen Metern Entfernung. Die Lady schreit, während der Held sie mit einem Arm über den Boden schleift, in der anderen Hand hält er die halbvolle Flasche Whisky. Was jetzt folgt, könnte man (außerhalb eines Films) als Vergewaltigung bezeichnen. Der Neuntöter wirft die Dame ins Heu, die wimmert und schreit, schlägt ihn verzweifelt auf den Rücken und gleich aber folgt eine wunderbare Verwandlung der Tonart. Das Geheule wandelt sich in Gestöhne, die vorher trommelnden Hände krallen sich lustvoll in die Kopfhaare. Die Auf- und Abbewegungen synchronisieren sich und vollkommen erschöpft und ohne ein Zeichen einer Revolte dreht sich die Frau Minuten später glücklich ins Gras.

Ein Film ist ein Film, und vielleicht muss solch eine Szene sein um zu zeigen, dass der Held Eastwood über dem Volk, über dem Gesetz und natürlich auch über Frauen herrscht. Er bedient sich, wo er will und wie er will. Elemente dieser Szene wiederholen sich etliche Minuten später. Hier die Essenz: Clint trifft Frau, längere Zeit rätselhafter Augenkontakt, sie will nicht, sagt sie zumindest, holt schon mal eine Schere zur Abwehr. Aber er will. Zuerst auch Gezeter.

Sie wollen doch nicht, wollen Sie im Ernst, oh nein, lassen Sie mich los...!

und wenige Minuten später die komplette Glückseligkeit in gegenseitigen Armen. Am nächsten Morgen klingt ein intim gesäuseltes Du im Raum.

Sag mal Clint, hast Du je was von einem Jim Dunkan gehört?

Ein Herz also und eine Seele.

Mir jedenfalls fielen diese Selbstbedienungsszenen auf. Anzumerken wäre vielleicht, dass Clint beide 'Tätigkeiten' nicht in erster Linie zur eigenen Triebabfuhr nutzt, sondern anscheinend eher, um die Frauen von ihrer Zickigkeit zu befreien. Beides Mal gab es Happy Ends, nachdem die beiden Damen sich vorher mit Händen, Füßen und einer Stichwaffe gewehrt hatten. Könnte man daraus etwas lernen? Nein. Ein Film ist ein Film.

Im Großen und Ganzen geht es in dem Streifen darum, dass drei Outlaws das kleine Kaff Largo tyrannisieren. Und Clint Eastwood als Namenloser, der dort zufällig auftaucht und eigentlich nur ein Bad und einen Whisky will, die hasenfüßigen Bewohner anleitet, die Stadt von dem Gesocks zu säubern. Dabei gibt es aber von der Logik her diverse Ungereimtheiten und einige sehr schwer verstehbare Maßnahmen, die der Namenlose anordnet. Das Endziel ist, wie erwähnt, die Vernichtung der Bösewichter.

Diese haben sich in der freien Landschaft in ungefähr der Hälfte des Filmes ein Lager außerhalb der Stadt eingerichtet. Clint schleicht sich schlangenartig heran, um die Lage abzuchecken. Er hat ein paar Stangen Dynamit mitgebracht, er will die Pferde der Outlaws zu verscheuchen. Die zündet er auch, und wie berechnet, sprinten die Tiere davon. Schöne Knallerei, Felsen fliegen usw. Hier kommt die Preisfrage: Warum hat er das Dynamit nicht fünf Meter weiter geworfen. So hätten sie drei ebenfalls sofort die Reise in die Hölle antreten können. Auf der Stelle. Man hätte einen Abspann gehabt wie z.B. Clint hat mal wieder für Ruhe gesorgt, vielen Dank. Ende des Films. Schon nach 30 Minuten.

Eine Antwort ist natürlich überflüssig. So bleibt noch anderes mysteriös. Zum Beispiel: Warum helfen rot angestrichene Häuser gegen einen Überfall durch Gangster?

Teil 3 klärt auf. Demnächst in diesem Theater.

Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag

Graeculus (69)
(25.09.14)
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 Dieter_Rotmund (07.10.14)
Es geht mir ahnlich wie Graeculus, der Film und dessen deutsche Synchronfassung scheint sehr den Zeitgeist wiederzuspiegeln.
Was mir persönlich nicht so gefällt ist die Aufhebung der Grenze zwischen Schauspieler und Figur, ist natürlich Geschmackssache und einer Kolumne natürlich nicht abträglich.
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