Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Mittwoch, 26. August 2015, 14:18
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Angekommen

von  Dieter_Rotmund


Vor zwei Wochen schrieb ich hier an dieser Stelle unter dem Titel Auf der Flucht über Flüchtlinge und über ein paar Filme, die Flucht als Thema haben.
Heute will ich über eine Art Gegenteil von Flucht schreiben, vom Ankommen. Wann ist ein Flüchtling nicht mehr auf der Flucht? Wann ist man angekommen? Wann wird der Flüchtling zum Einwanderer, wann der Einwanderer zum Einwohner? Solche Fragen werden uns in den nächsten Jahren voraussichtlich sehr beschäftigen.

Filmisch gesehen ist das Ankommen nicht so interessant wie die Flucht und auf Anhieb fallen mir nur wenige Filme ein, die das Ankommen in der neuen Gesellschaft zum Thema haben. Aber es gibt sie.

Anywhere But Here, deutscher Titel Überall, nur nicht hier, USA 1999, Regie Wayne Wang

Das ist ein Film, in dem die zwei Protagonistinnen bei sich ankommen: Adele August (Susan Sarandon) und ihre Tocher Ann (Natalie Portman). Bis es soweit ist, hat Anywhere But Here etwas von einem Roadmovie, wie sie da in ihrem alten Mercedes-Benz durch die Gegend fahren, wollen weg und irgendwo ankommen. Die beiden sind zunächst voneinander auf der Flucht, aber kommen - natürlich - nicht voneinander los. Anywhere But Here, also dass sie, die Teenagerin Ann, "überall lieber wäre als hier", bei ihrer Mutter sei, ist ein zentraler Satz des Filmes, an dem sich beide abarbeiten müssen. Ihnen dabei zuschauen ist sehr unterhaltsam. Warum der Film bei Publikum duchgefallen ist, das weiss ich nicht, ich halte ihn für einen der besten Filme von Frau Sarandon, als auch von der jungen Frau Portman.

Prometheus, Ridley Scott, USA/Großbritannien 2012

Nanu, warum dieser Film auf der kleinen Angekommen-Liste? Weil es beim Ankommen ja nicht nur um Menschen gehen muss. In diesem Film, so finde ich, findet die Aliens-Saga zu ihren (erzählerischen Anfängen) , kommt bei sich selbst an. Waren denn die Aliens, so wehrhaft sie auch sein mögen, nicht auch ständig Flüchtlinge? Vor diesen anderen, wie heissen sie noch gleich, Predators, was ja eigentlich nur Raubtiere bedeutet. Die Saga geht ja noch weiter, Prometheus 2 erscheint vorraussichtlich 2017. Ich hoffe, dass auch die Aliens irgendwann mal nicht mehr auf der Flucht sein müssen, sondern angekommen sind.

L.A. Crash, original einfach nur Crash, USA / Germany 2009, von Paul Haggis

Film, der mit dem Mythos des "Melting Pot" USA endgültig aufräumt. Die Protagnisten von Crash sind nur physisch in der (amerikanischen) Gesellschaft angekommen, nicht im Kopf. Bildgewaltig. Kann man nicht im Pantoffelkino von 'ner DVD sehen, verbietet sich. Klasse: Matt Dillon als sehr ambivalenter Polizist.

District 9, Regie Neill Blomkamp, USA / New Zealand / Canada / South Africa 2009

Weiterhin DER Film zur aktuellen Flüchtlingspolitik, immer noch und für lange Zeit. Thematisiert mutmaßlich angekommene Flüchlinge und der Umgang der Gesellschafts mit denselben wie kaum ein anderer Film. Dabei noch komisch. Herrlich!

Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag

Graeculus (69)
(27.08.15)
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 Dieter_Rotmund (27.08.15)
Und diese sind...?
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