Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Donnerstag, 13. April 2017, 14:59
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Auf dem Kurzfilmfestival

von  Dieter_Rotmund


As My Heart Beats, (Frankreich 2016), 18min
Warum haben Jogger in Filmen immer Kapuzenpullis an, im wahren Leben jedoch so gut wie nie? Dieser interessanten Frage, die gleich zu Beginn von As My Heart Beats aufgeworfen wird, geht die Regisseurin leider nicht nach. As My Heart Beats ist selbst für einen Kurzfilm eine sehr langatmige Beziehungsbetrachtung mit einem reichlich sentimentalen Schluss.

Coup De Grace, (Schweiz 2015), 8min
Zwei sich streitende Profikiller und ihr Opfer – wer geht als Sieger aus dieser Begegnung hervor? Der Film braucht Untertitel – es wird Schweizerdeutsch gesprochen! Coup De Grace ist eine kurzweilige und schräge Komödie.

Cut, (USA 2016), 14min
Beruf oder Berufung? Vielen Leuten gelingt es nicht, sich im Alter von ihrer liebgewonnenen Brotarbeit zu verabschieden. Dazu kommt noch ein Generationenkonflikt, der in einen kleinen Wettbewerb ausartet. Die Welt ist ein Friseursalon. Bei Cut stimmt einfach alles: Charakterzeichnung, Tempo, Schnitt, Handlung und Humor.

Pitter Patter Goes My Heart, (Deutschland 2015), 22min
Die Filme aus der Baden-Württembergischen Filmakademie im schwäbischen Ludwigsburg sind inzwischen gern gesehene Gäste auf dem Kurzfilmfestival. Pitter Patter Goes My Heart spielt in Ludwigsburg und mit unterschiedlichen Wahrnehmungen der Realität. Das ist zwar nicht neu, aber der Film macht es mit Charme und Chuzpe.

Where You Have Been, (Deutschland 2016), 13min
Außer einer originellen Diziplinarmaßnahme für unartige Kinder hat Where You Have Been wenig zu bieten. Einziger Lichtblick ist Marian Meders Darstellung eines desillusionierten Geburtstagszauberers. Der Rest ist moralinsauer, verliert sich ins ungenaue Vage und wird zum Schluss unangenehm kitschig.

Birthday, (USA 2016), 13min
Unklar bleibt, was Birthday ist: Eine Art Imagefilm für Körperprothesen und Reha-Kursen? Dass nach der schweren Verletzung des Protagonisten, eines Soldaten, ein zweites Leben beginnt, daher ein neuer Geburts-Tag her muss, deutet nur der Titel an, die Umsetzung ist viel zu sehr musikcliphaften Darstellung verpflichtet. Schade, denn die Schauspieler machen den Eindruck, dass sie gern mehr gezeigt wird und sie sich nicht hinter Gedudel vestecken müssen.

The Barrier of Silence, (Niederlande 2016), 18min
Nun ja, ich persönlich bin mit dieser Verhältnis-Fahrer-Manager-Geschichte mit Organisierte-Kriminalität-Einschlag nicht so recht warm geworden. Stellenweise selbst für eine Kurzfilm zu langatmig. Insgesamt aber doch ein ordentliches Werk.

Destroy Madrid, (Spanien 2016), 9min
Die Spanier machen gerne immer gleich ein Riesen-Faß auf, so auch mit Destroy Madrid. Es wirkt eher wie ein Empfehlungsschreiben, mit dem die Macher zeigen wollen, dass sie auch großes und teures Mainstream-Blockbuster-Kino können.

Es war feucht, dunkel und roch nach Holz, (Deutschland 2016), 14min
Herrliche Ilias-Persiflage, die an Halldor Laxness’ Epos Gerpla erinnert. Obwohl sie nur einen kleinen Bruchteil des Homerischen Epos behandelt, macht Es war feucht, dunkel und roch nach Holz ein sehr runden und abgeschlossene Eindruck. Sehr lustig und sehr empfehlenswert!

Home Front, (Niederlande 2016), 8min
Familie ist verheerender, traumatisierender und vernichtender als jeder noch so grauenhafte Kriegsschauplatz. So ist es. Home Front zeigt es.

Real Soldiers, (Deutschland 2016), 14min
Etwas zu ambitionierte moralische Journalisten-Geschichte, die nicht so recht zünden will.

The Shadow Forest, (Polen 2014), 14min
Ähnlich wie Destroy Madrid, eher ein Fragment, vielleicht sogar von der Resterampe einer tatsächlich stattgefundenen Produktion. Handwerklich gut gemacht, vor allem Licht und Kamera aber die Figuren erzeugen nur wenig Empathie.

Beyond, (Italien 2015), 3min
Was soll das? Unorginelle Ego-Perspektive mit bescheuertem Abschluss. Hat auf einem Festival nichts verloren, weil kein Film!

Courage, (Deutschland 2016), 4min
Jeder Topf findet mal einen Deckel. So die Botschaft dieser kleinen Beziehungssuchen-Komödie, humorvoll umgesetzt, ohne kitschig zu werden. Prima gemacht!

The Meeting, (Russland 2016), 5min
Tagtraum einer Pendlerin in der U-Bahn. Nun, ja. Mittelprächtig.

Drifting, (Irland 2016), 2min
Völlig belangloser, bestenfalls als sehr konventionell gemachter 08/15-Video-Musikclip zu bezeichnen. Wieso ist so etwas festivaltauglich? Unverständlich. Einfach nur ärgerlich.

Eye For An Eye, (Deutschland 2016), 4min
Trotz des sehr umstrittenden Themas (Todesstrafe) sehr gekonnt und nicht wertend umgesetzt, auch visuell toll gemacht. Chapeau!

Fish, (Iran 2016), 4min
Etwas sehr langweilig ausgeleuchtet, aber die einfache Story und die tolle, sehr gut passende Besetzung machen das locker wett. Endlich mal ein Kurzfilm, in dem es mal nicht um Leben oder Tod geht! Erfrischend!

In One Drag, (Deutschland 2016), 3min
Ja, herumliegende Zigarettenkippen können schon eklig sein. Stop-Motion-Filtmechnik mit "echten" Menschen ist zwar nicht neu, aber die Umsetzung in In One Drag ist prima, das Werk hat überhaupt keine Längen. Lustig war das Q&A nach dem Film mit dem Regisseur.

Last Chance, (Ungarn), 4min
Ein Ehrenkodex für Boxer. Nun ja, etwas bemüht, aber ordentlich. Verständnisprobleme mit dem Plot bei Nicht-Sportlern, wie sich im Q&A nach dem Film zeigte.

Metube 2: August sings Carmina Burana, (Österreich 2016), 5min
Ein an sich dröger Vater/Sohn-Ausflug auf eine langweilige Kirmes explodiert in ein grotesk-wildes Musikspektakel. Herrlich! Man staunt, was die Österreicher sich ausdenken können.

Nordlys, (Portugal 2016), 5min
Landschaften, später mit Polarlichtern. Im Programmheft steht "ohne Sprache". Das war gelogen, die plappernde Stimme aus dem Off macht den Kurzfilm zu einer Art Werbefilmchen für die skandinavische Tourismusbranche. Schade, wäre ohne Geplapper sicherlich viel besser gewesen.

Franz, (Deutschland 2016), 4min
Ordentlicher, deutscher Kurzfilm über Männerfreundschaft und Eifersucht. Netter Abschluss meines Festivalbesuchs.

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Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag

Graeculus (69)
(13.04.17)
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Graeculus (69)
(13.04.17)
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 Dieter_Rotmund (14.04.17)
Außerdem gestern in der hiesigen Kinemathek gesehen:

Artist Film aus der Reihe Oberhausen On Tour, so eine Art Sammlung der besten in Oberhausen gezeigten Kurzfilme mit künstlerischen Anspruch:

Retrospective, (Finnland 2016), 15min

To Move Mountains, (Südafrika 2015), 3min

JUS SOLI, (Großbritannien 2015), 15min

489 Years, (Frankreich 2016), 11min

Sites, (Deutschland 2015), 8min

Four Edges of Pyramiden, (Lettland 2015), 20min

Habe nicht alles verstanden, war aber eine tolle Auswahl, großes Kino!
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