Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Donnerstag, 28. Dezember 2017, 10:38
(bisher 8.052x aufgerufen)

Legionen

von  Dieter_Rotmund


Kürzlich sah ich The Last Legion, eine britisch-italienische-französische-tunesische Koproduktion aus dem Jahre 2007. Dort wusste weder Colin Firth als römischer Feldherr noch Ben Kingsley als philosophierender Martial-Arts-Kämpfer zu überzeugen. Auch die Bollywood-Darstellerin Aishwarya Rai Bachchan gab als Amazone schauspielerisch ein schwaches Bild ab. Und der zum Drehzeitpunkt 16-jährige Thomas Brodie-Sangster als infantiler Thronfolger, der im Zentrum der Handlung steht? Farblos wie seine Vorstellungen in den Maze Runner-Filmen. Die Handlung anzureissen ist ihrer kaum wert: Wiedereinmal sind die finsteren Goten ins römische Reich eingefallen und wollen dem aktuellen römischen Kaiser an den Kragen; dieser muss mit seinen engsten Getreuen fliehen usw. usf. Mein Kurzfazit: Ein kaum zu ertragender Kulturenclash voll überschäumenden Pathos. Ein kleines Wunder, dass ich ihn überhaupt ganz bis zum Ende sah (vielleicht lechzte ich doch danach, mehr Haut von Frau Bachchan zu sehen...?).
Auffällig ist: Warum malen so viele Filme am Bild, dass eine mehr oder weniger direkte Linie von römischen Offizieren zu Artussage bzw. König Artus zu ziehen ist? Mir fallen dazu neben The Last Legion spontan noch King Arthur (2004) und (mit Abstrichen) The Eagle (2011) und Centurion (2010) ein. Das sind aber sicherlich nicht alle. Sieht man die Briten gerne als Nachkommen der Römer und verdrängt das starke normanische Erbe? Lieber vom Kulturvolk als von brandschatzenden Wikingern abstammen? Es ist ja nicht so, dass heutzutage der durchschnittliche Engländer von kleiner Statur und mit dunklen Haaren versehen ist. Großbritannien ist heutzutage Einwanderungsland, da hilft auch der Brexit nichts. Aber in Filmen dürfen die Briten noch edle Römer sein, irgendwie, im Herzen. Nun ja, warum auch nicht? Es ist so oder so nur Fiktion, von der Artussage ist fast nichts wissenschaftlich belegt. Wir Deutschen haben es da schwerer: Die Germamen haben den Römern so ordentlich auf die Mütze gegeben, dass das Land bis auf den äußeren Südwesten nie römisch war. Wir haben nur den dümmlichen Siegfried aus den Nibelingen, siehe Die Nibelungen - Siegfrieds Tod, zusammen mit Die Nibelungen - Kriemhilds Rache, (1924), von Fritz Lang, alle anderen Verfilmungen taugen nichts. . Aber die Römer! Römer geht immer. Doch wer von uns Germanikern ist schon einer? Hand aufs Herz: Sind etwa die Kölner (Colonia Aggripina) wirklich ein Kulturvolk? Nein, mit Karneval, Köbes und Kackdom stehen sie eher in der Tradition tumber Teutonen. Und weder Siegfried noch Rübezahl waren Römer.

Meine Top 5 der "Geschichtsfilme über die Antike":

Platz 5: Spartacus aus dem Jahre 1960 (Regie von Teilen: Stanley Kubrick), weil Hauptdarsteller Kirk Douglas kürzlich 101 Jahre alt wurde.
Platz 4: Samson and Delilah, lausiger Sandalenfilm von Cecile deMille aus dem Jahre 1949, der dennoch mehr Charme als z.B. The Gladiator (2000) hat.
Platz 3: Cleopatra, Regie Joseph L. Mankiewicz, 1963: Massen von Komparsen und Filmbauten, keine CGI, klasse! Die Ägypter wollten Hauptdarstellerin Liz Taylor zunächst gar nicht ins Land lassen, weil sie Jüdin war.
Platz 2: Ben Hur, seit 1907 etwa zehn Mal verfilmt, ich kenne allerdings nur die Version mit Charlton Heston im Willam Wyler-Film von 1959; ein schöner Filmschinken!

und

Platz 1: 10.000 B.C. (2008) von Roland Emmerich: Mammuts haben die großen ägyptischen Pyramiden erbaut, jawohl!

Abschließend wünsche ich allen Lesern der donnerstäglichen Teamkolumne einen "guten Rutsch", wie man so schön sagt, ins neue Jahr. Ein besonderer Dank gilt den Gastkolumnisten, die uns 2017 mit Texten unterstützt haben!

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Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag

toltten_plag (42)
(28.12.17)
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 Dieter_Rotmund meinte dazu am 28.12.17:
Danke, das ist für so einen hastig hingerotzten Kolumnentext ein großes Kompliment, besonders stolz bin ich auf meine Aliteration "Karneval, Köbes und Kackdom".
Graeculus (69)
(28.12.17)
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Graeculus (69) antwortete darauf am 28.12.17:
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toltten_plag (42) schrieb daraufhin am 29.12.17:
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 Dieter_Rotmund äußerte darauf am 29.12.17:
Der antike Hannibal ist wohl weithin vergessen. Die heutige Jugend, bar eine guten humanistischen Bildung, kennt allenfalls Thomas Harris' Erfindung des Hannibal Lecter.

Ja, Quo Vadis hätte ich eigentlich nennen müssen (Robert Taylor sind darin aus wie ein Zwillingsbruer von Victor Mature).

Also ich bin weiterhin davon überzeugt, dass Köln kein mediteran-römisches Flair hat. Auch wenn sie es noch so sehr betonen, sie hätten es, die Kölner.
Wenn wir, die Deutschen, tatsächlich ein Kulturvolk sein sollten, dann haben wir dies anderen zu verdanken. Wem, das ist diskussionswürdig.
Graeculus (69) ergänzte dazu am 29.12.17:
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toltten_plag (42) meinte dazu am 31.12.17:
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