Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Freitag, 29. Mai 2020, 10:20
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Im Autokino II

von  Dieter_Rotmund


Ein löchriger Großparkplatz weit außerhalb des nächsten Orts. Normalerweise stellen hier Väter die Familienkutschen ab, um im angrenzenden Freizeitpark ihre Kinder soweit zu bespaßen, dass die abends müde genug sind, damit die Eltern mal eine Viertelstunde Ruhe haben. Das war einmal.
Der Freizeitpark beginnt fast direkt hinter der Leinwand (LED-Technik). Ein Fräulein am Eingang scannt mittels Handy den QR-Code unseres Tickets durch das Seitenfenster. Dann ruft sie uns die Nummer der Reihe, in der wir parken sollen, zu. Zwei junge Männer mit Mundschutz weisen uns ein. Der eine hat eine Tarnhose an, der andere ist ein Farbiger. Warnwesten sind ihre Uniform. Die SUVs müssen in der hintere Reihe stehen. Ein Witzbold hat seinen Familien-Van mit dem Heck zur Leinwand geparkt. Auf der Leinwand läuft eine Werbung für eine Autokino-Disco. Neben uns ein neuer BMW mit getönten Scheiben (hinten). Darin zwei Mädels, vermutlich Auto von Daddy. Sie trinken alkoholfreies Bitburger, das in Getränkehaltern steht. Wir sind früh dran, deshalb stehen wir in der ersten Reihe. Ich nutze die Gelegenheit, steige aus und gehe die Kaffee-To-Go-Becher wegwerfen. Unsere schönen Thermo-Mugs wollen sie in den Bäckereien schon lange nicht mehr anfassen. Das Toilettenhäuschen ist sauber. Die Würstchenbude daneben hat nicht geöffnet. Ich wasche mir gründlich die Hände. Der Film geht los.

Birds of Prey: And the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn, USA 2020. Ein sehr hektischer Film. Ineinander verschachtelte, lange Rückblenden im Tarantino-Stil. Das finale Szenenbild für den Showdown erinnert sehr an Tim Burtons geniale visuelle Gestaltung von Batman Returns von 1992. Der Gesamteindruck von Birds of Prey: And the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn leider nicht.
Harley Quinn: Oh hey, you're that singer no one listens to.
Dinah Lance: Oh hey, you're the asshole no one likes.
.
Nun, das gilt auch für die Zuschauer.
Man sieht also 109 Minuten einer Frau mit zuviel Make-Up zu, wie sie versucht, ihren Ex zu vergessen. Ihre Therapie sind langatmige Prügeleien. Ich denke: Und wer räumt hinterher auf? Ewan McGregor als Bösewicht ist fehlbesetzt. Polizistin Renee Montoya (Rose Perez) ist der einzig interessante Charakter, weil sie wenigstens ein klein wenig vielschichtig angelegt ist. Wonder Woman spielt, obwohl im gleichen "Universum" unterwegs, übrigens nicht mit. Sie sitzt neben mir im Auto (das übrigens nicht unsichtbar ist).

Der Film ist zu Ende. Langsam und diszipliniert fahren die Fahrzeuge vom Parkplatz. Ich winke einem der Einweiser zum Abschied zu, doch ich befürchte, seine Handzeichen haben nur Ausweisungscharakter. Dann sind wir an der Landstraße und die Dunkelheit hat uns wieder.

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Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag

aliceandthebutterfly (36)
(28.05.20)
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 Dieter_Rotmund meinte dazu am 29.05.20:
Ja, ich war schon in drei und zwei weitere sollen folgen...
Ich will nicht einfach nur behaupten, Birds of Prey: And the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn sei "schlecht". Er ist halt was für anspruchslose Kinogänger. Vielfach ist ein Kinobesuch solcher Mainstream-Werke ja nur Teil eines gewissen "Vorglühens".
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