Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Donnerstag, 26. April 2012, 09:24
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Blaue Männchen gegen Warzenschwein

von  Dieter_Rotmund


Gastkolumnistin  Nimbus. über James Camerons Avatar aus dem Jahre 2009 und James Uys The Gods must be crazy, deutscher Titel Die Götter müssen verrückt sein aus dem Jahre 1980.

Endlich sah ich mir, schaue ich den Kultfilm schlechthin an. „Avatar.“ Ich fand die „Viecher“ in der Vorschau schon immer so hässlich, aber ich wollte den Film ohne Vorurteile sehen. Ah, dann begriff ich auch den Titel Avatar. Da wurden Menschen gezüchtet, die mit dem Urvolk irgendeines Planeten parallel zu ihrem eigenen einen Kontakt finden sollten. Es ging um irgendeine wertvolle Substanz. Ich nenne sie mal Gold. Ja, steinigt mich nicht, so einen Kram merke ich mir doch nicht. So wollte man die Ureinwohner des Planeten auf Vertrauensbasis dazu bewegen, ihre Heimat zu verlagern, so jedenfalls der humane Plan.

Die Computerwelt kann was Feines sein. Gut, es gab eine Story, die eigentlich nicht besonders berauschend war. Die brauche ich doch keinem zu erzählen? Oder doch. Pech, nee, der Film war mit viel zu einfältig. Nein, so stimmt das auch nicht. Ein Stück Meereswelt wurde halt an die Oberfläche gebracht, nachts wirkte sie biolumineszierend. Was es ja auch über der Meeresoberfläche gibt, aber eben nicht in der gezeigten Vielzahl toller Effekte, von mir aus. Wo ich wirklich neidisch drauf war, waren diese Kampfdrachen, so ein Viech hätte ich auch gerne, mit den Dingern konnte man fliegen . Was war der Film einer anderen Welt ansonsten? „Wie rottet man Urvölker aus?“ Mensch kann das!

Ja, jetzt seid doch mal ehrlich. Mal abgesehen davon, dass ein paar Felsen geschwebt sind, und man Meereswelt auf Boden hatte, waren es schrecklich schräge Viecher, mit Katzeneigenschaften. Die Augen passen zu Katzen, ebenso die Ohren. Das Fauchen der Häuptlingstochter auch. Doch ich bin trotz schöner Fantasieaufnahmen restlos enttäuscht von diesem Film.

Ich habe eine Tag vorher „Die Götter müssen verrückt sein“ gesehen. Ich lag in der Ecke vor Lachen, und habe noch das ein oder andere gelernt. Über diese feinen Kalahari-Buschmänner. Die sind aber nicht blau. Höchstens wenn die Amarulapflanze gedeiht, das macht dann aber nichts, dann ist in der Kalahari jeder blau. Vom Affen bis hin zum Elefanten gibt’s dann keine Unterschiede… Eine bereits gegorene Pflanze mit ordentlichen Umdrehungen. Wer die Pflanze nicht kennt, es gibt dies inzwischen bei uns als Likör, schmeckt ähnlich wie Baileys, original kenne ich sie leider nicht. Jedenfalls sind sie nicht blau angemalt worden oder geboren, sondern, tja, wer hatte noch nie einen Kater? Hach, daher weht der Wind blau und Kater, so assoziert man dann neue Wesen . Aber Indianer haben sich auch liebend gerne angemalt. Allerdings bunt, nicht nur blau.

Da sehe ich Buschmann, und in dem blauen Katzenvieh so was wie einen Indianer, der mit Ahnen kommuniziert, auf telepathische Weise. Im Film Avatar habe sie dann wie eine Steckdose die Haare mit Tieren oder Pflanzen vereinen lassen. Man sind die Aborigines und Indianer und Buschmänner gut, die brauchen keine Steckdose, die können das auch so.

Ja, ich bin verärgert! Der Film wurde so oft gesehen. Er ist Kult geworden, wer ihn nicht gesehen hat, ist out. Prima, ich wäre lieber out, als so einen Kram noch mal zu sehen. Man hat also eine Mixpixel aus der Erde und dem Meer gemacht und ein paar knuffige, doch erdenähnliche Tiere erschaffen. Angeregt vom Amazonas Regenwald, wie ich mir sagen ließ.

In zehn Jahren weiß vermutlich jeder Teenager, was ein Avatar ist, aber keiner weiß mehr, was ein Kalahari- Buschmann ist. Geschweige denn ein Aborigines, oder ein Indianer. Ähnliche Gebräuche wurden da eingeführt, alles bisschen verrührt. Dann wurden Tiere erschaffen, ich frage mich, wer nächstes Jahrzehnt noch weiß, was ein Warzenschwein ist, oder das Rhinozeros die Dschungelfeuerwehr ist.

Aber wie man irgendeinen Drachen fliegen kann, wenn man blau ist (das denkt dann vermutlich auch jeder, der blau aus der Kneipe kommt und meint, er könnte sein Fahrrad noch steuern) den es gar nicht gibt, dass weiß man dann.

Vielleicht liegt die Grundstruktur ja darin, dass man Naturvölker ehren sollte. Das unterschreibe ich sofort.

Fliegende Drachen, fliegende Felsen, klar eine Spur von Abenteuer. Ich denke an die Indianergebiete. Mir wäre es lieber, man hätte sie nicht eingesperrt und dann würden wir Geschichten geliefert bekommen, die echt wären und nicht übersäht mit Fiktion.

Ich schüttle einfach nur den Kopf. Eine Botschaft, klar… Für Aliens… - paar nette angehauchte Hintergründe. Nichts zum Lachen, bisschen was zum Träumen, bisschen was von der Bestie Mensch, von einigen… Und was noch?

Ich will keine blauen Männchen hüpfen sehen, die auch noch so hässlich sind… Nein, Ich möchte lieber eine Kalahari-Buschmanngeschichte, wo man erklärt, wie hässlich eine bleiche Frau für so einen Mann ist, und das eine Colaflasche einfach nichts im Busch verloren hat….

Einer der tiefsinnigstes und zeitgleich witzigsten Filme die ich kenne… Ganz ohne PC gemacht! Stattdessen im Schnelllaufverfahren, wie seiner Zeit dies Dick und Doof noch betrieben… -

Avatar hat nette fantasievolle Einlagen… Doch ich mag es nicht, wenn man die Welt besser kennt, als unsere…- Schon gar nicht, wenn man den Menschen mit einbringt.

Warum lernen wir dann nicht lieber wirklich von Urvölkern? Warum nicht die Mayas, von mir aus als Fantasie, denn wirklich erforscht sind die ja nicht… Aber genau hier steckt mein Problem.

Was ein Avatar ist, weiß irgendwie jeder. Auch noch was ein Azteke ist, oder Inka? Völker, die ebenso naturverbunden waren… teilweise auch grotesk blutrünstig… Ein Film über ein echtes Volk hätte ich vorgezogen, statt diesem Mischmasch aus allem und zeitgleich nichts. Ach, das Volk hieß ja gar nicht Avatar. Wie hieß das eigentlich?

Ich habe mich zu sehr geärgert, um mir irgendwas zu behalten. Außer, das ich lieber „Die Götter müssen verrückt sein“ sehe… Wohlgemerkt nur Teil eins… Auch wenn der überzogen ist mit britischen Humor… Aber er hat auch noch geistigen Nährwert und unglaubliche Tiefsinnigkeit…

Ganz ohne grüne, nee, blaue Männchen…

Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


 Dieter_Rotmund (26.04.12)
Ich frage mich: Wo sind sie denn heute alle, die ganzen Kinogänger, die manchmal auch noch mehrmals in Avatar strömten und dann faselten, es sei der "beste Film aller Zeiten"? Ich hoffe es sehr, dass ihnen inzwischen - wie Nimbus unmittelbar - ein Licht aufgegangen ist, dass Avatar ein, um es ganz klar und deutlich zu sagen, Scheißdreck ist, ein ganz üble Gutmenschensoße mit einem abstoßenden Kitschüberzug. Als denkender Mensch, die hoffentlich die meisten von uns sind, wird man in Avatar für dumm verkauft ob der hanebüchenen überhöht-naiven Story. Heilige Immersion! Ich bin durchaus fähig, mich auf bestimmte Themen und Geschichten einzulassen, aber Avatar schlug mit großer Dreistigkeit dem Faß den Boden aus! Cameron, ein geschickter Verführungskünstler, der offenbar vielen Scheiße als Gold verkaufte: Schlümpfe im Wald im Kampf gegen die achsobösen Energiekonzernmenschen. Ich bin heute noch angewiedert.

 Lala (26.04.12)
/i]Er ist Kult geworden, wer ihn nicht gesehen hat, ist out[/i]

Schwein gehabt. Wer heute out ist, hat definitv Schwein gehabt. Weder Avatar noch Titanic habe ich gesehen. Avatar ist vermutlich spannender als Titanic. Wegen der 3D Technik. Wenn ich mir Avatar in einem anständigen 3D Kino anschauen würde, dann würde ich erwarten, dass mir die 3D Technik eine Eben in der Erzähltechnik eröffnet, die mir in zwei D verloren ginge oder anders gesagt: dass 3D mehr ist als Rummelplatz.
The Dark Knight von Nolan ist zu großen Teilen mit IMAX Kameras gedreht worden. Im IMAX Kino ist das leider geil - mega geil. Nolan verzichtet bislang auf 3D und setzt meines Wissens nach auch Imax Technik. Ohne Avatar gesehen zu haben, behaupte ich: zu Recht.
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