Letzte-Hilfe-Kurs

Kurzprosa

von  Tilottama

Beim Letzte-Hilfe-Kurs denke ich unentwegt an meine Mutter. An die Arbeit denke ich kaum. Im Kontext der Arbeit ist der Letzte-Hilfe-Kurs erhellend, fast schön. Es gibt so viele Möglichkeiten, die Zeit des Sterbens zu begleiten. Ich bin schon alles, was ich dazu brauche. Der Rest ist Technik und das Wissen um Hilfsmittel. Die Letzte Hilfe flößt mir viel weniger Angst ein als die Erste Hilfe, bei der es so sehr auf Schnelligkeit und Genauigkeit ankommt. Manchmal stelle ich mir vor, dass jemand vor meinen Augen sterben könnte, weil ich mir selbst nicht gehorche, versteinere oder einfach weglaufe, statt Erste Hilfe zu leisten. 


Ich muss meine Mutter dazu überreden, eine Patientenverfügung auszufüllen. Einige Teilnehmende können es nicht nachvollziehen, wie jemand keine Patientenverfügung haben kann. Sie haben die Argumente auf ihrer Seite. Aber meine Mutter fing schon an zu zittern, als ich erzählte, dass ich einen Organspendeausweis habe. Ich weiß nicht, wie ich das Thema ansprechen soll. 


Eine Arbeitskollegin aus Kamerun meint, ihr einziger Wunsch ihr Sterben betreffend sei, in Kamerun zu sterben. Eine andere meint, sie wolle ihren Sohn bei sich haben. Ich denke, dass ich allein sterben möchte wie mein alter Kater Franz, der sich mit letzter Kraft irgendwohin schleppte, wahrscheinlich in den Stadtwald ein paar Meter weiter. Wir haben ihn nie gefunden. 


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Kommentare zu diesem Text


 Moppel (04.09.26, 21:48)
sterben ist sehr persönlich und man sollte viorher anderen mitteilen, wie man es möchte...
lG von M.

 Tilottama meinte dazu am 04.09.26 um 22:08:
Ja, das sehe ich auch so. Dazu muss man es wagen, sich darüber Gedanken zu machen. LG
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