KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Montag, 17. Februar 2020, 21:53
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Ich bin ein Bewohner des E-Musik-Turms

709. Kolumne

Neulich schenkte mir D. ein Buch: Walter Grasskamp, Das Cover von Sgt. Pepper (Wagenbach). Er hatte das Buch vor 15 Jahren gekauft, jetzt aber erst gelesen - und hart verworfen, weil der Autor, ein Kunstprofessor, die Pop-Ikone des Covers von Peter Blake maßlos überhöht; ohnehin war D. nie ein Fan der Beatles - er bevorzugte The Doors, Pink Floyd und andere Gruppen, vor allem The Rolling Stones. Als ich sagte (es ging um das neue Buch von John Burnside, ÜBER LIEBE UND MAGIE - I PUT A SPELL ON YOU), dass so mancher Vers eines Pop- oder Rock-Songs entsetzlich banal sei, fuhr D. mich scharf an und sagte mit dem höchsten Pathos, das ihm möglich war: „Drei Takte und: die Wahrheit, die Wahrheit ...!“ Er wollte mir, dem E-Musik-Gläubigen, eine Lektion erteilen. Es ist also so eine Sache mit der Pop- und Rock-Musik. Deren Fans haben ein ähnlich kühles Verhältnis zur E-Musik (zu der ich alles zähle, was jetzt komponiert wird, also nicht nur das, was Klassik genannt wird) wie umgekehrt ich zu Pop und Rock.
Am meisten entscheidend ist sicherlich die musikalische Sozialisation beim Aufwachsen eines jungen Menschen. Ich war schon 21, als ich Pop und Rock begegnete. Bei der Bundeswehr (1964-66) spielten Schlager eine Rolle, aber auch Chansons, Liedermacher (Degenhardt) und Jazz. Stark beeindruckte mich Dave Brubeck. Immerhin gehörten zu meinen ersten Pop-LPs (1966) einige frühe Scheiben von den Beatles, Their Satanic Majesties Request von den Stones, schließlich auch Simon & Garfunkel, Jimi Hendrix, und im Rundfunk hörte ich den Pop-Shop von SWF III mit Frank Laufenberg. Aber Macht und Gewalt von Verstand und Seele zogen mich trotzdem stets stärker hin zu Bach, Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms, Richard Wagner, Strawinsky, Prokofiew, Bartok, Schostakowitsch, Stockhausen, Bernd Alois Zimmermann, Schnittge, Wolfgang Rihm, ... und damit gehöre ich schon lange zu einer immer kleiner werdenden Minderheit.

2020

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Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


 Dieter_Rotmund (03.04.20)
Gerne gelesen.
Bach-Fans gibt es überall, sie fallen im Straßenbild nur nicht so auf.
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