KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Dienstag, 29. September 2009, 18:55
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Vagas Schlange - Aus den Kommentaren I

April 2007

Vage
Eine Schlangegeschichte von Vaga und mir

„Meine Zunge ist Pinsel und Farbe zugleich, sie trifft immer den richtigen Ton“, zischt Schlange.
Dein Maul ist gefährlich!“, sage ich, „du malst nicht nur mit doppelter Zunge, sondern beißt auch giftig zu! Gott wusste, warum er das Weib zum Kriechen verurteilte, während der Mann aufrecht durch sein Arbeitsleben geht...“
„Gott vergaß, dass das Weib in der Lage ist, sich aus eigener Kraft aufzurichten, wenn es will, genauso wie die Schlange es kann!“, sagt Schlange.
„Gott vergisst nichts“, sage ich, „der neue Gott ist Adam, das bin ich. Und ich will eine aufrechte Ergänzung, die mich liebt, die mich versteht und mir auf gleicher Augenhöhe dient.“
„Dir gebührt, was du verdienst!“, sagt Schlange.
„Es liegt im Wesen der Frauen, so lange zu widersprechen, bis sie genau das sagen, was ER von Anfang an wollte“, entgegne ich. Schlange schweigt. „Männer lassen lieben...“, sage ich.
„An dieser Stelle wird es mir wieder zu allgemein“, sagt Schlange, „ich liebe auch - und zwar die Individualität des Individuums in seiner ganz individuellen Individualisierung.“
„Ich sag ja“, sage ich, „du sagst mir alles nach, nur in anderen Worten, weil du mir stehlen willst, was mir gehört - aber das Weib wird sich den Geist, der stets männlich ist, nie anverwandeln.“
„Ja ja“, sagt Schlange, „es wird immer versuchen, damit anzubandeln!“
„Du bist klug!“, sage ich.


Identisch
Eine Schlangegeschichte von Vaga

Ich reime dich, sagt Schlange.
Ich dich nicht, sage ich.
Oh, sagt Schlange, das macht mich traurig. Reimten wir uns, wären wir ein Gedicht.
Sei doch nicht immer gleich so voreilig traurig, Schlange. Wir können kein Gedicht sein, dazu ist unser Stil zu wenig identisch. Während ich die freie Form bevorzuge, liebst du das rhythmische Versmaß.
Ja, sagt Schlange, aber ich liebe doch auch dich, und manchmal lieben wir uns sogar rhythmisch identisch.
Schlange, sage ich, jetzt weichst du mir aus. Wir diskutieren nicht über unsere Liebe, sondern darüber, dass wir uns nicht reimen können.
Ist das denn nicht identisch, fragt Schlange.
Nein, sage ich, schließlich haben wir uns unsere Liebe nicht zusammengereimt. Sie ist maßlos frei entstanden und lässt sich auch weiterhin in keine Form pressen.
Könntest du mich nicht ausnahmsweise heute Abend mal ein kleines bisschen reimen, fragt Schlange.
Na gut, Schlange, wenn ich dich dabei rhythmisch lieben darf.
Komm, sagt Schlange, lass uns sofort beginnen. Eine ganze lange Nacht werden wir uns rhythmisch reimen und lieben.

P.S.:
Ach, ich möchte diese Schlange am liebsten ganz genau kennen lernen, ihre Wünsche reimen sich im Prinzip auf meine!, denke ich.
Die Vaga-Schlange denkt: Ihre Stärke liegt genau zwischen Klugheit und Naivität.
Schlange ist ganz Frau, denke ich, realnaiv und spielnaiv, klug, nachgebend, fordernd, launisch, witzig, frech, intelligent, dem Manne untertan so weit wie nötig und ihm ebenbürtig so weit wie möglich. Das ist die Qualität des Käthchens in Shakespeares weiser Komödie Der Widerspenstigen Zähmung. So sollten Frauen sein - aber ich weiß, es gibt nur wenige Männer, die sie verdienen.


Eine politische Schlangegeschichte von Vaga
(nach der Bundestagswahl vom 27.9.2009)

Das stumme Richtige ist vielleicht noch zu retten (eine Schlangegeschichte).
Du wirkst so ernst, sagt Schlange, was bewegt deine Gedanken?
Ach, Schlange, sage ich, ich habe das Richtige gewählt, und doch hat das Falsche gewonnen.
Und jetzt bist du traurig, sagt Schlange, dass du das mit deiner Stimme nicht verhindern konntest.
Traurig nicht, sage ich, eher wütend und aufgewühlt. Du weißt doch, das Richtige schlägt bei mir links, und das klopft und klopft und lässt mir keine Ruhe.
Sei froh, sagt Schlange, ließe es dich in Ruhe, entschliefe es dir.
Aber das Falsche lebt auch, sage ich, und ich befürchte, dass es sogar in der Lage ist, das Richtige zu überleben.
Ja, sagt Schlange, das Falsche behauptet sich siegessicher auf dem rechten Fleck. Dabei sitzt es dort nur, weil das Nicht ihm dazu verholfen hat.
Das Nicht? Was ist das Nicht, frage ich.
Das Nicht ist das stumme Richtige, sagt Schlange. Der Grund, warum das Nicht die Stimme verlor ist, dass es irgendwann mundfaul wurde und träger und träger, um sie und sich zu erheben. Und wenn Organe nicht genutzt werden, verkümmern sie.
Aber, frage ich, was können ich und mein Richtiges daran ändern.
Sehr viel, sagt Schlange, das Richtige in dir ist laut genug, das stumme Richtige zu erreichen und aufzurütteln.
Dann könnte, sage ich, das Richtige in mir zum Reanimateur des Nichts avancieren, dessen Stimme erregen und wieder Bewegung in die Bude bringen.
Genau, sagt Schlange, sprich ruhig aus, wozu ich dich bewegen will. Ich bin mir schon lange im Klaren darüber, dass ich mich, als ich dich wählte, für das Richtige entschieden habe.

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