KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Samstag, 20. August 2011, 21:04
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Ich, Übergott

268. Kolumne

Ja, ich verstehe mich gut mit meinem Hirn. Ich entwerfe mich selbst, wenn ich mit mir rede. Ich entwerfe ein Über-Ich über dem Über-Ich, ein transzendentes Ich sozusagen, oder ein virtuelles, wie man will, und merke: Indem ich mich so denke, klone ich mich, ohne auseinander zu brechen, in mir ist eine Steuerungsinstanz, die alles trennt und zugleich zusammenhält, ich empfinde mich als Welle und Korpuskel, ich erlebe mich manchmal auch als Korpuskelwelle - und das erklärt auch das erogene Potential: Der Schwanz - um nur ein Beispiel zu nennen - hat de facto seinen Sitz im Hirn, nur de jure zwischen den Beinen. Die bedeutendste erogene Zone ist das Hirn. Und nie ist es möglich, noch nicht einmal denkbar, dass zwischen den Beinen mein Hirn sitzt oder ein zweites, das mit dem im Kopf in Konkurrenz träte.
[Das Weib, die Schlange. Die Vertreibung aus dem Paradies: Das ist die Leistung der Frau, es ist der Fortschritt, den sie dem Mann als homo faber aufbürdete – und der Versuch der Rückkehr mit anderen Mitteln (als denen bei der Vertreibung, beim Aufbruch in die Menschwerdung, beim Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit, wie gesagt eine Leistung der Frau) - das ist die Leistung oder das Versagen des Mannes. Man sieht, Mann und Frau ergänzen sich in unüberbrückbaren Gegensätzen.]
Was wir das Virtuelle nennen, ist in Wahrheit eine ganz reale, materiale Kraft. Und die Transzendenz, die ich jederzeit entwerfen kann und die ich spielerisch übersteige, so oft ich will, zeigt deutlich, wie göttlich ich bin, wenn ich nur will. Ich bin immer über meinem Ich, bin Übergott, Gott aller Götter, Schöpfer aller Projektionen, die wirklich werden können, wenn ich will. So gesehen ist der Schwanz, von dem eben en passant die Rede war, eine göttliche Kraft, Welle und Korpuskel in einem, keine Welle ohne Korpuskel und keine Korpuskel ohne Welle, und so ist es auch mit dem Verhältnis von Wort und Tat. Ja, ich verstehe mich gut mit meinen Worten, und meine Taten verleugnen mich nicht.

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Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


 loslosch (23.09.11)
... Ja, ich verstehe mich gut mit meinen Worten, und meine Taten verleugnen mich nicht ...

Und das coram publico.

 Lala (23.09.11)
[...] brauchte ich nicht. Aber eine Freitags Kolumne, die ich mit einem Grinsen gelesen habe. Sehr schön. Und das nicht nur vor aller Öffentlichkeit, sondern auch mit stehendem Applaus. Was für ein Troll!

 Dieter_Rotmund (24.09.11)
Am Anfang etwas sperrig, so entfaltet der Text dann doch einen gewissen satirischen Humorgehalt, ja.

 loslosch (25.09.11)
bei JWG, "Gib mir", als ergebnis der lektüre von Carmina Priapea, zähle ich insgesamt 59 wörter, davon fünfmal "schwanz", darunter zweimal deutsch bzw. lat. und einmal griechisch, ergibt rd. 8,5% schwanzlastigkeit. man muss richtig zählen können. das kann ich!

übrigens: weder ich, übergott noch gib mir haben den rang von weltliteratur. warum auch?
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