Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Mittwoch, 19. September 2012, 13:33
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Ein Film

von  Dieter_Rotmund


Zu Ins Blaue von Rudolf Thome, Deutschland 2012

Der Film endet damit, dass einige der Protagonisten im Delphi-Kino in Berlin in der Premierenvorstellung des Film sitzen, dessen Herstellung Teil der Handlung von Ins Blaue ist. Sie sind aufgetakelt und fassen sich an den Händen und sind davon überzeugt, dass sie „es geschafft haben“.
Damit verrate ich übrigens nichts, was den Genuss von Ins Blaue vorab schmälern könnte. Ins Blaue ist keine Krimi mit finaler Auflösung und keine Schmonzette, an deren Ende geheiratet werden muss. An anderer Stelle habe ich einmal das Ende von Thomas Bernhards Erzählung Ja zitiert. Danach wurde mir vorgeworfen, ich hätte die Lektüre dieses Buches verdorben. Das ist ein derartiger Quark und Unsinn, dass ich nicht weiter darauf eingehen möchte, ich will es nur als adäquates Beispiel nennen. Alles weitere wäre wie das allzu Offensichtliche zu beschreien.
Zurück zur letzten Einstellung von Ins Blaue. Der Zuschauer fragt sich und die Frage steht mit Riesen-Majuskeln im Raum: Ist das wirklich so? Ins Blaue ist nämlich ein Film über das Scheitern und die Unreife. Diese beiden Themen setzt er gekonnt um. Keine der Protagonisten lädt dazu ein, sich mit ihnen zu identifizieren. Das macht Ins Blaue sympathisch. Mit anderen Worten gesagt: Es ist ein Film für Erwachsene.
Der Nicht-Film im Film wird zunehmend handlungsbestimmend, der Film im Film wird zum Motiv, dass die Handlungen der Protagonisten bestimmt. Die Protagonisten, eine Gruppe von naiven Idealisten und ein „alter Zausel“, wie man ihn wohl am besten beschreiben könnte, Vadim Glowna in seiner letzten Rolle. Die Ober-Idealistin mimt seine Filmtochter Alice Dwyer. Ins Blaue ist auch ein Film über das Filmemachens. Dass der Film im Film am Ende doch noch etwas Vorzeigbares wird, gehört zu den Geheimnissen des Kinos. Es erscheint wie ein kleines Wunder, ist aber dennoch nicht unwahrscheinlich, denn es zählt am Ende das, was man zusammenschneiden kann und wie es zusammengeschnitten wird. Ins Blaue wirkt trotz der Doppelhandlung wie aus einem Guss, einzig die geradezu primitiv-gefällige Filmmusik am Anfang und am Ende ist ein Störfaktor. Ob da wieder die Schmonzetten-Schmiede Degeto, die Ins Blaue finanziert hat, ihre Finger im Spiel hatte? Ich möchte es glauben, der Rest von Ins Blaue passt nämlich erfreulicherweise gar nicht zu dem höchst betulichen Vorabendprogramm der ARD.

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