Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Mittwoch, 20. März 2013, 12:08
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Frühlingsfilme

von  Dieter_Rotmund


Gestern (also am 20. März), war Frühlingsanfang. Nach der gängigen Methode des 08/15-Kolumnenschreibers, das Erstbeste mit dem Grundthema der Kolumne zu verbinden stelle ich nun die Frage nach Frühlingsfilmen. Zumal Wetter (und auch Kochen bzw. Essen) immer geht, da glaubt ja jeder eine Meinung dazu haben zu müssen.
Gibt es das denn, Frühlingsfilme? (Kalauer: Nein, Frühlingsfilme gibt es nicht, aber Frühlingsrollen). Nun, es gibt ja auch Sandalenfilme, Monumentalfilme und den Bibelfilm*, warum auch nicht den Frühlingsfilm.
Der Frühlingsfilm wurde mit Broken Blossom (1919) geboren, ein Werk des umstrittenen (wegen The Birth of a Nation) aber irgendwie doch genialen D.W. Griffith mit der unvergleichlichen Lilian Gish in der Hauptrolle. In den 1920er Jahren geriet der Frühlingsfilm in Vergessenheit, die Filme war eher irgendwie herbstlich (Metropolis, 1927) oder es war immer Winter (Die wunderbare Lüge der Nina Petrowna, 1929).
Unwidersprochen muss man wegen des Technicolor-Verfahrens The Wizard o Oz (1939) und den geradezu überzogen wirkenden, im Studio gedrehten, knalligen Außenszenen zu den Frühlingsfilmen zählen.
In der sog. Nachkriegszeit bremste das Schwarz-Weiss-Fernsehen die Weiterentwicklung des Frühlingsfilms aus, das neue Genre des Film noir kam auf. Daran konnten auch die großen Erfolge von Grün ist die Heide (1951), wi-der-lich, und Der Förster im Silberwald von 1954 (Igitt!) nichts ändern.
Erst mit Hitchcocks einfühlsamen The Birds (1963) begann der Frühlingsfilm wieder die Herzen der Zuschauer und Kritiker zu gewinnen. Schließlich waren sogar die gesamten 1970er Jahre frühlingshaft, man denke nur an die zwar dämliche, aber farbenfrohe TV-Serie Hart to Hart (ab 1979). Das kodakchrome-bunte setzte sich im folgenden Jahrzehnt fort, wurde mitunter aber recht klebrig (z.B. Octopussy, 1983). Trotz Zeitgeschichte (Mauerfall usw.) und drogengeschwängerte Loveparade-Affenparaden waren die 1990er filmisch nicht mit Frühlingsfilmen durchsetzt (es war eher das Jahrzehnt des David Lynch), sie hatten aber mit mit Gary Ross' Pleasantville (1998) einen letzten Höhepunkt.
Ein Niedergang erlebte der Frühlingsfilm in den Nullerjahren, den Todesstoß bekam er 2008 mit dem betulichen Rentnerstreifen Hanami – Kirschblüten, dem Lieblingsfilm aller topflappenstrickenden Landfrauentanten. Sic.

*Zwei oder alle diese drei „Genres“ zu vereinen, ist z.B. David Lean (1908-1991) gelungen, mit The Greatest Story Ever Told (1965) und auch Cecil deMille (1881-1959) mit The Ten Commandments (1956).

Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


 Dieter_Rotmund (21.03.13)
Mein 5 liebsten Frühlingsfilme:

Platz 5: Kodachrome (ja, der von Simon und Garfunkel besungene)
Platz 4: Agfachrome RS 1000, bel. wie 250 ASA, C-41 entwickelt (Crossprocessing)
Platz 3: Technicolor
Platz 2: Der Agfacolor in Frauen sind doch bessere Diplomaten von 1941

und

Platz 1: Ein selbstentwickelter Kodak Plus X Pan im Trockenschrank
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