Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Donnerstag, 03. April 2014, 12:57
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„In einer stillen Nacht“ kam der „Lord of War“

von  Dieter_Rotmund


Zwei Filme, zwei Themen von Gastkolumnistin  Nimbus

Letzte Woche sah ich einen Film, der mich berührte. Ich wollte unbedingt darüber schreiben. Schon alleine, weil es mal kein amerikanischer Film war, sondern eine niederländische Produktion.
Ein Film, der die oftmalige Machtlosigkeit der Polizei aufgreift, der auf Vergewaltigung eingeht, auf das Umgehen mit ehemaligen Verbrechern, die Inkompetenz bei Handlungsbedarf von Verantwortlichen anspricht und zeigt am Ende auch noch eine Form von Selbstjustiz. Das alles spannend verpackt. Alles Themen, die gerne in die Welt geschwiegen werden, doch Tag für Tag passieren. „In einer stillen Nacht“ ([exturl=]externer Link[/exturl] ) ist mit Sicherheit zu empfehlen. Doch in derselben Woche kam noch ein Film, der auf seine subtile Weise richtig reinhaut. Ich hatte ganz vergessen, wie gut der satirisch aufgebaute Film ist, der unschöne Wahrheiten offenbart, und die Welt anders zu beleuchten weiß. So ist die Hauptperson reine Fiktion, doch wer den Film sieht, oder gesehen hat, der weiß, dass da viele unangenehme Wahrheiten skurril gezeigt werden.
Ich fragte mich dann nach der Relation, und war mir einig (ja, beim denken kann man sich schon mal mit sich selbst unterhalten, hoffentlich kommt jetzt keiner mit einer Zwangsjacke ), dass „Lord of War – Händler des Todes“ (Regie und Drehbuch von Andrew Niccol, u. a. Regisseur von „Die Truman Show";) weit aus mehr Potential hat, und letztendlich alle Themen aufgreift, die man sonst zu gerne unter den Teppich kehrt. In Anbetracht der augenblicklichen Weltsituation und einen übergeschnappten Stalin II( externer Link), könnte er wohl auch an Aktualität kaum präsenter sein. Mischt man dann noch ein bisschen Ebola ( externer Link) dazu, so schön, wie in Westafrika gerade vorherrschend und ausbreitend ist, hat man schon fast den Film erklärt. Es entspricht dem Zynismus, nur nicht so gekonnt, wie der Film ihn wiedergibt.
Recherchen ergaben, dass Niccol vor dem Schreiben des Drehbuches selber viel recherchiert hatte. So fiktiv die Figur Yuri Orlov (gespielt von Nicolas Cage) auch sein mag, könnte man der Geschichte einiges abnehmen, sowieso, ist man zuweilen so naiv wie ich. Die Hauptperson erzählt im Ich-Stil die Drama-Satire. Eigentlich ist er gar nicht jüdisch, aber so konnten seine Eltern besser Geschäfte machen. Sein Vater selber würde jüdischer leben, als jeder Jude, so erzählt er, wie er in einem Einwandererviertel New Yorks „Little Odessa“ lebte, und von da aus ein weltweit engagierter Waffenhändler wird. Den Film beabsichtige ich nicht hier in vollen Umfang wiederzugeben. Wem der Film nichts sagt, der möge dem Link folgen:[exturl=]externer Link[/exturl].

Die politische Sichtweise des Filmes lässt sich nicht in vollem Umfang erahnen, wie die Wahrheit aussieht, und man fragt sich, welche Wahrheit - Viele. Vielleicht u. a. die tausend Schlupflöcher, die es nach dem kalten Krieg gab. Das Paradies für jeden Waffenschieber. Z. B. Die Möglichkeit Kalaschnikows ([exturl=]externer Link[/exturl] ) in Massen problemlos zu erwerben. Dass zwischendurch das ein oder andere Opfer unter den Waffenschieber der Habgier zum Opfer fällt, wie sein Onkel, oder sein Bruder, der nicht den notwendigen Zynismus mitbringt und abgedroschen genug ist, um lieber den Drogen zum Opfer zu werden. Knochentrocken berichtet Yuri, Kalaschnikows sind einfach zu bedienen, jedes Kind könnte das, und das tun sie auch. -
Waffen bringen den Tod, vielleicht halten sie den Menschen ja auch in einem richtigen Gleichgewicht, sonst wäre die Erde mittlerweile vermutlich an Überfüllung geplatzt. Der Rest erledigt dann z. B. Aids, auch ein Thema des Films. Wer ist nun der Lord of War? Diese Frage stellte der Film auch, ist es der Diktator, oder Waffenlieferant, der der Händler des Todes ist? Tja, nun, und es wird ziemlich klar gezeigt, wie sehr sämtliche Regierungen darin verstrickt sind, Händler des Todes zu spielen. Nicht nur des Todes, von unendlich viel Leid, Vergewaltigungen, Hunger und unbeschreiblichen seelischen Grausamkeiten. Es geht um Geld und um Macht. So ein netter Vergleich dazu befindet sich im Film, es wird gezeigt, wie er sich die Frau, die er verehrt, ein Modell, einfach als Frau kauft. - Die Verstrickungen von Macht und Korruption und Regierungen sind vermutlich keinem klar, doch der Film lässt einiges erahnen. Am Ende wird Yuri verhaftet, er erzählt (sinngemäß;) dem Ermittler Jack Valentine* (gespielt von Ethan Hawke) , ohne mit der Wimper zu zucken, dass es gleich an die Tür klopfen wird, und ein Regierungsbeamter dafür Sorge tragen würde, dass er wieder auf freien Fuß kommen würde. Denn die Regierung wäre zu oft an Lieferungen beteiligt, doch es wäre besser, man hätte jemanden, hinter dem man sich als Regierungsgröße und Nato-Mitglied ([exturl=]externer Link[/exturl]), verstecken kann. -

Tja, und so, wie es in dem anderen Film der Vergewaltiger war, der sich hinter einem Helm versteckte, und über das Leben junger Frauen verfügte, zeigt dieser Film sogar Parallelen, und nicht nur um die Vergewaltigung als solches, sondern auch das Ganze drum herum, er zeigt die Krankheiten der Menschheit im kleinen Stil. Als wäre ein Vergewaltiger etwas anderes, als ein Waffenhändler, ein Diktator, wenn nicht am Ende sogar wie eine Regierung. Der Maßstab ist ein Anderer... Wie eine Landkarte, die klein zu sehen ist, doch um-projiziert sehr groß ist. - So ungefähr kann man sich dann die Weltherrschaft vorstellen, wenigstens als kleinen Globus.

Das Yuris Bruder lieber stirbt, als einem Waffenhandel zusieht, dem er vorausahnt, dass es ein Gemetzel gibt, zeigt die menschliche Seite.

Der bissigste Zynismus wird so fast schon zum größten Idealisten. So denke ich, und das ist das Einzige, was noch beruhigend scheint. -

*Valentine als Namensgebung des Ermittlers grenzt ja schon an Genialität, so gab es Valentine als Panzer ([exturl=]externer Link[/exturl]) Tja, und jeder denkt zwangsläufig an den Valentinstag, wenn der auch von einem Valentin ins Leben gerufen worden ist, der Tag der Liebe... -

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