Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Donnerstag, 07. April 2016, 09:25
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Kuschelbär auf Prügelreisen

von  Dieter_Rotmund


über Kung Fu Panda 3, USA/China 2016

Das ist also so einer. Ein Film, der in Kooperation mit einer chinesischen Produktionsfirma enstand, um die gedeckelte Anzahl der ins Reich der Mitte entsandten Multiplex-Blockbusterfilme ohne finanzielle chinesische Beteiligung elegant zu umgehen. Die F.A.Z. nahm sich kürzlich dieses Themas an und rechechierte und veröffentlichte gründlich. Man muss sich gewahr werden: Kung Fu Panda 3 durchlief die chinesische Zensurbehörde, was vermutlich problemlos geschah, weil es die berühmte "Schere im Kopf" gibt und Nacher-ändern Geld kostet. Apropos Geld: Der chinesische Markt ist für Blockbusterfilme inzwischen wichtiger als Europa. Das muss man wohl als Kompliment sehen (Bitte keinen weiteren "Transformers"-Film nach Deutschland!!!).
Manchmal gab es und gibt es wohl unterschiedliche Fassungen dieser bi- und multinationaler Produktionen, dieses Mehr aber wiederum Geld kostet und das will man natürlich mit aller Macht verhindern. Inwieweit sich Kung Fu Panda 3 und die künftigen dieser Filme vielleicht oder auch nicht in den Fassungen unterscheiden, ist nur sehr mühsam herauszufinden.
Laut imdb.com, der bekannten wenn nicht bekanntesten Film-Datenbank der Welt ist Kung Fu Panda 3 der erste Animationsfilm, der mittels eines us-amerikanisch-chinesischen Joint Venture entstand. Naiv wäre es zu glauben, der Film würde chinesische Expertise bedürfen, weil das Wesen einer Tierart im Mittelpunkt steht, dessen Verbreitungsgebiet sich aussschließlich auf dem Territorium der Volksrepublik China befindet. Es ist nur einfach so, dass der sog. Große Panda die Rangliste der knuddeligsten Tierarten, wenn man es derart respektlos nennen mag, mit großen Abstand anführt.
Nun, mit was haben wir es zu tun? Zunächst ist Kung Fu Panda 3 nur einer von vielen Werks-Epigonen erfolgreicher Produktionen, die schon durch ihre fortlaufende Numerierung ermüden. Der Protagnist ("Po") ist übergewichtig und ohne weiteres eigens Zutun bzw. einer Eigenleistung, die über das Allernötigste hinausgeht, zu einem "Auserwählten" geworden. Er kann sich in seinem billigst erworbenen Heldenstatus mit flotten Sprüchen sonnen und ist eher Soziopath als mannschaftstauglich. Eine extrem gut angepasste Identifikationfgur wird da angeboten, sitzen im Publikum doch vermutlich überwiegend übergewichtige und/oder juvenile Stubenhocker, die vom sozialen Aufstieg innerhalb ihrer Gruppe mittels irgendeiner deus ex machina träumen und das natürlich bitteschön ohne jemals etwas dafür getan zu haben.
Der Bär Po ist eine Figur, die bar innerer Konflikte kaum Spannungspotential bietet. Deshalb müssen in Kung Fu Panda 3 äußere Konflikte her. Das ist dort neben dem üblichen Bösewicht (schön: eine Art messerschwingender Ochse namens "Kai") das Herkunftsrätsel des Protagonisten.
Wie so oft, werden auch in Kung Fu Panda 3 die Nebenfiguren fast interessanter als die Hauptfigur, obwohl dieser überproportional viel Raum einnimmt (physisch wie psychisch). Nur zum Beispiel: Kung Fu-Kämpferin Tigress, eine Art Kampftigerin im Kimono, war schon seit dem ersten Teil dieser Reihe (Kung Fu Panda, USA 2008) ein Charakter, die jederzeit bereit war, mehr Verantwortung innerhalb ihrer Gruppe zu übernehmen. Diesem Ziel bleibt sie auch in Kung Fu Panda 3 treu. Tragischerweise bekommt sie auch dieses Mal keine Chance dazu, nur eine leicht stärkere Gewichtung ihrer Rolle im Kampf gegen den Bösewicht.
Fazit: Kung Fu Panda 3 ist ein unterhaltsamer, stellenweise auch lustiger Film, bei dem man sich als Zuschauer nicht als für blöd verkauft fühlen muss (wie in sonst fast allen Mutiplex-Kinofilmen). Die Geschichte ist dicht gestrickt und hält die Spannung durchgehend aufrecht.
Fast schon grotesk ist die überbordende Abschlussszene (qualititativ wie quantitativ) zu nennen: Soviel Happy-End hinterläßt einen schleimige Kitschspur aus gefühlsduseliger Friede-Freude-Eierkuchen-Glückseligkeit. Danach bekommt man übrigens nach einem gefühlt halbstündigen Abspann für zwei Sekunden die deutschen Synchronsprecher angezeigt. Insgesamt also ein kleines Highlight im versteppten Multiplexkino-Programm, rein cineastisch gesehen allerdings wahrlich kein Meilenstein.

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Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag

Graeculus (69)
(07.04.16)
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 keinB (07.04.16)
Hab mich schon immer gefragt, wer sich solche Filme anschaut. ;)

 Lala (07.04.16)
Gute Überschrift.
„Wie so oft, werden auch in Kung Fu Panda 3 die Nebenfiguren fast interessanter“
Das ist ein Klassiker: der Hauptdarsteller, der Held bleibt meist blass und die anderen Figuren beginnen umso mehr zu strahlen wie Sonne und seine Gang in Victoria.

 Dieter_Rotmund (08.04.16)
Tatsächlich gehe ich hin und wieder zu Pressevorführungen. (Aber bei Kung Fu Panda 3 war dies nicht der Fall.)
Grundsätzlich bin ich der Meinung, man kann jedem noch so misslungenen Film eine gut geschriebene Rezension abringen.
Tatsächlich war ich in Kung Fu Panda 3 jedoch durchaus gut unterhalten. Mehr jedoch nicht. Er ist wie so viele Mainstream-Multiplex-Filme: ziemlich belanglos, wenn man nur den Inhalt betrachtet, aber interessanter, wenn man ihm im Kontext/Spiegel der Gesellschaft sieht und die Besprechung mit etwas Hintergrundinfos unterfüttern kann.
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