Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Donnerstag, 10. Oktober 2019, 12:28
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Geschnallt?

von  Dieter_Rotmund


Gastkolumne von  max.sternbauer

In einem Text dieser Reihe wurde einmal die Bezeichnung B-Movies mit Avantgardeanstrich verwendet. Nun, diese Bezeichnung soll hier weiter vertieft werden.
Gemeint sind damit Filme, die vermeintlich eine intellektuelle Tiefe oder metaphysische Schwere vorgeben, die sie bei genauerem Hinsehen aber nicht haben. Anhand von zwei Filmen soll das genauer erklärt werden.

Matrix.

Als der Film 1999 herauskam, galt er schnell als Meilenstein, was auf viele Bereiche durchaus zutrifft. So brachten die Inszenierungen der Actionszenen, wirklich Neues auf die Leinwand, was man so noch nicht gesehen hatte und danach oft kopiert werden sollte. Auch gab Matrix deutliche Impulse in Richtung Martial Arts und des Cyberpunk und machten es einem größeren Publikum zugänglich. Gerade den Cyberpunk, schaffte Matrix ein wenig aus seiner Nerdecke zu holen und in das Licht des Mainstream zu schubsen.
Auch muss man dem Film seine Lorbeeren lassen, überhaupt den Versuch unternommen zu haben, Hirnschmalz und Actionkino zu verbinden.
Nur, der philosophische Tiefgang von Matrix ist vergleichbar mit einem Tretboot auf einem Baggersee. Aber Moment, haben nicht sogar Philosophen Bücher über die Themen geschrieben, die in Matrix behandelt werden? Ja, solche Bücher sind in der Tat publiziert worden, wozu auch immer.
Denn, das was Matrix so beschäftigt, sind in der Geschichte der Science Fiction schon alte Hüte.
Maschinen gaukeln der Menschheit eine falsche Realität vor, um diese unter Kontrolle zu halten.
Dieses ganze metaphysische Brimborium, das mit seinen Ranken um diese Geschichte herum wuchert, fällt nur bei einer simplen Frage vollkommen auf die Schnauze.
Also mit metaphysischen Brimborium sind Fragen gemeint wie, was macht Realität zur Realität und können Algorithmen eine Seele entwickeln.
Aber, wozu brauchen die Roboter dieses Gefängnis, in das die komplette Menschheit gesteckt wurde? Warum werden die Menschen nicht einfach im Koma gehalten?
Oder versklavt gleich andere Wesen, die nicht chronisch dazu neigen, ihre Welt zu hinterfragen.
Pottwalen muss man nicht in einer hochkomplexen Simulation eine gefälschte Welt vorlügen.
Es ergibt einfach keinen Sinn, außer diese Maschinen wären komplette sadistische Arschlöcher, die sich daran ergötzen, wenn die Menschen durch die von ihnen programmierte Welt herumirren. Wie Ratten durch ein Labyrinth.

Arrival.

Bei dem Film, ist eine Betrachtung etwas komplizierter. Also, erst einmal landen Aliens auf verschiedenen Punkten der Erde und keiner weiß, was die Neuankömmlinge eigentlich wollen.
Das bleibt auch lange im Film ein Rätsel.
Eine Linguistin und ein Physiker werden von dem US-Militär beauftragt, mit den Aliens in Kontakt zu treten.
Der Hauptteil des Filmes fokussiert sich auf den Schwierigkeiten dieser Herausforderung, mit einer fremden Intelligenz in einen Dialog zu treten.
Aber, warum haben sich diese Reisenden überhaupt die Mühe gemacht, die Erde zu besuchen?
Diese Wesen leben in einer anderen Zeitdimension als die Menschen, genauer gesagt existieren sie irgendwo zwischen Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. So in knapp 3000 Jahren, werden diese Aliens Hilfe von den Menschen brauchen.
Aber vorher hätten sie noch ein Geschenk für die Erdlinge.
Das Problem an diesen Aliens ist, das sie sich so ähnlich dämlich anstellen, wie ihre Kollegen aus dem Film Signs, mit Mel Gibson. Dort attackieren Invasoren aus dem All die Erde, und diese Aktion hat einen Schönheitsfehler. Denn diese Aliens in diesem Film sind allergisch, gegen Wasser.
Aber, sie greifen einen Planeten an, dessen Oberfläche zu einem großen Teil mit diesem Teufelszeug bedeckt ist. Auch und das ist kein Witz, können sie keine Holztüren öffnen.
In Arrival haben wir es mit Aliens zu tun, die mit riesigen Raumschiffen durch das Weltall düsen, aber zu blöd sind unser ABC zu lernen. Außerdem, warum tauchen sie nicht in 2800 Jahren auf, wenn in 3000 Jahren eine so schwere Krise sich am Horizont abzeichnet. Denn dann wären die Menschen sicher besser in der Lage, ihnen aus der Patsche zu helfen.

Was diese beiden Beispiele gemeinsam haben ist, dass scheinbar ein Gerüst aus einer komplexen Welt, erfüllt mit genauso komplexen Fragen errichtet wird. Aber, kaum rüttelt man nur an einer beliebigen Stelle, bricht alles auseinander und zurück bleiben nur Fragen und die Gewissheit, das Alien 2 und die beiden ersten Terminator-Filme unter anderem deswegen besser geworden sind, weil sie nicht dabei krepiert sind, den menschlichen Geist zu erweitern.

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