Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Montag, 16. November 2020, 12:41
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Ballack, wie gesagt

von  Dieter_Rotmund


Gastkolumne von  LotharAtzert

Daß der Fußballer Michael Ballack gern mal eine Interviewfrage in der Blütezeit seiner Karriere mit "wie gesagt" begann, war keine Seltenheit. Und auch im Fortgange von Befragungen kam immer wieder diese Redewendung vor. Dazu griff er sich zumeist ans rechte Ohr, oder ins Haar darüber, (geheime Zeichen, vermuten seine Fans noch heute) als wäre darin der Beweis des bereits vorher Gesagten. Bei mir führte dies dazu, daß ich auf Ballack-Interviews geradezu eine Obsession entwickelte, nur um zu hören, wann und wie oft wie gesagt mit todernster Miene und im Bariton zelebriert wurde. Zuletzt wusste ich es immer einen Ticken vor ihm, wann die zwei Wörter kamen, an einem fast unmerklichen Zucken eines Gesichtsmuskels, der es ankündigte.

"Wie gesagt, die Mannschaft hat nach der verschlafenen ersten Halbzeit und dem verschossenen Elfmeter Moral gezeigt, ist wieder zurückgekommen, äh wie gesagt, hat sich zurückgekämpft ins Spiel ..." - Jaja, das ist klar, das wurde schon zehntausend mal auf der Plattitüdenwiese abgegrast und gekäut, wird in Zukunft immer wieder nachwachsen, solange es Plattis gibt. Aber was soll man auch sagen, wenn der Instinktfußballer all seine Kraft in die Füße zu lenken weiß, Traumflanken schlägt und den Kopf mehr oder weniger zum Einköpfen eines Balles gebraucht. Ball und Lack, wie gesagt.

Nein, ein Fußballer, der noch etwas Instinkt besitzt, dem ist das ganze Theater um seine Person natürlich eine Tortur. Weswegen so genannte Spielerberater auf ästhetischere Performance drängen, den Umgang mit den Medien einüben - leider, nimmt dieses der Eigenart der Spieler jeglichen Flair. Er, der Multimillionär aus Görlitz, der nur ein bißchen kicken wollte, dann aber seine Seele verkaufte, eben an die Multis, wie gesagt, der war mal Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, hat Moral bewiesen - bis ihn Kevin Prinz Boateng vor der Weltmeisterschaft zusammentrat.

Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


 Willibald (19.11.20)
Eine launige, fein geschriebene Kolumne, jenseits von "meine Fresse"-Deutsch, wie es hier oft performt wird. Ambivalenzen in der Gedankenführung des letzten Abschnitts. Bedenkenswert.

greetse
ww

marginal:
des bereits vorher Gesagten. Bei mir führte dies dazu, daß ich auf Ballack-Interviews geradezu eine Obsession entwickelte, nur um zu hören, wann und wie oft wie gesagt mit todernster Miene und im Bariton zelebriert wurde. Zuletzt wusste ich es immer einen Ticken vor ihm, wann die zwei Wörter kamen, an einem fast

Vielleicht doch Anführungszeichen für die Zweiwortphrase?

Kommentar geändert am 19.11.2020 um 09:16 Uhr

 Dieter_Rotmund meinte dazu am 19.11.20:
Klassiker ist bei Fußballern eigentlich "Ja, aber..." Herr Ballack hat aber offenbar für sich etwas anderes gefunden. Lauf Google-Kurzinfo schreibt er heute ein Kolumne für die Times. Ob das stimmt? Nun ja, man kann sich ja helfen lassen...

 LotharAtzert antwortete darauf am 19.11.20:
Danke.
Die Zweiwortphrase hab ich als mentalen Stolperstein gedacht - man liest dran vorbei, um dann ... ist aber wahrscheinlich etwas weit hergeholt. Ich laß es stehen, sonst weiß der Leser nicht mehr, von was der geschätzte Willibaldus sprach.

Wie gesagt, Herr Ballack wird und ja bald wieder beehren, zusammen mit Laura Wontorra. Dann werde ich meiner Obsession … ok, genug jetzt!

Antwort geändert am 19.11.2020 um 11:35 Uhr

 Willibald schrieb daraufhin am 19.11.20:
Gut gesagt, wie gesagt.

greetse
ww

 Palytarol äußerte darauf am 19.11.20:
Darf ich mich unter Ihren Diskurs mischen, jetzt nicht als Rosine, bloß als Backzutat?
Die Beschäftigung mit Plattitüden in Sport und Fussi ist ja eigentlich etwas, an dem man nur scheitern kann, und Bele ist immer noch nicht zurück.
Ihnen, Herr Atzert, ist hier jedenfalls gelungen, auf eine solch milde Art zu scheitern, die der Gesamtgemengelage keinen weiteren Schmerz hinzufügt.
Denn, wie gesagt ist wie gesagt, und wie nicht, so nicht.
Davon profitieren Sie, und das ist doch wohl gerecht genug, ohne vom Videoschiedsrichter erst noch einmal überprüft werden zu müssen.
Ansonsten sollten wir weiterlachen, egal, worüber, damit uns der Gesamtbums nicht freudlos um die Ohren fliegt.

 LotharAtzert ergänzte dazu am 19.11.20:
Eure Durchlaucht,
Bitte sprecht auch Ihr uns ab jetzt in der dritten Person an, dann wären wir zusammen schon sechs.
"Wie gesagt" bedeutet, daß etwas allgemein oder im Speziellen Bekanntes vorausging. Das setzte oder setzt B. voraus, oder besser sein Instinkt übers Unbewußte. Der weiß oder ahnt, daß alles Geschwätz, alles Scheißdreck ist, aber - und jetzt spitzt eure Ohren, Durchlaucht: derselbe Instinkt hat ihm gezeigt, wie aus Scheiße Butter gemacht wird, wie wir manchmal zu sagen pflegen, so als Wandlungsmetapher. Und nun läßt er ganz Deutschland am Buttersegen teilhaben. Das finden wir nobel, damit erwirkt er gutes Karma.

tashi delek

Jeder darf in die Diskursküche, der/die älter als sechs Jahre ist und mitbacken will.

und wie gesagt: sollte ich einen Profit wie auch immer und ganz wider Erwarten daraus ziehen können, so stifte ich den zur Gänze an die anonymen Literatiker.

 Palytarol meinte dazu am 19.11.20:
Ja, ein Mastermind der Redundanz.
Sein Verdienst, obschon er vermutlich gar nicht weiß, worum es eigentlich überhaupt geht.
Euer Verdienst, Atzert, diese Kolumne.
Worüber schreiben Sie eigentlich sonst so?

 LotharAtzert meinte dazu am 19.11.20:
Es gibt hier einen, der nennt sich Fidel. Der kennt sich da besser aus.

 Willibald (20.11.20)
Schöner Kommentar (SZ 17. November): Niklas Süle

Wird, wenn es um die Maße von Haushaltsgeräten geht, gerne mit einem Kühlschrank verglichen. Blöd nur, wenn da drei quirlige Handrührgeräte auf ihn zukommen, gegen die der Kühlschrank ganz schön groß und schwer aussieht. Die spanischen Handrührgeräte hießen Morata, Torres und Olmo, die es der von Süle verantworteten Abwehr echt schwer machten. Zur Halbzeit raus, hatte Knieprobleme.

 eiskimo (21.11.20)
Fußballer sollen sich, wie das Wort es schon klar macht, am BALL beweisen, nicht am Mikrophon. Dem BALLack hätte das als erstem klar sein müssen.

 Dieter_Rotmund meinte dazu am 21.11.20:
Ja, sicher, lustig ist es manchmal trotzdem. Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien!

 eiskimo meinte dazu am 21.11.20:
Das hast Du aber jetzt etwas hochsterilisert!
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