Erstes Tagebuch

Erlebnisgedicht zum Thema Absurdes

von  NachtGold

Liebes Tagebuch,
ich habe dich heute Mittag aus einem Laden gestohlen. Mama will nicht, dass ich dich habe, aber ich wollte dich haben also habe ich dich jetzt. Du bist nicht mal teuer gewesen. 3,95€ aber Mama wollte dich trotzdem nicht kaufen. Dabei hat sie Geld. Wir waren danach bei Aldi und Ayse Teyze einkaufen. Habe aber, weil ich gesagt habe, dass ich jetzt nicht mehr mit ihr rede, nicht sagen können, dass sie anscheinend doch Geld
hatte. Eigentlich hätte ich mit ihr schimpfen können, aber ich traue mich nicht und außerdem bist du ja jetzt hier. Ist aber gar nicht schlimm. Wenn die Polizei fragt, geben wir denen dann Geld. Mama kann auch mal auf
Obst oder Gemüse verzichten. Mag ich eh nicht. Warum kocht sie das dann? Papa isst eh alles. Pommes und Pizza und Nudeln schmecken besser.
Bis Morgen liebes Tagebuch. Ich habe dich lieb.


Anmerkung von NachtGold:

Ich musste ziemlich über mich lachen und schäme mich dafür, dass ich so freche Gedanken schon damals hatte, aber ich bin auch stolz auf mich, weil mich dieses Tagebuch ja nun seit Jahren am Stift und Papier hält. Irgendwie auch alles ein wenig traurig, aber damit halte ich mich nicht mehr auf. Karma soll dieser kleinen Sünde vergeben (hoffentlich)!!! Meine Eltern hielten nicht viel von Literatur, Kunst o. Ä. Ich habe mir damals selbst helfen müssen. Ich habe meistens am Abend auf der Toilette geschrieben, denn da war ich ungestört. Ich teilte mir nämliche ein Zimmer mit meinen 3 Geschwistern. Da wäre mein kleines Geheimnis und die vielen darin enthaltenen Geheimnisse bestimmt schnell an die frische Luft geraten.
Der Text ist von Anfang 2005. Ich war zu dem Zeitpunkt 8 Jahre alt.

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