Neulich war die ganze Straße voller feiernder Menschen.
Das ist ja toll.
Nein, ist es nicht.
Was wurde gefeiert?
Die Geburt eines neuen Jahres.
Ach, Du meinst Silvester.
Ja, so nennen alle das.
In meiner Partyjugend hab ich etliche bis in frühen Morgenstunden durchgetanzt.
Total euphorisch mit reichlich Sekt, ausnahmsweise, normalerweise nur Kaffee und Radler.
Wir hatten eine Katze, die mir durch Verhalten half, zu Silvester die richtigen Fragen zu stellen. Das geschah nicht unerwartet, aufgefallen war mir der sinnlose Lärm schon länger und meine Einstellung zu Alkohol und Feiern hatte sich auch geändert. Ich stellte fest, dass ich nicht der Einzige war, der erschrocken über die Zahl der Unfälle zu Silvester und die Unsummen die sich da in kurzer Zeit in Schall und Rauch auflösen, an diesem Brauch zu zweifeln begann.
Inzwischen gibt es Länder, in denen diese Form des Feierns abgeschafft wurde. Das ist insofern interessant, weil ähnlich unsinniges Brauchtum sich vehement weigert die Bühne zu verlassen.
Ich kann als Außenstehender oft nicht nachvollziehen, warum das eine Problem so zu lösen war und das andere nicht.
Es ist auch nicht so, dass der Widerstand gegen diesen Brauch besonders politisch motiviert, von den Medien klar dargelegt und von allen Parteien rückhaltlos unterstützt wurde. Zumindest ist mir das nicht aufgefallen.
Es wurde anscheinend einfach beigelegt, weil keiner groß was dagegen hatte. Hatte das unglaubliche gesellschaftliche Konsequenzen, eher nicht, wurde das hitzig debattiert, nicht dass ich wüsste. Das einzige was eigentlich im Weg stand, war die zwielichtige Aussage, das Volk braucht seine Feste, eine Anlehnung an Brot und Spiele, wenn ich raten müsste, also aus dem alten Rom, einer Zeit der Versklavung ganzer Volksgruppen, heftiger Intrigen und enormen militärischen Ausgaben. Die Spiele gibt es immer noch, nur das Programm hat sich geändert. Es gibt inzwischen auch Länder in denen das Einsperren von bestimmten Wildtieren zur öffentlichen Unterhaltung verboten wurde.