KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Montag, 27. Juli 2026, 22:19
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Michel Friedmans Rede in Bayreuth

888. Kolumne

Michel Friedmans Rede in Bayreuth
 

Friedman will noch eine Ausstellung des Antisemiten Richard Wagner im Foyer. Das wäre nicht nur übertrieben, sondern auch räumlich unpassend. Die Stelen der Opfer draußen sind da viel wirkungsvoller. Auch das Museum in und bei der Villa Wahnfried. Abgesehen von diesem unpragmatischen Demütigungsvorschlag finde ich Friedmans Rede aber ausgezeichnet. Da er als Jude sprach, war es schon deswegen keine Sonntagsrede. Und da er weit über Bayreuth hinausging, war es eine wichtige Rede in gefährdeter Zeit, die sich ja an alle in Deutschland wandte. Besonders gefielen mir die kritischen Passagen gegen (so manche) Linke. Und die Erwähnung von Zumutungen, die deutsche Juden ertragen müssen, etwa im Vergleich zu eingewanderten Türken oder Palästinensern, die sich nicht für Erdogan entschuldigen müssen etc. 

Friedmans Rede ist das Beste, was ich bisher von ihm las. Er war mir als Person nie sympathisch, er zeigte sich gern arrogant. Aber die Rede ist ihm gelungen, denke ich. Natürlich ist mir bewusst, dass jene die Rede nicht lesen, auf die sie gemünzt ist. Andererseits fehlt es denen, die für den Erhalt unserer Demokratie sind, an Einigkeit, Zusammenhalt und Bereitschaft zum Handeln; die werden sich durch die Rede auch nicht ändern. Manche aber werden dennoch bestärkt durch das Ereignis in Bayreuth.



27.7.26

 
 

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Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


 Juli (07.08.26, 14:08)
Wer kennt die komplette Rede?
Ja, ich kenne sie. Er sagt viel richtiges. Und doch, die Rede enthält seltsame Widersprüche. Ein Bsp. er betont, dass man "die deutschen" "die Juden" "die ...." bewust aus dem Wortschatz streichen soll, es gebe diese kollektiven Zuschreibungen nicht, sondern stets nur den einzelnen, eigenverantwortlichen Menschen.
Und in der gleichen Rede macht er mehrfach ganz bewusst kollektive Zuschreibungen und hackt ganz heftig auf "die ..." rum.


btw. über "noch eine Ausstellung des Antisemiten Richard Wagner im Foyer" sagte er nichts in der Rede, oder habe ich es überhört?

Auch so ein Widerspruch, Bsp.
etwa im Vergleich zu eingewanderten Türken oder Palästinensern, die sich nicht für Erdogan entschuldigen müssen etc. 
Er fordert einerseits Migranten aufzunehmen, andererseits prangert er das Fehlverhalten von Migranten an. Wer ist dafür verantwortlich, die welche diese judenhassenden Migranten aufgenommen haben, also die Nichtmigranten? Wenn man Migranten nicht wegschickt, wie soll man deren Antisemitismus verhindern? Wie möchte es Friedman richtig machen? Diese Antwort bleibt er schuldig.

Kommentar geändert am 07.08.2026 um 15:36 Uhr
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