KLICKS UND CLIQUEN
Synthesen + Analysen in der Matrix
Eine Kolumne von Bergmann
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Michel Friedmans Rede in Bayreuth
888. Kolumne
Michel Friedmans Rede in Bayreuth
Friedman will noch eine Ausstellung des Antisemiten Richard Wagner im Foyer. Das wäre nicht nur übertrieben, sondern auch räumlich unpassend. Die Stelen der Opfer draußen sind da viel wirkungsvoller. Auch das Museum in und bei der Villa Wahnfried. Abgesehen von diesem unpragmatischen Demütigungsvorschlag finde ich Friedmans Rede aber ausgezeichnet. Da er als Jude sprach, war es schon deswegen keine Sonntagsrede. Und da er weit über Bayreuth hinausging, war es eine wichtige Rede in gefährdeter Zeit, die sich ja an alle in Deutschland wandte. Besonders gefielen mir die kritischen Passagen gegen (so manche) Linke. Und die Erwähnung von Zumutungen, die deutsche Juden ertragen müssen, etwa im Vergleich zu eingewanderten Türken oder Palästinensern, die sich nicht für Erdogan entschuldigen müssen etc.
Friedmans Rede ist das Beste, was ich bisher von ihm las. Er war mir als Person nie sympathisch, er zeigte sich gern arrogant. Aber die Rede ist ihm gelungen, denke ich. Natürlich ist mir bewusst, dass jene die Rede nicht lesen, auf die sie gemünzt ist. Andererseits fehlt es denen, die für den Erhalt unserer Demokratie sind, an Einigkeit, Zusammenhalt und Bereitschaft zum Handeln; die werden sich durch die Rede auch nicht ändern. Manche aber werden dennoch bestärkt durch das Ereignis in Bayreuth.
27.7.26