KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Montag, 10. August 2026, 22:34
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Das Ungewisse

890. Kolumne


 
DAS UNGEWISSE verbinden wir wohl am ehesten mit der Angst. 
Angst vor ... ja was? Martin Heidegger in seiner Antrittsvorlesung über Die Angst und das Nichts
„... Zwar ist die Angst immer Angst vor ..., aber nicht vor diesem oder jenem. Die Angst vor ... ist immer Angst um ..., aber nicht um dieses oder jenes. Die Unbestimmtheit dessen jedoch, wovor und worum wir uns ängstigen, ist kein bloßes Fehlen der Bestimmtheit, sondern die wesenhafte Unmöglichkeit der Bestimmbarkeit. Sie kommt in der folgenden bekannten Auslegung zum Vorschein.
In der Angst - sagen wir - „ist es einem unheimlich“. Was heißt das „es“ und das „einem“? Wir können nicht sagen, wovor einem unheimlich ist. Im Ganzen ist einem so. Alle Dinge und wir selbst versinken in eine Gleichgültigkeit.
Dies jedoch nicht im Sinne eines bloßen Verschwindens, sondern in ihrem Wegrücken als solchem kehren sie sich uns zu. Dieses Wegrücken des Seienden im Ganzen, das uns in der Angst umdrängt, bedrängt uns. Es bleibt kein Halt.
Es bleibt nur und kommt über uns - im Entgleiten des Seienden - dieses „kein“. Die Angst offenbart das Nichts. 
Wir ‚schweben‘ in Angst. Deutlicher: die Angst läßt uns schweben, weil sie das Seiende im Ganzen zum Entgleiten bringt. Darin liegt, daß wir selbst - diese seienden Menschen inmitten des Seienden uns mit entgleiten. Daher ist im Grunde nicht ‚dir‘ und ‚mir‘ unheimlich, sondern ‚einem‘ ist es so. Nur das reine Da-sein in der Durchschütterung dieses Schwebens, darin es sich an nichts halten kann, ist noch da.
Die Angst verschlägt uns das Wort.“ 
 
Aber es gibt auch andere Ungewissheiten, die nicht gleich mit dem Begriff der Angst in Verbindung gebracht werden müssen - jedenfalls ist da die Angst kleiner oder es ist keine Angst, sondern nur ein unvollkommener Erkenntniszustand, eine Schwebe, ein Zweifel ... 
Etwa in der Liebe. Wenn der eine flirtet, ist da der andere immer sicher? 
Oder im Selbstgefühls meines Wertes - im Beruf, in einem künstlerischen Auftritt ...
Oder in der Politik ... im Krieg ... in der Wirtschaft ... 
Wir durchleben gerade eine Zeit von Ungewissheiten ... ich denke an Corona ... an die Inflation ... 
Oder: Wie sicher bin ich meines Lebens? Egal, wie alt ich bin. 
Schaffe ich das Abitur, das Examen? 
Wird mein Kind gesund geboren?
 
Das Ungewisse ist ganz gewiss eins der größten und wichtigsten Themen. Täglich erleben wir es im Kleinen. Und ab und zu wird das Ungewisse größer - und manchmal ganz groß.
 

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