KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Montag, 10. August 2026, 22:44
(bisher 29x aufgerufen)

Strudel

893. Kolumne

Physikalisch: Ein spiraliger, trichterförmiger Wasserwirbel, der von ihm erfasste Gegenstände, Schwimmer, kleine Boote nach unten zieht. Unten verliert sich die Sogkraft, so dass ein Schwimmer gut beraten ist, sich nicht gegen die Sogkraft zu wehren, um unten dem Strudel zu entkommen, etwa auf dem Grund eines Flusses.
 
Im übertragenen Sinn: Der Sog, der Mahlstrom der Ereignisse zieht einen Menschen oder sogar eine Menschengruppe in die Tiefe, in den Untergang. Diese strudeln wehrlos und gegen ihren Willen in die Tiefe.
 
Die Kräfte des Strudels liegen außerhalb, aber auch innerhalb des betroffenen Menschen, zum Beispiel: Verlockungen durch andere Menschen, eine Partei, ein Spielkasino, der Aktienmarkt, ein schöner Körper ... Und umgekehrt: Ich folge den Verlockungen, ich bin aber auch frei, ihnen nicht zu folgen, ich kann widerstehen, falls ich die Gefahr erkenne. Wenn ich mich nicht rechtzeitig abwende, dann werde ich vom Strudel erfasst und gehe in ihm unter, willentlich oder enttäuscht, mehr oder weniger bewusst, jedenfalls wehrlos.
 
Gibt es auch gute Strudel - etwa in der Liebe?
Ich denke: nein. Auch in der Liebe ist es kontraproduktiv, sich im geliebten Gegenüber zu verlieren. Es rettet auch nicht, wenn sich beide gegenseitig im je anderen verlieren, sozusagen in einem vereinigten Doppelstrudel, der Verlust der eigenen Persönlichkeit zerstört die Liebe, ja die Liebe ist von Anfang an entwertet.
 
Ein Beispiel für einen Selbst-Strudel: Ich begebe mich in ein Lügengespinst. Ich lüge anderen etwas vor, um eine falsche, also eine erfundene Existenz vorzutäuschen, etwa als Hochstapler. Oder als Flucht vor mir selbst oder vor der Wirklichkeit (Eskapismus). Da entwickelt sich auf die Dauer ein Strudel, in dem der Lügner langsam beginnt, seine Lügen selbst zu glauben ... Zum Glück gibt es Rettung, wenn das Lügengebäude in sich zusammenfällt, wenn der Lügner auffliegt (ein markantes Wort, das zum Weiterdenken anregt).
         
Denken wir an die politischen Strudel. Der Nationalsozialismus ... der Putinismus ... Make America Great Again ... Für alle diese Mahlströme gibt es komplexe Ursachen und Motive, die teils außerhalb der Menschen liegen, wirtschaftliche Nöte, gescheiterte Lebenswege, gesellschaftliche Unordnung - und vieles andere.
 

Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


 Juli (11.09.26, 02:43)
Die Haupteigenschaft des Strudels ist das Drehen.

Daher auch der  Name für das Gebäck, welches als guter Strudel genannt werden darf. 

Auch metaphorisch gibt es gute Strudel, etwa den flow des Künstlers. 







Kommentar geändert am 11.09.2026 um 02:44 Uhr

 S4SCH4 (11.09.26, 09:16)
Die Wandlung des Strudelbegriffes, wie er im vorliegenden Text anzufinden ist, zwischen einer naturwissenschaftlichen und metaphysischen Größe, macht mir die Sache schwer fassbar. Liegt dem Autor an einer Meditation über den Begriff „Strudel“? Oder verfolgt er einen konkreten Gedanken…

Mich brachte es jedenfalls zu der Frage: „Sind natürliche Prozesse (die Natur im weitesten Sinne) überhaupt jemals gut oder böse?“ Jeder Blick in den Sonnenuntergang kann zum besagten Strudel werden und eine Gedankenwelt verblenden usw.

Ich möchte der Welt / Natur nicht eine Schönheit absprechen, aber, ich denke, erst die menschliche Naturwissenschaften setzen „Regeln“ für eine Klassifikation der Natur. Das dies ein zweischneidiges Schwert ist, scheint gerecht; es spaltet die Gemüter gleichsam wie die Einteilung in besagtes gut/böse.

 DanceWith1Life (11.09.26, 15:36)
Ich warte mal ab, welche „Superstrudel“ El Niño jetzt dann zustande bringt, möchte aber den Gedankengang hier lassen, dass auch gesellschaftliche Erfolge, finanzieller Gewinn, bei der Aufzählung von Strudeln nicht fehlen sollten.
Zur Zeit online: