KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Freitag, 10. Juni 2011, 09:56
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Das deutsche Gymnasium ist viel besser als sein Ruf

253. Kolumne

Der Lateinunterricht ist zwar systematisch, wenn auch ungewollt, zerstört worden. Grammatikunterricht in den Fächern Deutsch, Englisch, Französisch ... findet am Gymnasium statt wie eh und je. Die gesellschaftlichen Kontexte und das technische Umfeld samt Kommunikationsformen und -mitteln sind völlig verändert im Unterschied zu unserer Schulzeit vor einem halben Jahrhundert. Dass es Lehrer damals viel leichter hatten, Schüler in der Sprache auszubilden und zu bilden, liegt auf der Hand, zumindest was grammatische Richtigkeit und hochsprachliche Stilistik angeht. ABER: Überlegenswert ist auch die Erinnerung an das, was unsere Lehrer im Unterschied zu heutigen nicht konnten oder wollten! Die Ausbildung des gesellschaftlichen Bewusstseins im Geist einer bildungsbürgerlichen Haltung, der soziale Inzest damals! Heute werden kommunikative Fähigkeiten im Zusammenhang individualpsychologischer Entwicklung viel mehr gefördert. Tugenden werden nicht anbefohlen und starr eingeklagt, sondern es gibt längst an den Schulen einen Diskurs im Miteinander. So beklagenswert manchmal sprachliche Defizite heute sind - dem steht gegenüber, dass bald nicht mehr nur 5-10 Prozent eines Jahrgangs zum Abitur geführt werden, sondern bald 40 Prozent, mit steigender Tendenz! Der Anteil der an Literatur und Sprache wirklich Interessierten ist nicht gesunken, vielleicht auch nicht gestiegen. Transparenz, Informationsbeschaffung und Selbstbildungsmöglichkeiten sind FÜR JEDEN segensreich ins Unermessliche gestiegen! Fast vorbei sind die Zeiten, wo vermeintliche Alphawesen Zitate von Schiller, Goethe, Homer, Sophokles, Vergil, Shakespeare - oft in der Originalsprache - von weisen spitzen Lippen ins unverständige Volk herab wisperten.
Ich singe das Lob unserer heutigen Schulwirklichkeit. Ich denke nicht, dass ein besserer Latein- und Grammatikunterricht die Einsteins und alle die Göttinger Nobelpreisträger hervorbrachte.

Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


 Bergmann (10.06.11)
Kleine Korrektur - im Titel:
Ich meinte (natürlich) das Gymnasium, nicht alle Schulformen.
Im übrigen bin ich der Meinung, dass das dreigliedrige Schulsystem zerstört werden muss zugunsten der Gesamtsxchule als Regelschule.
wortverdreher (36)
(10.06.11)
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 loslosch (10.06.11)
Uli Bergmann gab keinen naturwissenschaftlichen Unterricht. Kein vorwerfbares Defizit. Das können die kompetenten (?) Kollegen besser beantworten. Bei kv ist übrigens einer, Jg. 1940!

Ich lese im UB-Text nur vom bildungsbürgerlichen Bewusstsein, dass die Altvorderen vermittelten.

Uli, Du solltest Deinen Texten künftig eine Leseanleitung beilegen. :) Lothar

 loslosch (11.06.11)
@Jack: Schon aufgefallen? Du warst gar nicht gemeint. Lo

 Matthias_B (12.06.11)
Im übrigen bin ich der Meinung, dass das dreigliedrige Schulsystem zerstört werden muss zugunsten der Gesamts[ ]chule als Regelschule.

Eine Göttinger Gesamtschule hat den Deutschen Schulpreis 2011 gewonnen. Der smilige Flatufilou Herr Bundesplausel durfte dazu (verkniffen - denn er hatte als MP von Niedersachen gegen die Integrierten Gesamtschulen mobil gemacht) gratulieren.

 loslosch (12.06.11)
Eine gute Nachricht! Lo
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