KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Sonntag, 18. September 2011, 19:17
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Kleine Wahrheit

267. Kolumne

„Die Philosophie ist eine Art Rache an der Wirklichkeit“, sagt Nietzsche.
Als überlistete sich im Menschen die Natur, sie wird sich ihrer im Menschen bewusst, so scheint es, aber wahrscheinlich ist das leider eine Täuschung - die Wirklichkeit spiegelt sich nur in der Philosophie, als Zerrbild. Zwar kommt uns das Zerrbild wahrer vor als die erlebbare Wirklichkeit, aber wir sehen nur ein Bild der Wirklichkeit, und zwar unser subjektives Bild - vielleicht ist uns das Leben nur so verständlich. Vermutlich ist die Täuschung die beste, die einzige Wahrheit. Anders gesagt, es gibt gar keine Wahrheit, es gibt nur ein Bild, das wir für die Wahrheit halten. Wenn wir Glück haben, aber das wissen wir nie, ist unsere eigene Wahrheit die einzige Wahrheit, eine Tautologie, obwohl in der Tiefe des Gedichts die Wahrheit liegt, dass alles Reden und Schreiben ein einziges Schweigen ist. Totsein ist Leben, die Dinge sagen sich alle selber, das Leben ist eine Formel des Nichts, nur ein anderes Wort, eine andere Gleichung. Alle Gleichungen sind Tautologien, links steht dasselbe wie rechts. Alles sagt sich selbst. Whitehead/Russels „Principia Mathematica“ und Wittgensteins „Tractatus logico-philosophicus“. Freges Wahrheitsstriche, die Russell weglässt, sind nur Behauptungen von Geltung, damit ist nicht gesagt, dass das behauptete Sein überhaupt gilt oder da ist. Das Sein ist nur ein umgestülptes Nichts - oder umgekehrt, das Nichts ein umgestülptes Sein. Das Umstülpen ist das Geheimnis von Zufall und Notwendigkeit (Monod), und das Gesetz ist die Wahrscheinlichkeit: Alles kann sich ereignen, auch das Nichts, auch der Mensch, das Jetzt, es ist ja genug Zeit und Raum da, genug Platz im Nichts, um durch alle Zustände zu gehen, auch die ‚unmöglichen’.




























* * *

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Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


 Lala (16.09.11)
„Wenn wir Glück haben, aber das wissen wir nie“

Wie weiß ich denn dann, lieber Old Ulreich Schattenhand, ob ich den Jackpot geknackt habe? Wenn ich nie die Bestätigung bekomme, dass ich „Glück“, hier ja im Sinne von Sechs Richtige verwendet, gehabt hatte, dann hatte ich alles Glück der Welt gehabt, ohne je es bewusst genossen zu haben, dass ich alles Glück hatte? Ich ziehe es daher vor doof im Sinne von unwissend und glücklich zu sein.

„unsere eigene Wahrheit die einzige Wahrheit, eine Tautologie, obwohl in der Tiefe des Gedichts die Wahrheit liegt, dass alles Reden und Schreiben ein einziges Schweigen ist.“

Wieder ist es Schweigen, wieder weiß kein Schwein, ob er gewonnen hat oder nicht. Doofes Spiel.
Auch schwer zu verstehen: Unsere (uns, meiner, mir, mich, eigene ???) Wahrheit ist eine Tautologie, ist also alternativlos wahr, bzw. immer wahr obwohl ... Obwohl! Häh??? Obwohl immer wahr, aber nicht immer wahr? Ja, nein, ist klar.

Aber wichtiger ist. es ist ein so saudoofes Spiel, dass nur Vollpfosten darüber stundenlang reflektieren und außer ihrem Einsatz auch noch ihre Lebenszeit verlieren – Uuups!





















Eigentlich wollte ick - sorry muss grad aufstoßen – nüscht mehr schreiben aber:“ Totsein ist Leben“, ist so watt von zugenagelt beschränkt und TikkiTakkiPimmel, dass ich befürchte, als Pensionär so doof wie ein Backfisch zu werden, aber mich gewählter auszudrücken verstehe. Toll.























Gibt es schon ein Best Of für Ritze, Ratze Gedichte für RentnerRitzer, die sich langweilen?

 loslosch (17.09.11)
da kriegt man den horror vacui.

 loslosch (18.09.11)
jack: in diesem fall ist die normalerweise unnütze vollständige widerholung des vorkommentars eine verdrehung, weil du das durchtriebene wörtchen "auch" angefügt hast.

du bist recht klug, offenbar auch schlau - und raffiniert.
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