KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Samstag, 23. März 2013, 12:08
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Angst und Schrecken: Tod (Woody Allen) (Stücke 5)

352. Kolumne

„Tod“ – ein Stück von Woody Allen
Eine tragische Komödie über Angst und Schrecken und die Unfähigkeit zu vertrauen.

Sechzig Minuten lang wird wortwörtlich und hintergründig zugleich unser Sicherheits-Wahnsinn aufs Korn genommen - das Stück entstand lange vor dem 11.9.2001, aber es hat damit zu tun. In geradezu kafkaesken Szenen wird unsere Angst vor dem Mörder unter uns gezeigt ...

Kleinmann schläft. Mitten in der Nacht wird er aus dem Schlaf gerissen: Die Bürgerwache will ihn an der Jagd auf einen Massenmörder beteiligen. Kleinmann, der lieber bei seiner Geliebten bleiben will, muss mit. Er kennt seinen Auftrag nicht. Er erkennt: Keiner kennt seinen Auftrag - und der Mörder mordet weiter. Kleinmann trifft eine Nutte, eine Ärztin, die vor seinen Augen stirbt. Die Bürgerwache spaltet sich, die verfeindeten Gruppen kämpfen gegeneinander. Bald wird Kleinmann für den Mörder gehalten ... Er hat noch einmal Glück ... Schließlich trifft er auf eine seltsame Gestalt ...

Kleinmann ist der Antiheld dieses Einakters, in dem Woody Allen die kleinbürgerlichen Sicherheitsbedürfnisse in einer Welt von Mördern attackiert. Kleinmann will seine Ruhe haben. Aber die Bürgerwache auf der Suche nach dem Massenmörder holt ihn nachts aus dem Bett und will seine Mitarbeit. Die Jagd nach dem Mörder ist subtil ausgedacht: Jeder kennt nur seinen eigenen Auftrag, keiner kennt den ganzen Plan. Kleinmann hat überhaupt keinen Auftrag, jetzt steht er mitten in der Nacht allein auf der Straße – auf der Suche nach seinem Auftrag. Er trifft seine Ärztin, die verrät ihm nichts, dann begegnet er einer Prostituierten, die kann ihm auch nicht helfen, plötzlich fällt die Ärztin sterbend vor seine Füße, aber sie weiß auch nichts. Endlich kommt die Bürgerwache - aber die ist auf einmal in zwei feindliche Lager gespalten. Sie jagen immer noch den Massenmörder. Der Verdacht fällt schließlich auf Kleinmann: Er sei der Mörder. In letzter Sekunde kann er seinen Hals aus der Schlinge ziehen ... Aber nun kommt die schlimmstmögliche Wendung: Im Dunkel der Nacht stößt Kleinmann auf die Irre ... und sie besiegelt sein Schicksal.

Der Einakter, eine tragisch-ironische Komödie mit kafkaesken Zügen, entlarvt rationalistischen Übereifer und Irrationalität in einer gesellschaftlichen Atmosphäre voller Angst vor Verbrechen (oder Terrorismus) mitten unter uns - keiner will oder kann dem anderen mehr vertrauen. Das Zusammenleben scheitert.

Ulrich Bergmann

Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag

Graeculus (69)
(16.01.15)
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