Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Donnerstag, 15. August 2019, 13:49
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Open Air Kino ...sucks

von  Dieter_Rotmund


Wer war in diesem Sommer schon im Open Air Kino? Ich gebe zu, ich war es nicht. Denn leider zeichnet sich das Programm der Lichtspielsäle unter freiem Himmel landauf landab durch eine gewisse bleierene Ideenlosigkeit ab. Im Programm gibt so etwas wie Evergreens der blöd machenden Unterhaltung, die praktisch überall zu finden sind:

Platz 5: Der König der Löwen, USA 2019
Das war ja klar, dass uns dieser alte Schmachtfetzen nach dem Riesenerfolg 1994 (der in keiner Relation zur Qualität stand), nun nochmals um die Ohren gehauen wird. Wieder mit sprechenden Tieren, jetzt auch noch computeranimiert. Das hat den Unterhaltungswert eines Plastik-Aschenbechers. Bäh!

Platz 4: Fast&Furious, USA irgendwann, irgendeiner der zig Teile.
Eigentlich ein Epigone des deutschen Manta, Manta von 1991. Dämlack Til Schweiger würde auch gut in diese Fast&Furious-Filme passen, in denen unreife Jungs mit ihren Spackenkarren einen auf dicke Hose machen und tatsächlich glauben machen wollen, dies könne Mädchen beeindrucken. Ist nur was für männliche Hauptschulproleten mit Minderwertigkeitskomplexen. Überhaupt nicht furios, eher furzdoof.

Platz 3: Der Junge muss an die frische Luft, Deutschland 2018
Ja, "frische Luft", da haben sich die Open Air-Kinobetreiber wohl gedacht, DAS muss unbedingt ins Programm. Deutscher Sozialkitsch um den jungen Hape Kerkeling. Endlich, endlich war der Film aus dem normalen Kinoprogramm verschwunden, da begegnet er uns im Open Air-Kinoprogramm wie lästige Gürtelrose wieder.

Platz 2: Irgend so ein Reise-Film, gerne auch "von oben"
Das sind die rechtmäßigen Nachfolger von Dia-Shows wie "Wunderschönes Irland" oder "Traumziel Thailand" wie sie früher über die mittelgroßen Stadthallen tingelten. Es werden die erwarteten Klischees abgefrühstückt, mit einer heilen Welt-Ästhetik und für die Gutmenschen im Publikum ein kurzer Blick auf irgendwelchen Plastikmüll, damit man sich kurz (aber nur ganz kurz!) empören kann.
Ein dokumentarischer Wert oder gar journalistisch-kritischer Inhalt ist nicht mehr vorhanden. Ich war in They shall not grow old und dann auf Urlaub in Verdun. So geht das, bitte nicht dieser Reisefilmkitsch.

...und ganz klar auf Platz 1:

Mamma Mia!, Usa, Großbrit und Schland 2008
Es scheint so eine Art organisierte Zuschauermafia zu geben, die in solche Filme immer mehrere Gruppe kreischende Mitvierziger-Mädels schickt, die während des Films eine Kiste Wein schluckt und alle Lieder mitsingt. Das ist natürlich Gold für jedes Open Air-Kino und ein No go für jeden normalen Kinobesucher. Um Film gucken ging es bei diesem Musical sowieso noch nie, nur um eine Mädelsabend-Sauflegitimation. Der Film zieht sich wie Ebola durch alle Open Air-Programme. Es ist allerdings null Licht am Ende des Tunnels in Sicht, mehrfach-gucken von Mamma Mia! hat sich etabliert, wegen Alkohol können sich die aufgekratzten Mädels sowieso nie an das Ende erinnern.

Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


 Judas (15.08.19)
Wie sagst du immer so schön: gern gelesen. Ich mag den genervt, unkorrekten Ton.

 Dieter_Rotmund meinte dazu am 15.08.19:
Danke, hat ja auch Spaß gemacht.
Fisch (55)
(15.08.19)
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 Dieter_Rotmund antwortete darauf am 15.08.19:
Hallo Fisch, ja, so ist es.
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